09.02.2018

Vatikan empfängt regierungskritischen kubanischen Geistlichen "Jeder politischer Diskurs wurde unterdrückt"

Drei katholische Priester haben den Staatspräsident Kubas, Raúl Castro, zu freien Wahlen aufgefordert. Jetzt wendet sich ein Priester davon an Papst Franzsikus.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat laut dem regimekritischen Portal "Diario de Cuba" einen oppositionellen kubanischen Priester empfangen. Castor Jose Alvarez de Devesa ist einer von drei Priestern, die sich in einem Offenen Brief für freie Wahlen auf Kuba eingesetzt haben. Devesa habe im Gespräch mit Parolin seine Sorgen zum Ausdruck gebracht und gebeten, Papst Franziskus den Brief persönlich zu übergeben, berichtet die "Kubanische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" in Madrid.

"Wahlen in Freiheit"

Ende Januar hatten drei katholische Priester Staatspräsident Raul Castro zu "Wahlen in Freiheit" aufgefordert. In ihrem Schreiben kritisieren die Geistlichen zudem eine "Abwesenheit des Rechtsstaates". Die drei Priester Castor Jose Alvarez de Devesa, Jose Conrado Rodriguez Alegre und Roque Nelvis Morales verfassten den Aufruf zum 20. Jahrestag der Predigt von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) in Santiago de Cuba am 24. Januar 1998.

Die kubanische Revolution vor sechs Jahrzehnten sei notwendig gewesen, schrieben die Geistlichen. Sie kritisierten aber, dass im Zuge der Institutionalisierung der Kommunistischen Partei als einzige zugelassene politische Kraft jeder politische Diskurs unterdrückt worden sei. Der totalitäre Regierungsstil habe alle Schichten der Gesellschaft durchdrungen. Die Kubaner trauten sich nicht nicht mehr, öffentlich ihre Meinung zu sagen. "Sie wissen, dass sie keine Meinungsfreiheit haben; sie sind vorsichtig zu sagen, was sie denken und fühlen, weil sie mit Angst leben."

Wahlen in Kuba

Staatspräsident Raul Castro (86) will nach Ende seiner Amtszeit in wenigen Wochen nicht mehr erneut kandidieren. Die kubanische Nationalversammlung wählt am 19. April den Staatsrat, der wiederum Castros Nachfolger bestimmen wird. Die offiziell verbotene Opposition wird im kommunistischen Ein-Parteien-Staat voraussichtlich keinen Einfluss auf die Wahlen nehmen können.

(KNA)

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