Papst Paul II. begrüßt Hubert Luthe, ehem. Bischof von Essen, bei der Seligsprechung von Nikolaus Groß
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Nikolaus Groß
Nikolaus Groß mit seinem Nachwuchs

16.07.2017

Bernhard Groß über seinen Vater Nikolaus Groß Die Kraft des Gebetes

Das Attentat am 20. Juli 1944 auf Hitler war der bedeutendste Umsturzversuch der Gegner der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. Mit beteiligt an der Verschwörung war Nikolaus Groß. Im domradio.de-Interview spricht sein Sohn Bernhard Groß.

domradio.de: Sie waren zehn Jahre jung als ihr Vater starb. Wie haben Sie ihn damals erlebt?

Bernhard Groß (Sohn von Nikolaus Groß): Ich habe natürlich die Ereignisse aus der Perspektive eines zehnjährigen Kindes erlebt. Die geschichtliche Dimension und die Rolle, die unser Vater gespielt hat, das ist mir erst einige Zeit nach dem Krieg richtig bewusst geworden. 

domradio.de: In dem Moment war ihre Mutter allein mit den sieben Kindern. Welche Rolle spielte Ihre Mutter damals?

Groß: Die Mutter musste auch die Vaterrolle übernehmen. Das war das große Problem. Die Mutter wollte im Sinne ihres Mannes alles gut und richtig machen. Deswegen hat sie auch die Messlatte bei uns ziemlich hochgehängt. Das war nicht immer einfach, hat uns im Leben aber nicht geschadet.

domradio.de: Was heißt das konkret?

Groß: Das hatte auch immer eine religiöse Bedeutung, wie alles bei unserer Mutter. Sie machte immer alles fest am Gebet, an den Werten des Christentums.

Zum Beispiel als unser Bruder in Russland vermisst war haben die Eltern eine Regelung getroffen, dass jedes der Kinder am Sonntag ein zweites Mal in die Kirche gehen musste, um für den vermissten Sohn zu beten, der am Besuch des Gottesdienstes gehindert war. Das haben wir auch über den Tod des Vaters bis 1948 beibehalten, da ist unser Bruder, Gott sei Dank, wieder gekommen. 

domradio.de: Mussten sie als Kind eines Widerständlers vieles geheim halten?

Groß: Wir haben schon sehr früh gespürt, dass wir anders lebten als unser Umfeld, als die Kinder in unserer Klasse. Wir durften vieles nicht, das war das Besondere. Wir durften zum Beispiel nicht zur Hitlerjugend (HJ) und zum Bund deutscher Mädel (BDM), die am Sonntagmorgen immer ihre Appelle hatten. Zu der Zeit mussten wir gemeinsam mit den Eltern in die Kirche gehen.

Das halte ich heute noch für die größte Lebensleistung unserer Eltern, dass sie uns davor bewahrt haben, in dieser Zeit falsche Wege zu gehen - mit den geringen Mitteln, die sie zur Verfügung hatten.

domradio.de: Wenn Sie an Ihre Kindheit und Jugend zurückdenken, haben Ihre Eltern an Sie und Ihre Geschwister einen besonderen sozialen Anspruch weitergegeben, zum Beispiel "nicht mit der Masse zu schwimmen" und "den Mund aufzumachen"?

Groß: Das haben sie uns natürlich mitgegeben, zwar nicht so sehr den "Mund aufzumachen", denn das war sehr gefährlich und das hätte im Zweifelsfall auch tödlich gewesen sein können. Sie haben uns Werte vermittelt und haben die auch konsequent in der Familie gelebt. Sozialverhalten wurde eingeübt.

Wir hatten beispielsweise immer eine alleinstehende arme Frau jeden Sonntag mit am Mittagstisch. Obwohl wir schon so viele waren, haben die Eltern mit dieser Frau auch noch geteilt und so haben wir das als selbstverständlich erlebt, ohne dass sie viele Worte darüber gemacht haben. So haben sie uns auch vermittelt, dass das Wunder der Brotvermehrung wirklich im Teilen liegt.   

domradio.de: Welche Rolle spielte der christliche Glaube in Ihrer Familie?

Groß: Ich habe meine Kindheit als eine Zeit des Betens in Erinnerung und so bin ich auch geprägt worden. In unserer Familie wurde regelmäßig noch der Rosenkranz gebetet. Nicht nur weil es eine schwere und bedrohte Zeit war, sondern das entsprach der religiösen Grundhaltung der Eltern. Es wurde selbstverständlich zu den Mahlzeiten gebetet, morgens konnte keines der Kinder aus dem Haus gehen, ohne dass die Mutter mit ihm gebetet hatte. Darunter waren auch immer wieder Mariengebete.

Von dieser Kraft des Gebetes hat unser Vater auch immer in seinen Briefen gesprochen. Das hat mich ein ganzes Leben begleitet und ich habe auch solche Lebenserfahrungen gemacht. Der Vater hat geschrieben: "Und ich spüre, wie es durch das Gebet in mir still und friedlich geworden ist." So etwas im Wissen um den gewaltsamen Tod, das ist beachtlich, wenn man das auch für sein Leben mitbekommt.

domradio.de: Wie gehen Sie mit Ihren Kindern mit der Geschichte, mit Ihrer Geschichte, mit der Geschichte Ihres Vaters um?

Groß: Ich habe ihnen immer vor Augen geführt, dass die Geschichte unseres Vaters, eigentlich unsere Familiengeschichte, eine große Geschichte in bedrängter Zeit gewesen ist. Ich hoffe, dass ich es ihnen vermittelt habe, zumindest so, wie ich es jetzt noch zu meinen Lebzeiten wahrnehmen kann. 

domradio.de: Am 7. Oktober 2001 ist ihr Vater selig gesprochen worden. Wie haben Sie dieses Ereignis damals wahrgenommen?

Groß: Ich habe das an vorderster Stelle wahrgenommen, da ich der Diakon des heiligen Vaters war. Das war etwas ganz Besonderes und das hat es bis dahin in der Kirchengeschichte nicht gegeben. Das hat mich nicht stolz, aber froh gemacht.

Das Gespräch führte Carsten Döpp.

(dr)

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