Trauer um Helmut Kohl
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Kardinal Marx
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Papst Franziskus
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ZdK-Präsident Thomas Sternberg beim Kirchentag in Berlin
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Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck
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Paderborns Erzbischof Franz-Josef Becker
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Bischof Karl-Heinz Wiesemann
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Bischof Gebhard Fürst
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Die neue kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil
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Oberbürgermeisterin Reker
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Nordrhein-Westfalens CDU-Vorsitzender Armin Laschet
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Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
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Charlotte Knobloch
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Erzbischof Heiner Koch
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Heinrich Bedford-Strohm
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Irmgard Schwaetzer
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Steinmeier auf dem Kirchentag
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 Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano, Altbundeskanzler Helmut Kohl und Angela Merkel
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António Guterres
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17.06.2017

Religionsvertreter und Politiker würdigen Altkanzler "Dankbar für das christliche Zeugnis"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat den verstorbenen Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, als Persönlichkeit mit historischem Weitblick gewürdigt. Stimmen von weiteren Vertretern aus Religion und Politik.

Im Namen der Deutschen Bischofskonferenz sprach Kardinal Marx der Witwe des Verstorbenen seine Anteilnahme aus. Mit dem Tod von Helmut Kohl gehe eine Ära zu Ende, schreibt Kardinal Marx in einer Kondolenz. "Die Kirche in Deutschland ist dankbar für das christliche Zeugnis von Helmut Kohl. Wo die Werte einer freiheitlichen Gesellschaft mit den Füßen getreten wurden – wo auch immer auf der Welt –, da setzte er sich für die Beachtung dieser Werte ein. Europa wollte und konnte er aus seinen christlich geprägten Überzeugungen heraus gestalten. Dabei war es dem Verstorbenen ein großes Anliegen, auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre für eine Soziale Marktwirtschaft einzutreten, die den Menschen in den Vordergrund stellt", so Kardinal Marx.

Bundeskanzler Kohl sei ein regelmäßiger Gast auf Katholikentagen gewesen und habe sich oft Rat bei Theologen geholt. So sei beispielsweise Kardinal Karl Lehmann ein wichtiger theologischer Wegbegleiter des Verstorbenen gewesen, schreibt Kardinal Marx. Die Kirche sei dankbar dafür, "dass Helmut Kohl mit visionärer Kraft, mit Mut, Beharrlichkeit und großem Verhandlungsgeschick die Einheit Deutschlands befördert und mit anderen herbeigeführt hat. Zugleich wurde er zum Kanzler der ‚europäischen Idee‘. Am Wachsen eines geeinten Europas ohne Grenzen hatte er großen, ja entscheidenden Anteil … Bundeskanzler Helmut Kohl war ein überzeugter und großer Europäer."

In seiner Würdigung erinnert Kardinal Marx auch an die Begegnungen von Bundeskanzler Kohl mit Papst Johannes Paul II. bei dessen Deutschlandbesuchen 1987 und 1996. "Es war eine historische Stunde, als Helmut Kohl mit Papst Johannes Paul II. 1996 durch das Brandenburger Tor schritt", so Kardinal Marx. Unvergessen seien bis heute die wegweisenden Worte des Bundeskanzlers, die er damals am Brandenburger Tor gesprochen habe: "Freiheit bedeutet immer auch Verantwortung, sonst schlägt sie in neue Formen der Abhängigkeit um. Gelebte Verantwortung braucht die Besinnung auf das eigene Gewissen, auf den Mitmenschen und vor allem auf Gott. Gerade in diesem Sinne ist die Stimme der christlichen Kirchen auch in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft unverzichtbar. Die Frohe Botschaft Christi ist eine Quelle der Kraft; sie gibt Menschen Orientierung und Halt. Ich wünsche mir, dass von diesem Papstbesuch in Deutschland ein Signal ausgeht – ein Signal der Ermutigung für Christen, Verantwortung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu übernehmen. Christenpflicht und Bürgerpflicht sind nicht voneinander zu trennen! Das gilt nicht zuletzt für den Bau des vereinten Europa!"

