Bill Clinton bei den Trauerfeierlichkeiten für Altkanzler Kohl
Bill Clinton bei den Trauerfeierlichkeiten für Altkanzler Kohl
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beim europäischen Trauerakt in Straßburg
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beim europäischen Trauerakt in Straßburg
Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Sarg von Helmut Kohl
Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Sarg von Helmut Kohl

01.07.2017

EU-Trauerakt für verstorbenen Altbundeskanzler in Straßburg Bewegende Worte über Kohls europäisches Erbe

Kohls und Clintons Tränen: Beim Trauerakt für den Altbundeskanzler wurde daran erinnert, wie Kohl bei einem EU-Gipfel Freudentränen vergoss. Und der frühere US-Präsident weinte über den Abschied von seinem Weggefährten.

Mit persönlichen Erinnerungen und der Würdigung seines historischen Vermächtnisses haben Spitzenpolitiker und Weggefährten aus aller Welt beim europäischen Trauerakt in Straßburg Abschied von Helmut Kohl genommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Ex-US-Präsident Bill Clinton und andere zeichneten den verstorbenen Altbundeskanzler als großen Staatsmann, der entschlossen für die deutsche Einheit gekämpft und zugleich für ein europäisches Deutschland anstelle eines deutschen Europas gearbeitet habe.

Er sei wahrscheinlich "der Einzige in diesem Saal, der Helmut Kohl während einer Sitzung hat weinen sehen", sagte Juncker bei seiner Rede vor dem mit einer Europaflagge bedeckten Sarg. Das habe sich Ende 1997 bei dem EU-Gipfel zugetragen, der die Erweiterung nach Mittel- und Osteuropa sowie um Zypern und Malta auf den Weg brachte.

Zusammenwachsen

Kohl habe sich damals sehr bewegt gezeigt, dass er diesen Augenblick des zusammenwachsenden Europas erleben dürfe, "nach all dem, so sagte er, Unheil, das Deutschland über Europa gebracht hatte. Und dann wurde er still, in sich ruhend, und hat lange Minuten lang geweint", schilderte Juncker die Szene vor rund zwei Jahrzehnten.

Wie andere Redner ging der Luxemburger auf Kohls große Fähigkeit ein, starke persönliche Beziehungen mit Politikern anderer Länder aufzubauen. Kohl habe deshalb erfolgreich für die deutsche Wiedervereinigung werben können, weil er glaubwürdig für ein europäisches Deutschland eingetreten sei, erklärte Juncker.

 

"Historische Leistung Helmut Kohls"

Auch Merkel verband in ihrer Rede in Anwesenheit der Witwe Maike Kohl-Richter und zahlreicher Staats- und Regierungschefs Deutschland und Europa. "Das wird für immer die alles überragende, einmalige, historische Leistung Helmut Kohls bleiben: Gemeinsam mit seinen Partnern bettete er die deutsche Einheit in die europäische Einigung ein", sagte Merkel. "Ein Werk des Friedens, ein Werk der Freiheit und ein Werk der Einheit", fügte sie hinzu.

Merkel äußerte sich auch sehr persönlich. "So manche Geister schieden sich an ihm", sagte die CDU-Vorsitzende, deren politischen Aufstieg Kohl einst gefördert hatte, bevor sie sich im Zuge der CDU-Spendenaffäre überwarfen. "Auch ich kann davon erzählen, doch all das tritt zurück hinter seinem Lebenswerk." Die in der früheren DDR aufgewachsene Politikerin richtete zuletzt ihren Dank an den Verstorbenen und unterdrückte dabei sichtlich ihre Tränen: "Lieber Bundeskanzler Helmut Kohl, dass ich hier stehe, daran haben Sie entscheidenden Anteil."

Macron und Clinton

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erinnerte an Kohls enge Beziehung zum damaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterand. Beide hätten "die tragischen Erfahrungen ihrer Generation nicht vergessen" und erreicht, "dass Völker, die sich einst bekämpft haben, Völker sind, die in Freundschaft verbunden sind", urteilte Macron in Straßburg, nur wenige Kilometer vom Rhein und damit von der deutschen Grenze entfernt.

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton sagte, das 21. Jahrhundert habe mit Helmut Kohl begonnen. Der Altbundeskanzler habe eine Welt schaffen wollen, in der niemand dominiert. Kohl habe erkannt, dass das "Krebsgeschwür" des Jahrhunderts aus der Einsicht resultierte, dass Dominanz besser als Zusammenarbeit sei, unterstrich Clinton, der seine Abschiedsworte zu Tränen gerührt vortrug.

Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew sagte, Kohl habe persönlich dafür gesorgt, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland zu den besten in der gemeinsamen Geschichte gehörten. Sein Land gedenke Kohl "wie einem großen Freund".

Trauerakt in Speyer

Nach dem Ende des europäischen Traueraktes, der eine Premiere war, wurde Kohls Leichnam aus dem Saal getragen, um nach Deutschland überführt zu werden. Am Abend sind ein Requiem im Dom zu Speyer und später die Beerdigung im engsten Familien- und Freundeskreis geplant.

Phillipp Saure
(epd)

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