Arbeitsgesetzbuch
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12.09.2017

Arbeitnehmer-Bewegung äußert Kritik an "christliche Gewerkschaften" "Keine Durchschlagskraft"

​Die Christliche Gewerkschaft Postservice und Telekommunikation hält derzeit ihren Bundesgewerkschaftstag in Augsburg ab. Die Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung des Bistums kritisiert ihre Wirksamtkeit.

Böses findet, wer im Internet nach "christliche Gewerkschaften" sucht: In zahlreichen Artikeln ist da die Rede von Zwielicht, Tricksereien und Arbeitnehmer-Verrat, von "Lohndrückern im Namen Gottes". Zu Recht? Ja, meint Erwin Helmer. Der Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Augsburg findet: "Diese sogenannten christlichen Gewerkschaften verhalten sich unsolidarisch."

Bundesgewerkschaftstag in Augsburg

Helmer äußert sich mit Blick auf den derzeit stattfindenden Bundesgewerkschaftstag der Christlichen Gewerkschaft Postservice und Telekommunikation (CGPT) aus Essen, der noch bis Mittwoch im bistumseigenen Haus Sankt Ulrich in Augsburg vonstattengeht. Der Diakon erklärt sein Urteil so: "Die christlichen Gewerkschaften stimmen oft Tarifverträgen zu, die meistens schlechtere Löhne, weniger Urlaubstage und Zuschläge sowie mehr Arbeitszeit beinhalten als Verträge des Deutschen Gewerkschaftsbunds, des DGB."

Warum sie das tun? Für die Antwort holt Helmer aus: "Die christlichen Gewerkschaften entstanden Ende des 19. Jahrhunderts in Abgrenzung zu sozialdemokratisch und sozialistisch ausgerichteten freien Gewerkschaften. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten sie sich 1954 aus demselben Grund neu." Doch die christlichen Gewerkschaften hätten seither nie genug Mitglieder gewonnen, um Arbeitnehmerinteressen etwa mit Streik durchsetzen zu können. 

Keine Durschlagskraft

Die Angaben zu den Mitgliederzahlen des Christlichen Gewerkschaftsbunds lägen zwischen 150.000 und 300.000 - "was ich für deutlich zu hochgegriffen halte", sagt Helmer. "Zum Vergleich: Der DGB zählt gut sechs Millionen Mitglieder." Die christlichen Gewerkschaften besäßen also keine Durchschlagskraft. Um dennoch eine Art Existenzberechtigung zu zeigen, schlössen sie immer wieder Tarifverträge ab. Die sogenannte Mächtigkeit ist indes neben Arbeitgeberfreiheit sowie finanzieller und personeller Unabhängigkeit Voraussetzung für den Gewerkschafts-Charakter, wie der Betriebsseelsorger sagt. Gerichte hätten diesen Charakter bei einzelnen christlichen Gewerkschaften wiederholt nicht anerkannt und dadurch abgeschlossene Tarifverträge für ungültig erklärt.

"Ein Beispiel dafür ist die Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personal-Service-Agenturen (CGZP), der 2010 vom Bundesarbeitsgericht die Tariffähigkeit aberkannt wurde", erzählt Helmer. Die CGPT, die jetzt in Augsburg tage, sei bis 2009 CGZP-Mitglied gewesen. "Nach dem Urteil wurden die Tarifverträge der CGZP für ungültig erklärt, Tausende Firmen waren betroffen", ergänzt der KAB-Präses. "Ehemalige Beschäftigte, darunter etwa solche der Firma Schlecker, konnten daraufhin höhere Löhne und die Sozialkassen entsprechende Abgaben einklagen - das ging in die Millionen."

Mitverantwortung für Ausbeutung und Missbrauch

Helmer resümiert: "Die christlichen Gewerkschaften sind mitverantwortlich für die Ausbeutung der Ärmsten der Armen, etwa der Leiharbeiter. Sie missbrauchen den positiven Klang des christlichen Namens." Dieser Klang trage übrigens wohl dazu bei, dass es die christlichen Gewerkschaften überhaupt noch gebe. "Das Label 'christlich' lockt als Ausweichort sicher manchen christlich gesinnten Arbeitgeber an, wenn es in seinem Betrieb zwischen ihm und DGB-Vertretern knirscht", mutmaßt Helmer. Die christlichen Gewerkschaften seien insofern oft ein Auffangbecken für Protestler.

Protest folgt nun in der Tat: "Herrn Helmers Kritik ist absolut unfair", empört sich Ulrich Bösl. Der CGPT-Bundesvorsitzende nennt die KAB-Vorwürfe "altbekannt und nicht haltbar". "Schließlich haben wir Tarifverträge abgeschlossen, bei denen es zwei Urlaubstage mehr gibt als beim gesetzlichen Mindestmaß. Außerdem haben wir Arbeitszeitkonten festgeschrieben, so dass keine Überstunden verloren gehen." Ferner habe die CGPT beim einstigen Postunternehmen TNT Stücklöhne abgeschafft. Und das Thema CGZP? "Da gab es in der Tat ein zu niedriges Lohnniveau, deshalb sind wir dort ja ausgetreten." Dass die KAB mit den christlichen Gewerkschaften so hart ins Gericht geht, erklärt sich Bösl so: "Die KAB verliert massiv Mitglieder, Herr Helmer möchte sich daher vielleicht profilieren."

Christopher Beschnitt
(KNA)

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