Kardinal Marx erinnert in der Kondolenz auch an die herzliche Begegnung mit Papst Benedikt XVI., als dieser 2011 Deutschland besuchte. "Die katholische Kirche in Deutschland verneigt sich vor dem Verstorbenen in Trauer, Anerkennung und Dankbarkeit. Das Handeln Helmut Kohls war vom christlichen Menschenbild geprägt, das ihn so sehr für seine Arbeit gestärkt hat."

Am Samstag würdigte Papst Franziskus Kohl als großen Staatsmann und überzeugten Europäer. Er bekunde "dem ganzen deutschen Volk, das um den 'Kanzler der Einheit' trauert" seine aufrichtige Anteilnahme, erklärte das katholische Kirchenoberhaupt nach Angaben des vatikanischen Presseamtes am Samstag im Rahmen einer Privataudienz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Rom.

"Für den großen Politiker und Staatsmann Helmut Kohl war sein christlicher Glaube stets  Fundament und Orientierung. Geprägt von den bitteren Erfahrungen der Vergangenheit widmete er sich mit Weitblick und mit all seiner Kraft der Zusammenarbeit unter den Völkern Europas. Der europäische Einigungsprozess wurde so zu seiner Lebensaufgabe. Auf diesem Fundament hat er mit großem Gespür für die geschichtliche Entwicklung und mit großem Mut zu politischer Verantwortung die Wiedervereinigung Deutschlands maßgeblich gestaltet. Helmut Kohl lebte in enger Verbindung mit seiner katholischen Kirche. Wir sind dankbar für viele Begegnungen und Gespräche, die uns mit ihm als Parteivorsitzenden und Bundeskanzler zusammengeführt haben, nicht zuletzt bei zahlreichen Katholikentagen", betont ZdK-Präsident Prof. Dr. Thomas Sternberg.

"Besonders erinnern wir uns an seine große Rede auf dem 90. Deutschen Katholikentag im Mai 1990 in Berlin. 'Wir wollen uns als Christen in unserem Verständnis von Pluralismus auch dem Wettbewerb der Ideen stellen', so Bundeskanzler Helmut Kohl. 'Aber wir wissen, dass die europäische Idee nur verwirklicht werden kann – und das hat nichts mit Abgrenzung und Arroganz zu tun – , wenn die Christen dabei mitwirken und ihren Anteil an Verantwortung übernehmen. Wegweisend ist dabei das für uns gültige Wertesystem, das auf unserem christlich geprägten Bild vom Menschen gründet.' Die Haltung und der Auftrag, die aus dieser Rede sprechen, sind für uns ein bleibendes Vermächtnis", so Thomas Sternberg.

"Wir werden uns an Dr. Helmut Kohl als einen gläubigen Katholiken und großen Staatsmann erinnern, der in entscheidenden Augenblicken der Geschichte unseres Landes und in fester Zuversicht in eine vereinte und friedliche Zukunft Europas  unschätzbar viel für unser Gemeinwesen geleistet hat", so der Präsident des ZdK. "Wir werden seiner im Gebet gedenken."

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat den am Freitag verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl als "großen Europäer" und "Kanzler der Einheit" gewürdigt. Persönliche und familiäre Erfahrungen und Schicksalsschläge in den grauenvollen Zeiten des Zweiten Weltkriegs hätten Kohl in seinem Wirken sicherlich deutlich geprägt, sagte Overbeck in Essen. "Ich habe Helmut Kohl als einen Politiker erlebt, dem die Freiheit der Menschen am Herzen lag", so der Essener katholische Bischof. Kohl habe die Wiedervereinigung maßgeblich vorangetrieben und schon sehr früh einen Gedanken davon entwickelt, welche Bedeutung die Europäische Union für Frieden und Freiheit der Menschen haben könne.

Auch der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat tiefe Trauer über den Tod von Kohls bekundet. "Die Welt, Europa, Deutschland und auch das Erzbistum Paderborn beklagen den Verlust eines ganz großen Politikers", erklärte er am Freitag in Paderborn. Kohl sei eine im besten Sinne herausragende Persönlichkeit gewesen. Der Mensch, Politiker und Staatsmann habe zu Recht die oft zitierte Charakterisierung "lebendes Denkmal" getragen.

