Der Sarg mit Altkanzler Kohl wird aus dem Dom zu Speyer getragen
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Sr. M. Basina Kloos - Weggefährtin Helmut Kohls
Sr. M. Basina Kloos - Weggefährtin Helmut Kohls

02.07.2017

Ordensfrau erinnert sich an Freund und überzeugten Katholiken "Für Versöhnung fehlte Kohl wohl Kraft"

Sie war in den letzten Lebensjahren eine der engsten Weggefährtinnen Helmut Kohls: Schwester M. Basina Kloos. Im Interview erinnert sich die langjährige Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen an ihre Begegnungen mit dem Altkanzler.

KNA: Schwester Basina, in dem "Zeit"-Nachruf von Opernsängerin Edda Moser steht, Kohl habe mit all seinen alten Freunden gebrochen, außer mit Ihnen. Stimmt es, dass Moser Sie und Kohl am Wolfgangsee miteinander bekannt gemacht hat? In welchem Jahr war das?

Schwester M. Basina Kloos (ehemalige Ordensoberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen): Flüchtig habe ich Helmut Kohl schon als Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz persönlich kennen gelernt. Es stimmt, dass die Opernsängerin Edda Moser mich mit ihm näher am Wolfgangsee bekannt gemacht hat. Es war im Jahr 2001.

KNA: Moser schreibt: "Kohl und Basina - das war Liebe auf den ersten Blick. Sie wurde eine ganz zentrale Person in seinem Leben und durfte bis zum Schluss zu ihm." Trifft diese Beschreibung zu?

Kloos: Liebe auf den ersten Blick entspricht mehr der Sprache einer Opernsängerin. Ich würde es Wertschätzung von der ersten Begegnung an nennen, die viele Folgetreffen einleitete. Ich würde mich auch nicht als zentrale Person in seinem Leben bezeichnen. Es war eine von gegenseitiger Wertschätzung getragene Freundschaft.

KNA: Wie würden Sie Ihre Freundschaft zum Altkanzler beschreiben?

Kloos: Als Ordensfrau war ich für den im katholischen Glauben verwurzelten Altkanzler eine Gesprächspartnerin, mit der er über Gott, die Kirche und ihre Repräsentanten sprechen konnte. Er war überzeugter Katholik, auch wenn er nicht mit allen römischen Entscheidungen einverstanden war.

KNA: Wie erklären Sie sich, dass Kohl trotz seiner starken christlichen Verortung offenbar bis zuletzt nicht imstande war, sich mit seinen Söhnen und früheren Weggefährten, mit denen es zum Bruch gekommen war, zu versöhnen?

Kloos: Es gab auf beiden Seiten Kränkungen in der Familie. Er hat darunter gelitten. Zur Versöhnung gehört viel Kraft. Nach seiner letzten schweren Erkrankung war es ein mühsamer Lebensweg. Da hat ihm womöglich diese Kraft gefehlt. Ohne die Fürsorge seiner Frau Dr. Maike Kohl-Richter hätte er aber vermutlich nicht so lange durchhalten können. Ich habe ihn nicht als einen unversöhnlichen Menschen erlebt und bin überzeugt, dass er das Gespräch gesucht hätte, wenn es ihm möglich gewesen wäre. Es gibt auch eine Versöhnung vor Gott und im Herzen.

KNA: Der Altkanzler galt als unbeirrbare Machergestalt, als politisches Alphatier. Können Sie diese Wahrnehmung teilen, oder hat sich Ihnen eine andere Seite des Menschen gezeigt?

Kloos: Bundeskanzler Kohl war ein Politiker und Staatsmann mit einem starken Gestaltungswillen, der viel bewegte. Er war ein Alphatier, der durchsetzte, was er wollte. Mir hat sich aber auch eine andere Seite in persönlichen Gesprächen gezeigt. Er war zugewandt und konnte zuhören. Wir haben kontrovers diskutiert über seinen Stil im Umgang mit den Medien und starken Frauen.

KNA: Was sind die schönsten Erinnerungen und Anekdoten, die Sie mit Kohl verbinden?

Kloos: Die Begegnungen mit ihm haben sich alle gelohnt. Sein Geschichtswissen war beeindruckend. Helmut Kohl hat mit mir eine zweistündige Berlinstadtrundfahrt gemacht und mir jedes politische Gebäude erklärt. Über einen Erfolg im Gespräch mit Papst Johannes Paul II. war er besonders froh. Er hat ihm beim vorletzten Besuch in Deutschland vermittelt, dass er die Appelle zur Pille lassen solle, weil das niemand mehr ernst nimmt. Beim letzten Besuch in Berlin hat der Papst ihn gefragt, ob er zufrieden sei und eine Veränderung wahrgenommen habe. Der Altkanzler hat ihm geantwortet: "Ja, es ist kein Wort mehr über die Pille gefallen".

KNA: Was ist für Sie das Vermächtnis des Menschen und Kanzlers Kohl?

Kloos: Seine ständigen Bemühungen um den Frieden in der Welt. Seine Zuwendung zu den kleineren Nationen. Sein Mut als Bundeskanzler, auch in einer säkular geprägten Gesellschaft den Glauben kundzutun ohne Angst, damit aus der Zeit zu fallen.

Michael Merten

(KNA)

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