Guckt böse: Trump und das Iran-Dekret
Guckt böse: Trump und das Iran-Dekret
Prof. Dr. Godehard Brüntrup SJ
Prof. Dr. Godehard Brüntrup SJ

09.05.2018

Jesuit Brüntrup zu Trumps Iran-Politik "Da kommen Eiszeiten auf uns zu"

Die USA steigen aus dem Atomabkommen mit dem Iran aus. Über mögliche Folgen machen sich Menschen in aller Welt Sorgen, auch der Jesuit und USA-Experte Prof. Godehard Brüntrup.
 

DOMRADIO.DE: Donald Trumps harte Haltung gegen den Iran ist keine Überraschung. Was ist seine maßgebliche Motivation?

Prof. Dr. Godehard Brüntrup SJ (Jesuit, Philosoph und USA-Experte): Zunächst rächt sich da, dass Obama eine wichtige Frage der internationalen Politik ganz allein auf seine Partei bauend und gegen die Republikaner durchgesetzt hat. In der Tradition haben die Amerikaner in den großen außenpolitischen Fragen schon versucht zwischen beiden Parteien Kompromisse herzustellen. Kein einziger der Republikaner war für diesen Deal und das – und jetzt haben die Republikaner die Mehrheit – holt Amerika jetzt ein. Der Präsident führt eigentlich nur das durch, was sich durch den Wahlsieg die Republikaner angedeutet hat.

DOMRADIO.DE: Auch die Stellung Israels in diesem Konflikt spielt für Präsident Trump eine nicht unwesentliche Rolle. Vor kurzem kündigte er auch an, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen zu wollen und damit Jerusalem als offizielle Hauptstadt Israels anzuerkennen. Liegt Israel Trump wirklich am Herzen?

Brüntrup: Das mag mit Israel zu tun haben. Ich denke, dass es ihm vor allen Dingen darum geht, dass er glaubt, dass dieser Deal schlecht ist, dass sich der Iran nach 10 beziehungsweise 15 Jahren wieder verhalten kann, wie er will und dass der Westen weitgehende Zugeständnisse macht, während der Iran nur eine kurze Pause einlegen muss. So sieht er das und er sagt: Es ist ein schlechter Deal. Insgesamt sehe ich die Situation so, dass er die ihn mäßigenden Berater wie Tillerson oder General McMaster gefeuert hat und sich jetzt mit John Bolton, Mike Pompeo, mit – wie man sagt – Falken umgibt, die eine härtere Linie fahren und wir werden jetzt eine Phase erleben nach meiner Ansicht, wo wir den wahren Trump sehen. Bisher war er noch mit angezogener Handbremse unterwegs. Wir werden jetzt in diesem Jahr und im nächsten Jahr in der Außenpolitik und auch in anderen Fragen den wahren Trump kennenlernen und da werden sich manche umgucken.

DOMRADIO.DE: Warum ist das Atomabkommen überhaupt der "schlechteste Deal aller Zeiten" in Trumps Augen?

Brüntrup: Sie geben der einen Seite alles – also Aufhebung der Sanktionen, Zugang zum Weltmarkt und Geld – und sagen, die andere Seite muss sich in Fragen der atomaren Aufrüstung und Herstellung von nuklearen Brennstoffen, die für Waffen tauglich sind, nur 10 bis 15 Jahre zurückhalten und dann sind sie wieder frei. Das sehen Israel und auch die Republikaner als ein Eintrittsbillett in die Aufrüstung des Iran. Ich bin jetzt kein Experte, der darüber entscheiden kann. Ich kann nur berichten, dass in der republikanischen Partei in den USA das fast niemand für einen guten Deal hält. Das ist also nicht nur Trump, sondern seine ganze Partei steht in der Frage im Großen und Ganzen mit vielleicht ganz wenig Ausnahmen hinter ihm.

DOMRADIO.DE: Die europäischen Vertreter des Atomabkommens mit dem Iran wollen weiterhin daran festhalten, werden aber von US-Seite mit Konsequenzen bedroht. Wie sehr - denken Sie - wird sich das auf das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den USA und Europa auswirken?

Brüntrup: Es wird sich auf das Verhältnis sehr schlecht auswirken, weil die Europäer – ähnlich wie Obama – gesagt haben: Dieser Deal mit all seinen Schwächen ist das Beste, was wir momentan hinbekommen. In der Politik muss man oft Kompromisse machen. Man bekommt keinen wirklich guten Deal, man muss Kompromisse eingehen und das ist der beste Kompromiss, der möglich ist. Deshalb werden die Europäer weiter versuchen ihn zu verteidigen und die Kluft zwischen Europa und den USA, der Atlantik sozusagen, der uns trennt, der wird deutlich spürbarer und irgendwie auch tiefer, jedenfalls gefühlt tiefer werden. Da kommen Eiszeiten auf uns zu.

Das Interview führte Milena Furman.

(DR)

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