Der Erzbischof verwies auf Kohls engagierten politischen Einsatz für ein freiheitliches und geeintes Europa. Diese sei nie zu trennen gewesen von seiner christlichen Überzeugung, die ihm Fundament, Maßstab und Motivation seines Handels gewesen seien. Becker erinnerte an die Paderborner "St.-Liborius-Medaille für Einheit und Frieden", die Kohl 1999 zum 1.200-jährigen Bistumsjubiläum für seinen Einsatz für die europäische Einigung und die deutsche Einheit und sein politisches Handeln auf christlicher Basis verliehen wurde. Damit seien auch Kohls Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft gewürdigt worden, die durch die Verbindung des Heiligen Liborius zum französischen Bistum Le Mans bestehe.  

Christen seien von Natur aus Visionäre, griff Becker ein Zitat Kohls auf. Ihre feste Perspektive sei das Reich Gottes. "Das gilt auch für den verstorbenen Helmut Kohl, von dem wir hoffen, dass er das Reich Gottes nun unverhüllt schauen darf", so der Paderborner Erzbischof.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hat die politischen Leistungen von Helmut Kohl gewürdigt. "Das Erzbistum Berlin trauert um den Kanzler der Einheit", sagte er am Freitagabend in Berlin. "Als Papst Johannes Paul II. mit Helmut Kohl durch das Brandenburger Tor schritt, bedeutete das die Vollendung der Deutschen Einheit und das Ende des Kalten Kriegs", so Koch weiter. "Gerade auch als das Bistum, das so sehr unter der Teilung Berlins gelitten hat, wissen wir, was wir dem Berliner Ehrenbürger zu verdanken haben." Der Erzbischof weiter: "Möge Gott ihm das Gute, das er für unser Land getan hat, vergelten."

Der Speyrer Bischof Karl-Heinz Wiesemann hat das Engagement von Altkanzler Helmut Kohl für den Kaiserdom der Stadt gewürdigt. "Er hat sich in außergewöhnlicher Weise um den Erhalt des Speyerer Domes verdient gemacht und entscheidend dazu beigetragen, Menschen für den Dom zu begeistern", erklärte Wiesemann am Freitag. Als Kanzler hatte Kohl Staatsgäste nach Speyer geführt, darunter Margaret Thatcher, Michael Gorbatschow, George Bush, Vaclav Havel, Boris Jelzin und Spaniens König Juan Carlos. Wiesemann betonte, am Beispiel des Domes habe Kohl die Rolle des christlichen Glaubens für ein Zusammenleben in Gerechtigkeit und Frieden in Deutschland, Europa und der Welt verdeutlichen wollen. Kohl habe den Dom "als Sinnbild für die christlichen Wurzeln eines geeinten Europas" gesehen. Bis zu seinem Tod stand Kohl dem Kuratorium der "Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer" vor. Bistum und Domkapitel seien für dieses Engagement außerordentlich dankbar. 2015 hatten Wiesemann und das Domkapitel Kohl für seine Verdienste geehrt. In der Vorhalle wurde eine Gedenkplatte enthüllt. Sie trägt die Aufschrift "In Würdigung der Verdienste von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl um den Dom zu Speyer als Sinnbild für die christlichen Wurzeln eines geeinten Europas. In Dankbarkeit Das Domkapitel".

Als "Kanzler der deutschen Einheit und großen Europäer" hat der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst Helmut Kohl gewürdigt. Kohl habe als deutscher Bundeskanzler mit der längsten Amtszeit Deutschland nachhaltig geprägt und das Land als stabilen Faktor im zusammenwachsenden Europa verankert. "Helmut Kohl hat die einmalige Chance Deutschlands auf ein Zusammenwachsen nach jahrzehntelanger Trennung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs weitblickend genutzt", betonte Bischof Fürst.

Im Schulterschluss mit dem Nachbarland Frankreich habe Bundeskanzler Kohl Aussöhnung und Verständigung mit dem ehemals verfeindeten Nachbarn gestärkt und diese Partnerschaft als Basis der Einheit Europas gepflegt. Die Kirchen und deren gestaltende Kraft waren dem Alt-Bundeskanzler nach Überzeugung des Rottenburger Bischofs wichtig. So habe Kohl mit darauf hingewirkt, dass sie auch in Europa ein gesichertes Recht auf Mitsprache unter anderem in gesellschaftspolitischen Fragen haben. Als herausragender Bundes- und Europapolitiker sei Kohl seinen Weg in der christlichen Tradition der Gründerväter Deutschlands wie auch Europas gegangen, betonte Bischof Fürst.

