Christen beten in der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale für verfolgte religiöse Minderheiten
Christen im Gebet
Manfred Rekowski
Manfred Rekowski

11.08.2017

Rheinischer Präses ruft zum Gebet für Korea auf "Vor Hoffnung verrückt"

Sind Gebete für die Wiedervereinigung Nord- und Südkoreas angesichts der momentanen Spannungen mit den USA angebracht? Ja, findet der rheinische Präses Manfred Rekowski und ruft eben dazu für den kommenden Sonntag auf.

domradio.de: Sie haben rund 700 Gemeinden zwischen Niederrhein und Saarland aufgerufen, sich in den Gottesdiensten am bevorstehenden Sonntag am Gebet für die friedliche Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel zu beteiligen. Zu diesem Gebet ermuntern auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WCRC) und die Weltweite Evangelische Allianz (WEA). Traditionell findet dieses Gebet alljährlich am Sonntag vor dem 15. August statt. "Streben nach dem, was zum Frieden dient" lautet dieses Mal Ihr Thema. Davon sind wir heute ziemlich weit entfernt, wenn man nach Nordkorea und Washington schaut, oder?

Manfred Rekowski (Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland): Ja, in der Tat. Die Töne, die wir hören und das, was wir aus Nordkorea als Drohszenarien erleben und das, was als Reaktion darauf aus anderen Teilen der Erde kommt, ist besorgniserregend. Die Situation ist sehr angespannt. Es wirkt im Moment so, als sei es eine Spirale, die sich immer weiter dreht. Deswegen ist es uns ganz wichtig, dass Christinnen und Christen weltweit an der Stelle ihre Stimme öffentlich zu Gott erheben.

domradio.de: Sie haben die Gemeinden zwischen Niederrhein und Saarland dazu aufgerufen, sich an diesem Gebetsanliegen zu beteiligen. Was wollen Sie damit bewirken?

Rekowski: Ich möchte da an die deutsche Geschichte anknüpfen. Wir haben damals als geteiltes Land viele leidvolle Erfahrungen gemacht. Ohne dass wir es darauf reduzieren, muss man sagen, die friedliche Revolution in unserem Land, die dann auch zur Wiedervereinigung geführt hat, hat mit Gebeten, Kerzen und Friedensandachten begonnen. Wir trauen der Macht des Gebetes viel zu. Wir wollen einfach auch das Spiel der Eskalation nicht mitspielen. Von daher haben wir in diesem Jahr sehr bewusst unsere Gemeinden aufgerufen, sich daran zu beteiligen - gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation.

domradio.de: Warum engagiert sich die evangelische Kirche so sehr für Korea und die Wiedervereinigung der beiden Länder? Was ist die Verbindung zwischen evangelischer Kirche und der koreanischen Halbinsel?

Rekowski: Generell finde ich es immer wichtig - egal ob evangelische oder katholische Kirche -, dass wir deutlich machen, dass die Kirche Jesu Christi nicht irgendein lokaler oder nationaler Club ist, sondern eine weltweite Gemeinschaft. Es gibt das schöne Bild: Wenn ein Glied leidet, dann leiden alle Glieder mit. Das stammt aus der Bibel und bringt zum Ausdruck, dass Christen überall auf der Welt zusammengehören. Von daher müssen wir auch füreinander einstehen. Ich denke, dies ist auch gerade in Deutschland aufgrund der positiven Erfahrungen, die wir gemacht haben, wichtig. Deswegen haben wir in meinen Augen auch eine besondere Verpflichtung. Wir sind da auch immer ein bisschen vor Hoffnung verrückt. Denn man muss ja sagen, dass das, was wir sehen, nicht nach Friedensentwicklung aussieht. Aber wir hoffen und beten trotz alledem.

domradio.de: US-Präsident Trump droht im Konflikt mit Nordkorea mit einer militärischen Lösung. Ist das der richtige Weg im Umgang mit Diktator Kim Jong Un?

Rekowski: Wir als Christen sagen eigentlich immer, dass wir für einen gerechten Frieden eintreten. Zu dem gerechten Frieden gibt es für mich auch überhaupt keine Alternative. Wir erleben weltweit, wohin sogenannte Lösungen führen, die auf Gewalt setzen. Da muss man nur nach Afghanistan, Syrien oder in den Irak schauen. Von daher würde ich immer auf Verständigung, Gespräche und Verhandlungen setzen.

domradio.de: Südkorea ist westlich orientiert, aber Nordkorea gehört zu den Ländern weltweit, in denen die Christenverfolgung besonders schlimm ist. Beobachter schätzen, dass mindestens 30.000 Christen in Straflagern eingesperrt sind. Sollten wir nicht erst einmal für die beten, bevor wir an Wiedervereinigung denken?

Rekowski: Ich glaube, man sollte das eine tun und das andere nicht lassen. Die Situation der Christen in Nordkorea, in diesem totalitären und menschenfeindlichen System, ist ausgesprochen schwierig und besorgniserregend. Unsere Gedanken und Gebete sind natürlich immer auch bei unseren Mitchristen. Das ist überhaupt keine Frage. Aber wir tragen auch Verantwortung für das Miteinander der Völker. Dass uns die weltweite Situation nicht unberührt lässt und uns Sorge bereitet, dass der Friede gewahrt wird, ist auch verständlich.

Das Interview führte Milena Furman.

(DR)

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