Kindersoldaten - missbraucht und unter Drogen gesetzt
Kindersoldaten in Simbabwe

12.02.2018

Kirche fordert Aufmerksamkeit für Lage von Kindersoldaten "Himmelschreiendes Verbrechen"

Zum internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten haben Kirchenvertreter einen stärkeren Einsatz der Politik gefordert. Kinder als Opfer von Kriegen würden viel zu selten in den Blick genommen.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat den Einsatz von Kindersoldaten als "himmelschreiendes Verbrechen" bezeichnet. Sie würden nicht nur ihrer Kindheit beraubt und charakterlich verformt, sondern auch geistig und seelisch getötet, erklärte Schick zum "Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten" am 12. Februar. Zugleich rief er die internationale Politik zum Handeln auf. Der Erzbischof rief dazu auf, die Institutionen, die sich die Wiedereingliederung von ehemaligen Kindersoldaten zur Aufgabe gemacht hätten, ideell und materiell zu unterstützen. Vor allem kirchliche Träger leisteten hier großartige Arbeit, so Schick.

Auch die Evangelische Kirche forderte einen stärkeren Einsatz gegen diese Form des Missbrauchs. "Kinder sind in vielerlei Hinsicht Opfer von Kriegen, doch ihr Schicksal spielt viel zu selten eine Rolle beim Blick auf kriegerische Konflikte", betonte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK), Christoph Münchow.

Kritik an deutscher Rüstungspolitik

Weiter kritisiert die Arbeitsgemeinschaft die deutsche Rüstungspolitik und fordert ein Ausfuhrverbot für Kleinwaffen. Nicht nur der Einsatz von Kindersoldaten sei eine gravierende Verletzung der Menschenrechte, hieß es. "Auch die Tatsache, dass diese Kinder mit Waffen, die aus Deutschland exportiert werden, in Kriegen eingesetzt werden, ist ein Skandal", erklärte Münchow. Gerade Kleinwaffen begünstigten den Einsatz von Kindersoldaten. Als "einer der größten Kleinwaffenexporteure der Welt" müsse Deutschland in die Pflicht genommen werden.

Münchow verwies auf eine 2017 vorgestellte Studie von Brot für die Welt und der Kindernothilfe, in der die Herausgeber für ein grundlegend geändertes Rüstungsexportkontrollgesetz plädierten. Es brauche klare Ausschlusskriterien für Waffenexporte und ein vollständiges Verbot von Kleinwaffen- und Munitionsexporten, so der EAK-Vorsitzende. Auf das Schicksal von Kindersoldaten hinzuweisen, "aber die eigene Mitschuld daran dann nicht wahrzunehmen", reiche nicht aus. Die Bundesregierung müsse endlich handeln.

Rund 250.000 Kinder und Jugendliche eingesetzt

Laut Schätzungen der Vereinten Nationen werden derzeit weltweit rund 250.000 Kinder und Jugendliche in etwa 20 Ländern in Armeen und bewaffneten Gruppen als Soldaten eingesetzt. Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) tritt innerhalb der "Konferenz für Friedensarbeit im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)" als Dachverband für Friedensarbeit in den evangelischen Landeskirchen und Freikirchen auf. Sie befasst sich mit dem Thema unter ethischen, theologischen, politischen und pädagogischen Aspekten.

(KNA)

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