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) trauert um Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Er habe in entscheidenden Augenblicken der Geschichte Deutschlands und Europas «unschätzbar viel für unser Gemeinwesen geleistet», erklärte ZdK-Präsident Thomas Sternberg am Freitag in Bonn. "Für den großen Politiker und Staatsmann Helmut Kohl war sein christlicher Glaube stets Fundament und Orientierung", fügte er hinzu. Geprägt von den bitteren Erfahrungen der Vergangenheit, habe er sich mit Weitblick und mit aller Kraft der Zusammenarbeit unter den Völkern Europas gewidmet. "Der europäische Einigungsprozess wurde so zu seiner Lebensaufgabe. Auf diesem Fundament hat er mit großem Gespür für die geschichtliche Entwicklung und mit großem Mut zu politischer Verantwortung die Wiedervereinigung Deutschlands maßgeblich gestaltet", sagte Sternberg.

Sternberg, selbst CDU-Politiker, betonte, Kohl habe in enger Verbindung mit der katholischen Kirche gelebt. "Wir sind dankbar für viele Begegnungen und Gespräche, die uns mit ihm als Parteivorsitzenden und Bundeskanzler zusammengeführt haben, nicht zuletzt bei zahlreichen Katholikentagen."

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat den gestorbenen früheren Bundeskanzler Helmut Kohl gewürdigt. Als Mensch und Politiker habe Kohl "Weitblick mit Realismus", und "Visionen mit Freundschaft" verbunden, so der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, am Samstag in ihrem gemeinsam Kondolenzschreiben an Ehefrau Maike Kohl-Richter. "Ohne das Vertrauen, das Helmut Kohl bei vielen Politikern in aller Welt genoss, wäre die deutsche Einheit nicht so schnell und so friedlich zustande gekommen", schreiben die EKD-Vertreter. Zugleich hoben Bedford-Strohm und Schwaetzer die maßgebliche Rolle Kohls für die europäische Einigung hervor. Prägend für seine politische Leidenschaft sei dessen Erfahrung der Grenze zwischen seiner pfälzischen Heimat und Frankreich gewesen. "Gemeinsam mit anderen jungen Europäern wollte Kohl symbolisch die Schlagbäume beseitigen." Das Schengener Abkommen, das die Grenzkontrollen zwischen den beteiligten Staaten abschaffte, und die Wirtschafts- und Währungsunion seien in erheblichem Maße sein Werk.

Die neue Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), die Architektin und CDU-Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil würdigt gegenüber domradio.de Helmut Kohl als eine "großartige Persönlichkeit, einen großen Mann, beeindruckend. Er war eine richtige Erscheinung. Er hat tiefe Spuren in unserem Land hinterlassen. Als Rheinland-Pfälzerin habe ich ihn natürlich persönlich gekannt. Schon als kleines Mädchen durfte ich ihm einen Blumenstrauß überreichen. Damals war er noch Ministerpräsident. Natürlich habe ich seinen weiteren Weg verfolgt und ihn als Bundeskanzler und bis in die letzten Jahre in Berlin erlebt."

Mit großer Betroffenheit hat Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker auf die Nachricht vom Tod von Altbundeskanzler Helmut Kohl reagiert: "Helmut Kohl war mit einer Amtszeit von sechzehn Jahren nicht nur der am längsten regierende Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, sondern eine beeindruckende Persönlichkeit, ein international geachteter Staatsmann und ein überzeugter Europäer. Er hat sich das Verdienst erworben, der Kanzler der deutschen Wiedervereinigung zu sein. Er hat den langen und mühsamen Weg vollendet, den die Bundeskanzler seit Konrad Adenauer Schritt für Schritt vorbereitet haben. Damit hat er die Hoffnung der Deutschen von der Überwindung der Teilung Wirklichkeit werden lassen.

Helmut Kohl ist es gelungen, nicht nur die wichtigen Staatenlenker in Ost und West für die Wiedervereinigung Deutschlands zu gewinnen, sondern er hat auch die Menschen in West- und Ostdeutschland für das Zusammenleben in einem geeinten Deutschland begeistert. Dabei hat er wie kaum ein anderer die Chancen dieser Minute der Weltgeschichte erkannt und ergriffen.

