Proteste der Opposition in Venezuelas Hauptstadt Caracas
Proteste der Opposition in Venezuelas Hauptstadt Caracas
Erzbischof Diego Padron
Erzbischof Diego Padron

21.11.2017

Venezuelas Kirche: Menschen haben Vertrauen in Dialog verloren Niemand glaubt der Politik

Anfang Dezember sollen in Venezuela die Gespräche zwischen Regierung und Opposition starten - doch Erzbischof Diego Padron verspricht sich keine Ergebnisse. 

Die Kirche in Venezuela zeigt sich wenige Tage vor Beginn der direkten Gespräche zwischen der Regierung und Opposition skeptisch. "Das Problem ist nicht der Dialog. Das Problem ist, dass der Dialog in Venezuela entwertet wurde", sagte Erzbischof Diego Padron, Vorsitzender der venezolanischen Bischofskonferenz dem Sender Union Radio (Montag). Das Treffen der Partei des sozialistischen Präsidenten Nicolas Maduro und des Bündnis Tisch der Einheit (MUD) sollen in den ersten Dezembertagen in der Dominikanischen Republik beginnen.

Die Venezolaner haben laut Padron das Vertrauen in die Akteure des Dialogs verloren. Niemand glaube der Regierung, die keine Aufrichtigkeit garantiere. Der Opposition werde wegen einer geheimen Agenda misstraut. Ein Scheitern des Dialogs wäre für das ohnehin schon krisengeschüttelte Land allerdings noch eine größere Katastrophe, denn dann stelle sich die Frage, was danach folge und wohin der Weg Venezuelas führe, sagte der Bischof von Cumana. Trotz aller Zweifel dürfe die Gelegenheit eines Dialogs nicht verpasst werden, um die Stabilität im Land herzustellen.

Über 450.000 Tote 

Venezuela wurde über Wochen von schweren Massenprotesten wegen der katastrophalen Versorgungslage und der hohen Kriminalität erschüttert. Dabei starben nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen über 100 Menschen. Laut kolumbianischen Medienberichten vom Montag sind in den letzten 18 Monaten über 450.000 Venezolaner, legal und illegal, ins Nachbarland eingereist.

Venezuelas sozialistische Staatspräsident Nicolas Maduro hat trotz internationaler Proteste eine Verfassungsgebende Versammlung einberufen, die sämtliche Kompetenzen an sich zog. Das regulär gewählte Parlament, in dem die Opposition die Mehrheit hat, ist entmachtet. Gegner werfen der Regierung die Installierung einer kommunistischen Diktatur nach kubanischem Vorbild vor. Zwei Gesprächsrunden, darunter ein vom Vatikan vermittelter Dialog, scheiterten bislang.
 

(KNA)

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