28.02.2018

Ost- und Westeuropa driften bei Religionszugehörigkeit auseinander Katholiken prägen den Westen

Die Schere zwischen Ost- und Westeuropa bei der Religionszugehörigkeit geht laut einer Studie der Universität Luzern weiter auf. Während im Westen die religiöse Vielfalt zunimmt, gibt es im Osten "eine tendenzielle Homogenisierung".

Die Schweizer Hochschule hat in dieser Woche eine Online-Datenbank zur Entwicklung der Religionszugehörigkeit seit 1996 für alle Staaten Europas einschließlich der Türkei freigeschaltet.

In Russland, Weißrussland, Bosnien-Herzegowina, Polen und Aserbaidschan legt demnach die jeweils größte Religionsgemeinschaft zu; das habe diese Länder homogener gemacht. Besonders in den protestantisch geprägten Staaten Nordeuropas, aber auch in Spanien, Albanien und Moldawien sei dagegen die "religiöse Pluralität" gewachsen.

Der Faktor Religion spiele bei der Ausprägung der nationalen Identität wieder eine stärkere Rolle, sagte der Projektleiter und Professor für Politik und Religion, Antonius Liedhegener. Das falle besonders in Russland auf: "Präsident Putin und seine Regierung stützen sich auf die orthodoxe Kirche und generieren so Unterstützung für die Politik des Kreml."

Zuwanderung religionsstatistisch von untergeordneter Bedeutung

In den meisten Ländern dominiert laut dem Befund heute zahlenmäßig die Religionsgemeinschaft, die schon spätestens in der Frühen Neuzeit vorherrschend war. In vielen seien die Verhältnisse auch im beobachteten Zeitraum stabil. Die zunehmende Säkularisierung führte in anderen Ländern dazu, dass Menschen ohne Religionszugehörigkeit die Mehrheit stellen. Dies ist den Angaben zufolge in Tschechien, Estland, Großbritannien und Frankreich der Fall sowie abgeschwächt auch in den Niederlanden, Ungarn, Lettland und Deutschland.

Die Forscher sehen die jüngste Zuwanderung religionsstatistisch als von untergeordneter Bedeutung an. Bis heute präge die katholische Kirche West- und Zentraleuropa, die Nordischen Länder seien mehrheitlich protestantisch, die osteuropäischen orthodox. Das seien Ergebnisse der mittelalterlichen Spaltung in West- und Ostkirche sowie der Reformation.

(KNA)

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