G20-Gipfel - Aufräumen nach Krawallen
G20-Gipfel - Aufräumen nach Krawallen
Erzbischof Dr. Heiner Koch im domradio.de-Gespräch
Erzbischof Dr. Heiner Koch im domradio.de-Gespräch

08.07.2017

So reagiert Erzbischof Koch auf die Randale und die Verhandlungen bei G20 Frieden und Gebet gegen Krawall und Ungerechtigkeit

Geplünderte Geschäfte, brennende Barrikaden: In den Straßen Hamburgs randalierten in der Nacht Hunderte Autonome. Berlins Erzbischof Koch ruft dazu auf, den Gipfel im Gebet um Gerechtigkeit und Frieden zu begleiten.

In der Nacht zu Samstag ist es in Hamburg zu massiven Ausschreitungen gekommen. Im Vorfeld des letztens G20-Gipfeltags randalierten Hunderte Autonome vor allem im Schanzenviertel. Unter anderem wurden Geschäfte geplündert und Barrikaden in Brand gesetzt. Die Polizei ging unter anderem mit einem Sondereinsatzkommando gegen die Randalierer vor.

Nach Angaben der Einsatzkräfte wurden allein im Schanzenviertel 14 Menschen festgenommen, 63 Menschen wurden in der vergangenen Nacht in Gewahrsam genommen. Die Polizei beklagt 213 verletzte Einsatzkräfte. Unklar ist, wie viele Verletzte es auf Seiten der Demonstranten gibt. Die Rede ist von mindestens elf Schwerverletzten.

Gebet statt Krawalle

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch rief Gläubige dazu auf, das Treffen der Staatschefs "im Gebet um Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung" zu begleiten - auch wenn sie keinen speziellen Einfluss auf die ökonomischen Rahmenbedingungen und globalen wirtschaftlichen Interessen hätten. "Aber fromm sein, heißt nicht, sich aus allen Wirtschaftsfragen raus zu halten", betonte der Erzbischof.

Alle Kritiker und Demonstranten mahnte er, das "G" als Hinweis auf "Gewaltfreiheit" zu verstehen. Aus kirchlicher Perspektive sei es auch naheliegend, das "G" als Abkürzung für "Gebet" zu interpretieren, erklärte Koch. Auch im Neuen Testament der Bibel gebe es ein berühmtes G-Wort, so Koch weiter: die sieben "Geistesgaben". Es seien "Weisheit und Verstand, guter Rat und Tatkraft, Wissenschaft, Frömmigkeit, die aus Selbstbefangenheit befreit, und Gottesfurcht - also die Ehrfurcht vor etwas, das größer ist, als mein kleines Ich". Wörtlich fügte der Erzbischof hinzu: "Ich meine, es sind Gaben, die den Staatschefs in Hamburg gut zu Gesicht stünden."

Gottesdienst zum G20-Gipfel

Unter dem Eindruck der Hamburger Krawalle habenauch weitere Kirchenvertreter in einem Gottesdienst zum G20-Gipfel ihre Forderungen nach einer gerechteren Welt zum Ausdruck gebracht. "Wir müssen lernen, von einer anderen Welt zu träumen", sagte der katholische Bischof von Barbados, Charles Jason Gordon, am Samstag in der Hamburger Hauptkirche Sankt Katharinen.

In seiner Predigt prangerte Gordon weltweite Ungerechtigkeiten an: "Diese Erde hält Güter genug bereit, dass niemand im Elend leben muss, und doch halten wir ein System am Laufen, das beständig mehr Reichtum für die Wenigen und Armut für die große Masse produziert." Die Menschen sollten lernen, von einer Welt zu träumen, in der keine Nation von ihren Schulden erdrückt werde.

Mehrere Geistliche verurteilten die Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel. «Wir sind bestürzt und entsetzt über die Gewalt und Zerstörung, die vermummte Gewalttäter gestern in den Straßen Hamburgs verübt haben», sagte die Hamburger Pröpstin Ulrike Murmann. Der Gottesdienst solle demgegenüber "ein Zeichen des Friedens" sein.

Appell an die Politik

Koch äußerte sich auch zum politischen Geschehen. Er erwartet vom G20-Gipfel in Hamburg einen Beitrag "zu Frieden und zur Bekämpfung von Armut". So sollten die Staatschefs das Treffen nutzen, "um sich erneut und mit zäher Energie über den Beginn eines Weges zum Frieden zu verständigen - im Nahen Osten und all den anderen Krisengebieten, in denen sie wirtschaftliche Interessen und politischen Einfluss haben", sagte Koch am Samstag im rbb-Hörfunk.

Sehr viel weiter geht das katholische Hilfswerk Misereor. Die Bemühungen der G20 zur Förderung der Entwicklung in Afrika gehen dem katholischen Hilfswerk nicht weit genug. "Wir vermissen ein klares Bekenntnis zu den notwendigen ökologischen und sozialen Leitplanken", sagte Misereor-Entwicklungsexperte Klaus Schilder am Samstag zum Auftakt des zweiten Gipfeltages der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Afrika im Fokus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Freitagabend betont, die G20 planten zahlreiche Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent. "Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt allerdings, dass große Investitionen häufig mit Vertreibungen, Missachtung von Menschenrechten und Beschädigungen des Ökosystems verbunden sind", sagte Schilder. Seiner Auffassung nach muss dort auch das privatwirtschaftliche Handeln gestärkt werden. 

Besorgt blickt Misereor auch auf die Verhandlungen der G20 zum Klimaschutz. US-Präsident Donald Trump drängt darauf, eine Forderung nach Investitionen in "effiziente fossile Energieträger" in die Abschlusserklärung des Gipfels aufzunehmen. "Die USA haben sich zwar aus dem internationalen Klimaabkommen zurückgezogen, möchten aber trotzdem noch an den wirtschaftlichen Vorteilen, die sich aus dem Abkommen ergeben, teilhaben", so Schilder. Das sei nicht akzeptabel.

Afrika, Migration, Gesundheit, Digitalisierung, Frauen und Arbeit

Schilder kritisierte eine mangelnde Transparenz bei den G20-Verhandlungen. Für die Vertreter der Gesellschaft sei es nach wie vor schwierig, Zugang zu den politischen Gesprächen und den Ergebnissen zu bekommen.  Die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer tagen auf Einladung der Bundesregierung bis Samstagnachmittag im Hamburg. Am Samstag stehen die Themen Partnerschaft mit Afrika, Migration, Gesundheit, Digitalisierung, Frauen und Arbeit auf der Tagesordnung.

Unter dem Motto "Hamburg zeigt Haltung" ruft für Samstag ein Bündnis aus Vertretern von Politik, Gesellschaft und Kirchen zu einer friedlichen Abschlussaktion auf. Zuvor soll ein ökumenischer Gottesdienst stattfinden.

(KNA, epd)

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