Anhänger der Schiiten-Miliz Hisbollah hören in Beirut (Libanon) im Rahmen des islamischen Festes Aschura die Geschichte des Imams Al-Husain
Anhänger der Schiiten-Miliz Hisbollah hören in Beirut (Libanon) im Rahmen des islamischen Festes Aschura die Geschichte des Imams Al-Husain
Libanons Ministerpräsident Saad Hariri betet in Beirut, Libanon, über dem Grab seines Vaters, kurz nachdem er in den Libanon zurückgekehrt ist.
Libanons Ministerpräsident Saad Hariri betet in Beirut, Libanon, über dem Grab seines Vaters, kurz nachdem er in den Libanon zurückgekehrt ist.

22.11.2017

Sensibler Ausgleich zwischen den Konfessionen im Libanon Vielfältigste religiöse Landschaft in Nahost braucht Stabilität

Saad Hariri hat seinen Rücktritt zurückgenommen und bleibt vorerst Ministerpräsident des Libanon - auf Bitten von Staatspräsident Aoun. Das politische Gleichgewicht in dem multikonfessionellen Land ist höchst fragil.

Der Libanon besitzt die vielfältigste religiöse Landschaft im Nahen Osten. 18 Glaubensgemeinschaften sind offiziell anerkannt. Das Zusammenleben ist sensibel. Das gegenwärtige politische System im Libanon beruht auf der Aufteilung der Macht unter den verschiedenen konfessionellen Gruppen. So sieht der "konfessionelle Parität", festgelegt im Nationalpakt von 1943, eine gleich starke Vertretung von Muslimen und Christen im Parlament vor. Auch die Sitzverteilung innerhalb der Religionsgemeinschaften ist nach einem festgelegten Schlüssel geregelt.

Staatsämter sind Mitgliedern bestimmter religiöser Gruppen vorbehalten

Im libanesischen Bürgerkrieg verliefen Konfliktlinien zwischen den Glaubensgruppen. Seit einer Neuverteilung nach Beendigung des Bürgerkriegs (1975-1990) stellen maronitische Christen 34 der 128 Abgeordneten, sunnitische und schiitische Muslime je 27. Beobachter befürchten derzeit, dass der Libanon weiter in den Konflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran um die strategische Vorherrschaft in der Region hineingezogen werden könnte.

Der Nationalpakt von 1943 sieht vor, dass Christen und Muslime auf Sonderbündnisse mit dem Westen beziehungsweise mit arabischen Staaten verzichten. Öffentliche Ämter müssen ausgewogen verteilt werden. Auch die vier höchsten Staatsämter sind Mitgliedern bestimmter religiöser Gruppen vorbehalten. Das Staatsoberhaupt muss maronitischer Christ sein, der Parlamentspräsident schiitischer Muslim. Der Regierungschef ist immer sunnitischer Muslim und der Oberbefehlshaber der Armee ein Christ.

System entspricht nicht der Bevölkerungszusammensetzung

Das System steht in der Kritik, unter anderem weil es nicht mehr der tatsächlichen Bevölkerungszusammensetzung entspricht. Die hat sich unter dem Strich zugunsten der Muslime verändert. Auch verfolgen die verschiedenen christlichen Konfessionen und Gruppierungen verschiedene Ansätze bei der Wahlrechtsreform.

Das bisherige Wahlgesetz von 1960 teilt das Land in 26 vorwiegend konfessionell homogene Wahlkreise. Darin bestimmt die demografische Mehrheit, welcher Religionsgemeinschaft die entsprechenden Parlamentssitze zustehen. So gilt beispielsweise für den Wahlkreis Baabda westlich von Beirut, dass die sechs zu wählenden Vertreter sich auf drei christliche Maroniten, zwei Schiiten und einen Drusen aufteilen. Gewählt werden folglich jene drei maronitischen Kandidaten, die die meisten Stimmen auf sich vereinen, sowie die beiden schiitischen und der drusische Kandidat mit den jeweils meisten Stimmen. Eine Kandidatur von Sunniten in diesem Wahlkreis ist ausgeschlossen.

Letzte Volkszählung 1932

Zahlen zur konfessionellen Zugehörigkeit sind nur schwer zu bestimmen. Die letzte Volkszählung, die auch die Religionszugehörigkeit erfasste, fand 1932 statt. Seitdem haben sich die Bevölkerungsverhältnisse stark verschoben. Wichtige Faktoren dabei waren die Zuwanderung von mehrheitlich sunnitischen Palästinensern nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 und eine konstante Abwanderung von häufig hochgebildeten jungen Christen.

Allerdings haben die Palästinenser keinen Bürgerstatus; sie verschieben also wie die Syrer nicht offiziell das Gefüge zwischen Sunniten und Schiiten.

Größte Glaubensrichtung

Das "World Factbook" des CIA nennt Muslime mit 59,7 Prozent als größte Glaubensrichtung im Libanon. Deren überragende Mehrheit sind zu etwa gleichen Teilen Sunniten und Schiiten; dazu kommen Minderheiten von Alaviten und Drusen. Der Anteil der Christen betrug demnach zuletzt 39 Prozent; beim Zensus vor 85 Jahren waren es noch 54 Prozent.

Stärkste Gruppe mit schätzungsweise 21 Prozent an der Gesamtbevölkerung ist die im Land beheimatete maronitische Kirche. Sie ist mit Rom verbunden, hat aber eine eigene Liturgie. An zweiter Stelle stehen Griechisch-Orthodoxe mit etwa 8 Prozent. Den Rest bilden griechisch-katholische Melkiten, Armenisch-Orthodoxe und katholische Armenier, Syrisch-Orthodoxe und Syrisch-Katholische, Assyrer und Chaldäer, Protestanten, Kopten und Römisch-Katholische.

(KNA)

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