Wohin geht die Kirche in der Zukunft?
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29.10.2017

Zukunftskongress zu Europa Appelle zu Neuaufbruch

Mit Appellen zu einem Neuaufbruch Europas und zugleich einer Besinnung auf gemeinsame Werte ist der Kongress "(Re)thinking Europe" der EU-Bischofskommission COMECE im Vatikan zu Ende gegangen.

Papst Franziskus mahnte die Politik, eine neue Dialogkultur zu fördern. Zudem erinnerte er an Solidarität als Grundprinzip der EU und rief zu Offenheit für Zuwanderer und mehr Sorge um junge Menschen auf. COMECE-Präsident Kardinal Reinhard Marx schlug einen neuen Europäischen Konvent aller EU-Mitgliedsstaaten über Zukunftsfragen vor. Antonio Tajani, Präsident des Europäischen Parlaments, betonte, die Menschen in Europa erwarteten Antworten auf konkrete Probleme.

Kardinal Marx sagte, Europa befinde sich an einem entscheidenden Punkt; es stelle sich die Frage, ob sich der Kontinent auseinanderentwickle oder Kraft zu einem neuen Aufbruch finde. "Jetzt ist die Stunde Europas", sagte Marx. Christen hätten eine eigene Vision für den Kontinent und wollten zu einem Neuaufbruch beitragen.

"Räume des Dialogs"

Nötig seien "Räume des Dialogs für den ganzen Kontinent", sagte der Münchner Kardinal, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Die Christen wollten zu einem solchen Aufbruch beitragen, denn das Evangelium motiviere zum Einsatz für eine bessere Welt. "Jetzt ist die Stunde Europas. Jetzt ist die Stunde der Christen in Europa", sagte Marx. Die Christen hätten eine Vision für Europa und seien bereit, sich zu engagieren. "Wir geben das Projekt Europa nicht auf, sondern nehmen es neu an." An dem zweitägigen Treffen hatten rund 350 Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft teilgenommen.

Papst Franziskus nannte es den Auftrag der Christen, "Europa wieder eine Seele zu geben". Es gehe nicht darum, Räume zu besetzen, sondern Prozesse zu beleben. Der erste und "vielleicht größte Beitrag" von Christen für das heutige Europa sei die Erinnerung daran, "dass es nicht eine Ansammlung von Zahlen oder Institutionen ist, sondern aus Menschen besteht". Als zweiten Beitrag nannte der Papst die Wiederentdeckung des Gemeinschaftssinns. Im Zuge individualistischer Tendenzen habe sich eine "entwurzelte Gesellschaft" entwickelt.

Kritik an Polulismus

Kritisch äußerte sich Franziskus über extremistische und populistische Bewegungen. Diese machten den Protest zu ihrer Kernbotschaft, ohne eine konstruktive politische Alternative anzubieten. An die Stelle des Dialogs träten "fruchtloser Widerspruch" oder eine politische Vormacht, die eine echte Demokratie behindere. "Im einen Fall werden die Brücken zerstört und im anderen errichtet man Mauern", so Franziskus.

Bei einem kontinentweiten Dialog komme auch der Religion eine Rolle zu, etwa in der Begegnung mit Muslimen in Europa. Allerdings sei "immer noch ein gewisses laizistisches Vorurteil verbreitet", das im religiösen Bekenntnis eine Bedrohung sehe.

Forderung nach Offenheit für Zuwanderer

Der Papst rief Europas Regierungen zu Offenheit für Zuwanderer und deren Kultur auf. Migranten seien "mehr eine Ressource denn eine Last". Angesichts des Flüchtlingsdramas dürfe man nicht vergessen, dass man es mit Menschen zu tun habe. Diese dürften "nicht nach Belieben ausgewählt oder entsorgt" werden. Gleichzeitig gelte es, die Einwanderungspolitik mit "Klugheit" zu gestalten.

Europa müsse wieder zu Solidarität und einer gerechten Lastenverteilung finden, so Franziskus. Es gehe nicht an, dass die einen Opfer brächten, während andere ihre Privilegien verteidigten.
Wenn die EU bei der Bewältigung ihrer Krisen nicht den Sinn wiederentdecke, eine Gemeinschaft zu sein, verlöre sie die Herausforderungen der Gegenwart und "eine der größten Chancen für ihre Zukunft", sagte der Papst.

"Gedächtnisverlust" in Europa

Europa erlebe "eine Art Gedächtnisverlust", beklagte Franziskus. Seit den 60er-Jahren habe man sich als unfähig erwiesen, den Heranwachsenden "die materiellen und kulturellen Mittel zu geben, um die Zukunft anzugehen". Viele Jugendliche fühlten sich "verloren angesichts fehlender Wurzeln und Perspektiven". Eine ganzheitliche Bildung sei Aufgabe aller.

Damit Europa eine "Quelle der Entwicklung für sich und die ganze Welt" werden könne, brauche es Arbeit und adäquate Beschäftigungsverhältnisse, so der Papst weiter. Es sei Sache der Regierungen, die Bedingungen für ein "gesundes Unternehmertum und entsprechende Beschäftigungsniveaus" zu schaffen. Diese seien "das beste Gegenmittel" gegen die Unausgeglichenheiten der Globalisierung.

(KNA)

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