Proteste gegen Schulschließungen in Hamburg
Eltern demonstrieren gegen Schulschließungen
St. Marien in Hamburg-Ottensen
St. Marien in Hamburg-Ottensen
Katholische Grundschule St. Marien in Hamburg-Ottensen
Katholische Grundschule St. Marien in Hamburg-Ottensen

22.01.2018

Elternvertreter zur Schließung katholischer Schulen in Hamburg "Wissen nicht, wem wir glauben sollen"

Was wusste wer wovon? Im Zuge der beschlossenen Schließung von bis zu acht katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg gibt es Kommunikationswirrwarr. Einer der Elternvertreter hofft auf eine baldige Entwirrung und einen konstruktiven Dialog.

DOMRADIO.DE: Das Erzbistum Hamburg hat aktuell Schulden in Höhe von 79 Millionen Euro. Nach einem Bericht der Unternehmensberatung Ernst and Young könnten sie bis ins Jahr 2021 auf 353 Millionen Euro anwachsen, wenn da jetzt nicht gegengesteuert wird. Haben Sie in dieser Hinsicht auch Verständnis für das Vorgehen des Erzbistums?

Joachim Koutzky (Elternvertreter an der katholischen Grundschule St. Marien in Hamburg-Ottensen): Der größte Teil, soweit wir das in der Präsentation erkennen konnten, besteht aus Pensionszusagen. Wir sind gerade bei uns an der Schule an der Eulenstraße, die eine einzügige, kleine Schule ist, noch einmal in die Zahlen gegangen und haben gesehen, dass wir im laufenden Betrieb nicht defizitär sind. Wir haben auch keine großen Instandhaltungsdefizite, was die Bebauung angeht. Das heißt, wir haben zwar Verständnis, aber dass wir auf Platz eins der zu schließenden Schulen sind, ist für uns nicht wirklich nachvollziehbar.

DOMRADIO.DE: Warum ist das für Sie nicht verständlich?

Koutzky: Wir wohnen in einem sehr hochverdichteten Viertel in Ottensen, in Hamburg-Altona. Dort gibt es einen großen Bedarf an Schulen. Wir haben dort gerade eine Neubebauung eines ehemaligen Bahnareals, was speziell für Familien gedacht ist. Das heißt, der Bedarf wird nach Öffnung dieses Areals in den nächsten Jahren sprunghaft nach Oben ansteigen. Eine Schule in diesem Bereich zu schließen, statt Erweiterungen vorzunehmen, was man durchaus andenken könnte, ist für uns in diesem Bereich völlig unverständlich.

Pensionszusagen sind das Eine, laufende Defizite in Schulbetrieben ist das Andere. Nur dort sind wir, soweit wir das erkennen können, nicht defizitär. Deshalb fragen wir uns, warum unsere Schule geschlossen werden soll.

DOMRADIO.DE: Vor einigen Monaten hatte die Bistumsleitung schon angekündigt, dass es Sparmaßnahmen geben wird. Wurden Sie als Eltern über die Folgen ausreichend informiert?

Koutzky: Nein. Es gab eine Präsentation, in der die Studie von Ernst and Young vorgestellt wurde. Das letzte Chart besagte, dass fünf Schulen nicht übernahmefähig seien und zu schließen sind. Ich habe daraufhin Dr. Haeb (Leiter der Abteilung Schule und Hochschule im Erzbistum Hamburg, Anm. d. Red.) am nächsten Tag als stellvertretender Elternratsvorsitzender eine E-Mail geschrieben und darum gebeten, auch die Namen der Schulen zu nennen. Das war Mitte bis Ende November. Die Antwort lautete "Nein". Wir sollten uns gedulden, denn man befinde sich in einem laufenden Prozess und werde uns Weiteres im Januar mitteilen können.

Wir haben 21 Schulen in Hamburg. Jede einzelne Schule ist letztendlich seit diesem Zeitpunkt von einer Schließung bedroht. Es war für die Eltern bis zur Pressekonferenz am vergangenen Freitag nicht klar, welche Schulen konkret geschlossen werden sollten. Erst vor drei Tagen ist dies nun bekannt gegeben worden, nachdem im November bereits von fünf zur Schließung feststehenden  Schulen gesprochen wurde.

DOMRADIO.DE: Wie fiel denn die Reaktion Ihrerseits aus, als klar wurde, um welche Schulen es sich handelt?

