Trump Rede vor US-Kongress
Trump Rede vor US-Kongress

06.09.2017

Offen und ehrlich: Was denken Katholiken über Trump? "Fake News - da ist was dran"

Donald Trump ist Präsident – mit allen politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen. Wie kann man als Christ und Katholik so einen Menschen wählen? Ein offenes Gespräch mit Mitgliedern einer katholischen Provinzgemeinde in Maryland.

Im Moment in den USA mit Christen über Politik zu sprechen ist kompliziert. Niemand möchte sich öffentlich äußern. Die Stimmung ist angespannt, das merkt man auch hier in der Provinz, obwohl wir uns gerade mal eine halbe Autostunde von der Hauptstadt Washington, DC befinden. Einige Gemeindemitglieder erklären sich aber bereit mit uns zu diskutieren, unter der Voraussetzung, dass wir den Namen der Stadt, der Gemeinde und der Gesprächspartner nicht nennen.

Wir treffen uns im Garten einer Frau, die in der katholischen Gemeinde ehrenamtlich aktiv ist. Acht Personen sind da, drei haben für Trump gestimmt, drei für Hillary, und zwei für unabhängige Kandidaten bzw. gar nicht. Dies ist die Zusammenfassung einer zweistündigen, hitzigen Diskussion. Trump oder Hillary? Den Christen in Amerika geht es bei der Entscheidung auch hier um die Frage der Abtreibungen.

Mary: Einer der Gründe, warum ich eher für Trump als für Hillary gestimmt habe, ist dass er die finanzielle Unterstützung für Abtreibungskliniken reduzieren will. Bei Hillary habe ich null Hoffnung, dass sie sowas macht.

Bill: Das ist alles kompliziert. Im Prinzip empfinde ich genau so. Ich glaube wir sind da einen Pakt mit dem Teufel eingegangen, um unser Ziel zu erreichen. Damit habe ich ein echtes Problem. Wenn es um Abtreibungen geht, hat das viel mit dem gesellschaftlichen Klima zu tun. Wir brauchen ein Klima, in dem junge Frauen sowas noch nicht mal in Betracht ziehen. Warum sollte ich ein Kind abtreiben? Wo ist die Unterstützung für diese jungen Frauen? Spricht überhaupt jemand über Adoption zum Beispiel? Wir haben zwei Kinder adoptiert, und wir wissen, wie toll das ist. In letzter Zeit haben wir so vieles aufgegeben, das für mich amerikanisch und katholisch ist.

Judith: Für viele war er das geringere von zwei Übeln, denke ich. Auf der einen Seite gibt es Sachen, die mir nicht gefallen, und auf der anderen genau so - für eine von beiden muss man sich aber entscheiden. Für viele war er definitiv nicht die erste Wahl.

John: Trump polarisiert. Unser ganzes Land ist polarisiert. Uns als Katholiken interessiert vor allem: Wie können wir diese Spaltung überwinden? Was müssen wir tun? Im Prinzip sind wir uns ja näher als wir denken. Wir haben so gestimmt, andere anders. Natürlich sind wir unangenehm berührt, sobald wir über Trump reden. Was wir finden müssen, ist Ausgewogenheit. Was haben wir gemeinsam?

Große Kritik üben die Gemeindemitglieder an der Vorgängerregierung von Barack Obama. Die Förderung für Abtreibungskliniken wurde aufgestockt. Auch in der Gesundheitsreform Obamacare ist das Recht auf Abtreibung verankert. Einige katholische Einrichtungen haben sich dagegen gewehrt und gesagt: Wir wollen nicht für Abtreibungen unserer Angestellten zahlen. Für viele Amerikaner würde das einen Einschnitt in ihre Religionsfreiheit bedeuten.

Judith: Das ist etwas, das gegen die Grundidee unseres Landes läuft. Wir sind ein Land, in dem die Redefreiheit und die Religionsfreiheit zu den Grundpfeilern zählen. Urplötzlich wird meine Religion, die sagt: Keine Verhütung, keine Abtreibung, Lebensschutz von Anfang bis Ende – von der Regierung in Frage gestellt.

John: Wenn du Bäcker bist, und keine Hochzeitstorte ein homosexuelles Paar bereitstellst, wenn du dich weigerst Blumen für die Hochzeit zu liefern, dann wirst du verklagt. Die werden dein Geschäft ruinieren. Wenn du ein Hotel betreibst und nicht möchtest, dass dieses schwule Paar bei dir seine Flitterwochen verbringt, dann kannst du nix dagegen machen ohne aus der Stadt gejagt zu werden.

Trotz aller Kontroverse stimmen die Gemeindemitglieder darin überein, dass die Diskussion zu extrem verläuft. Sowohl auf Seiten der Republikaner, wie auch der Demokraten können sich nur noch extreme Meinungen am rechten wie linken Rand durchsetzen.

John: Die meisten von uns stehen doch in der Mitte. Du must aber trotzdem eine Wahl treffen. Rechts oder links. Jedes Mal.

Kritik üben die Trump-Wähler in der Gruppe aber vor allem an den Medien. Genau wie in der Politik sind die Zeitungen, Fernseh- und Radiosender gespalten. Ausgewogene Stimmen finden sich nur sehr selten, deshalb verlieren diejenigen, die nicht der Massenmeinung folgen, schnell das Vertrauen in die Medien.

Mary: Ich weiß Trump spricht immer von Fake News, Fake News, aber da ist doch auch was dran. Die Verlage, die die Zeitungen rausgeben, können ja schreiben was sie wollen. Die kommen nicht von den Bauern aus dem mittleren Westen. Viele davon sind Bastionen der Liberalen. Ein paar sind ausgewogen, aber das sind die wenigsten. Alles was du liest, musst du zweimal hinterfragen und nicht auf die Rhetorik reinfallen.

Es scheint keinen gemeinsamen Nenner zu geben in der amerikanischen Gesellschaft.

Bill: Ich sehe so viel Hass. Das wird langsam unser Ruf, im Ausland wie auch hier. Hass und Polarisierung. Oftmals denke ich an Papst Franziskus. Der sollte uns mehr ein Beispiel sein. Ein Beispiel für die katholischen Ideale, Liebe, Fürsorge, die Hand ausstrecken und denen helfen, die am Rande stehen.

Judith: Eine gute Sache kommt von alledem: Wir reden miteinander. Wir sind nicht mehr im Stillstand. Wir kommunizieren, und das ist was Gutes. Das ist ein erster Schritt. In die eine Richtung, oder die andere.

(Auf Wunsch der Beteiligten wurden alle Namen geändert.)

Renardo Schlegelmilch
(dr)

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