AfD-Anhänger beim Stammtisch
Woher kommt die AfD-Wählerschaft?
Dr. Andreas Püttmann
Dr. Andreas Püttmann

16.04.2018

Katholischer Publizist analysiert AfD-Wählerverhalten Geringe Gunst bei kirchennahen Christen

Bei kirchennahen Christen liegt die AfD offenbar nicht besonders hoch in der Wählergunst. Dies geht aus Untersuchungen des katholischen Politikwissenschaftlers und Publizisten Andreas Püttmann zusammen mit dem Allensbach-Institut hervor.

"Nach der jüngsten Allensbacher Zählung der Sonntagsfrage kommt die AfD bei den kirchennahen Christen nur auf drei bis vier Prozent, bei kirchenfernen auf 16 und bei denen ohne christliche Konfession auf 23", sagte Püttmann im Interview der "tageszeitung" (Montag).

Kirchen "starke Bastion gegen den Rechtspopulismus"

Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeige, dass unter kirchennahen wie unter kirchenfernen Christen "deutlich weniger" Katholiken zu den AfD-Anhängern zählten als Protestanten, ergänzte Püttmann im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Allerdings sei die Zahl der Befragten relativ niedrig gewesen, so dass Abweichungen von bis zu zwei Prozentpunkten möglich seien.

Unabhängig von den exakten Zahlen lasse sich auf alle Fälle feststellen, dass die Kirchen eine "starke Bastion gegen den Rechtspopulismus" seien, sagte der Politologe der Zeitung. Als prominente Beispiele nannte er "die Kardinäle Marx und Woelki, Bischof Dröge und Präses Rekowski, die sich klar gegen AfD, Pegida und Co positionierten", so Püttmann weiter: "Papst Franziskus warnte vor ihnen sogar in historischer Rückschau auf Hitlers Aufstieg".

Auf die Frage nach Verbindungen zwischen Abtreibungsgegnern und AfD-Politikern um Beatrix von Storch antwortete Püttmann, dies treffe möglicherweise auf einige "besonders fanatische" Aktivisten zu, aber "ich kenne etliche sehr engagierte Christen in der Lebensschutzbewegung, die die AfD abstoßend finden und niemals wählen würden". Er warne davor, Christen, die sich "für dieses Anliegen einsetzen und vielfach auch Frauen in Notlagen helfen, pauschal als rechts zu verdächtigen".

AfD auf Katholikentag

Sehr kritisch bewertete der Politikwissenschaftler die Einladung des kirchenpolitischen Sprechers der AfD zu einem Podium beim Katholikentag in Münster: "Auf Kirchentagen zum Beispiel halte ich eine Inklusion der AfD für völlig unangebracht, ja geradezu obszön."

Statt eines glasklaren Zeugnisses der Abgrenzung habe der Katholikentag eine "kapitale Fehlentscheidung" getroffen. Zum "Opfer" werde sich die AfD auch ohne Ausladung "stilisieren, dann eben wegen der Diskussion im Vorfeld oder der Resonanz im Saal".

(KNA)

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