Koutzky: In der Elternschaft herrscht allgemein eine Empörung über die Kommunikationspolitik. Das heißt, jeder ist extrem darüber empört, dass die Informationen bis zur vergangenen Woche verschleppt wurden. Erst heute Abend gibt es einen offiziellen Termin bei uns an der Schule, wo Dr. Haeb und der Generalvikar die Eltern offiziell informieren. De facto haben die Eltern das vorher aus der Presse erfahren. Das ist letztendlich in der heutigen modernen Kommunikationsgesellschaft nicht akzeptabel.

DOMRADIO.DE: Was erwarten Sie sich denn von dem Gespräch heute Abend?

Koutzky: Ich persönlich erwarte nichts Weiteres, als ich auf der Pressekonferenz, die ich auch besucht hatte, zu hören bekommen habe. Insofern sind wir da vom Elternrat her relativ erwartungslos. Wir haben natürlich eine Reihe von Recherchen angestellt und uns auch überlegt, wie wir mit unserer Expertise an unserer Schule in Verhandlung mit dem Erzbistum treten können. Das heißt, was wir aufbringen können, um letztendlich dort noch Verhandlungsmöglichkeiten zu schaffen.

DOMRADIO.DE: Die Hamburger Schulbehörde hat gesagt, dass sie von den geplanten Schulschließungen auch aus den Medien erfahren habe. Auf ein Gesprächsangebot sei das Bistum zunächst nicht eingegangen, so Bildungssenator Ties Rabe. Können Sie das nachvollziehen?

Koutzky: Es gibt dort auch wieder eine Logiklücke, weil am Freitag Herr Dr. Haep vom Erzbistum Hamburg gesagt hat, dass er seit Monaten in Verhandlung mit der Schulbehörde sei. Ties Rabe sagt, dass er von all dem nichts wisse. Wir wissen einfach nicht, wem wir glauben sollen. Das ist ein klarer Widerspruch, der hier zu Tage tritt. 

DOMRADIO.DE: Sehen Sie denn außer einer Unterstützung der Stadt noch andere Möglichkeiten, die Grundschule St. Marien in Ottensen zu erhalten?

Koutzky: Wir sind natürlich dabei, auch andere Modelle durchzugehen. Es gibt ja zum Beispiel die Möglichkeit, den Träger zu wechseln. Das würde bedeuten, dass das Erzbistum für die auslaufenden Jahrgänge zuständig wäre und für die neuen Jahrgänge dann ein anderer Träger.  Da müsste man auch mit der Stadt ins Gespräch kommen.

Auf der anderen Seite steht die Frage, was die Motivation hinter der Schließung dieser kleinen Schule ist. Wenn sie nicht defizitär ist, warum wird sie dann geschlossen? Die Schule steht auf einem sehr attraktiven Areal in einem der schönsten Ecken von Ottensen. Die Quadratmeterpreise sind dort extrem hoch. Zum Teil sind die Gebäude denkmalgeschützt, aber letztendlich kommt der Gedanke auf, dass es um die Verwertung des Grundstückes geht. Das ist natürlich auch verständlich. Mit einem so hohen Defizit muss man sich überlegen, wie man neues Geld in die Kassen bekommt. Und da bietet sich so ein Areal, wo zurzeit neben der Grundschule auch Kirche, Kita und Kinderheim Platz finden, an.

DOMRADIO.DE: Können Sie das nachvollziehen?

Koutzky: Als Unternehmer kann ich das nachvollziehen. Wenn ich aber die Betroffenheit bei Eltern, Lehrern, Erziehern und Kindern sehe, die zum Teil auch Angst haben, auf der Straße zu stehen, ist es nicht mehr nachvollziehbar. Und wenn man dann den Überbau katholische Kirche dazu nimmt, ist das in keiner Weise mehr akzeptabel.

DOMRADIO.DE: Wie soll es weitergehen, was wünschen Sie sich?

Koutzky: Wir wünschen uns, dass wir mit dem Erzbistum ins Gespräch kommen, darüber wie wir die nächsten Schritte gemeinsam gestalten können und was es für alternative Lösungen gibt. Von unserer Seite aus wird es eine dokumentierte Gesprächsbereitschaft geben. Inwieweit auf der anderen Seite diese Gesprächsbereitschaft besteht, muss man sehen. Ansonsten würde ich mich freuen, wenn die Stadt auch unterstützend tätig werden könnte.

Das Gespräch führte Jann-Jakob Loos.

(DR)

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