Auch wenn sein späteres politisches Wirken durch Konflikte und die Spendenaffäre überschattet wurde, zählen der von ihm wesentlich gestaltete Prozess der deutschen Wiedervereinigung und das Zusammenwachsen Europas zu seinen unvergesslichen Leistungen. Wir verneigen uns vor einem großen Staatsmann und Politiker."

Die Stadt Köln wird ab Montag, 19. Juni 2017, 10 Uhr, im Rathaus, Spanischer Bau für den heute verstorbenen Altbundeskanzler Helmut Kohl ein Kondolenzbuch auslegen.

Auch der designierte Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet (CDU), würdigt Helmut Kohl: "Mit Helmut Kohl geht einer der ganz Großen in der Geschichte Deutschlands, Europas und der Welt. Sein politisches Lebenswerk ist gigantisch. Er hat Deutschland wieder vereint, tief in der europäischen Integration verankert und in der Weltpolitik eine Stimme gegeben.

Ohne Helmut Kohl, den Ehrenbürger Europas, wären die Europäische Union mit offenen Grenzen, der große Binnenmarkt und die gemeinsame Währung Euro nicht möglich gewesen. Bis zuletzt war ihm die Einigung Europas ein Herzensanliegen. So habe ich es auch bei unserer letzten Begegnung in seinem Haus in Ludwigshafen erlebt. Wer Kohl zuhörte, wusste um den Schatz Europa.

Helmut Kohl ist eine der prägenden und historischen Persönlichkeiten der Bonner Republik. Er war ein Glücksfall im Schicksalsmoment 1989/90. Bis heute, Jahrzehnte nach dem Ende seiner Kanzlerschaft, macht man überall auf der Welt die Erfahrung: Wer an Deutschland denkt, hat Helmut Kohl vor Augen.

Auch die besonderen Belange Nordrhein-Westfalens hatte er stets im Blick: Mit der Ruhrgebietskonferenz von 1988 setzte er einen Meilenstein für den erfolgreichen Strukturwandel. Das werden ihm die Menschen an Rhein und Ruhr nicht vergessen. Meine Gedanken und Gebete sind bei seiner Familie."

Als einen eng mit der jüdischen Gemeinschaft verbundenen Staatsmann hat der Zentralrat der Juden in Deutschland Helmut Kohl gewürdigt. Der am Freitag gestorbene Altkanzler habe den Weg für die Einwanderung von Juden in die Bundesrepublik frei gemacht und somit wesentlich zu einer neuen Blüte der jüdischen Gemeinschaft beigetragen, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster am Freitag in Berlin. "Die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder hat sich seitdem auf rund 100.000 verdreifacht. Auch dies ist ein bleibender Verdienst Helmut Kohls." Schuster erinnerte daran, dass Kohl 1997 für sein Engagement den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden erhalten habe.

Auch die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat dem gestorbenen Altkanzler Helmut Kohl für dessen Beziehung zur jüdischen Gemeinschaft gedankt. "Mein besonderer Dank gilt seinem unermüdlichen Engagement für Versöhnung und das gute, vertrauensvolle und freundschaftliche Miteinander von nichtjüdischen und jüdischen Menschen in Deutschland", sagte sie am Freitag laut Mitteilung. Von herausragender Bedeutung sei der humanitäre Pakt zwischen Kohl und dem damaligen Präsidenten des Zentralrats, Heinz Galinski, über die Aufnahme jüdischer Emigranten aus der einstigen Sowjetunion gewesen. Dort hatte Ende der 1980er Jahre eine erneute Welle des Antisemitismus eingesetzt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Maike Kohl-Richter zum Tod ihres Mannes kondoliert und vor allem dessen politischen Instinkt gewürdigt. Helmut Kohl habe sich mit ganzer Kraft für die Verankerung Deutschlands im westlichen Bündnis eingesetzt, erklärte das Staatsoberhaupt am Freitag in Berlin. "Er hat die europäische Einigung mit Leidenschaft vorangetrieben und bis zuletzt für die europäische Idee geworben." Steinmeier betonte weiter, Kohl habe die enge deutsch-französische Freundschaft und Partnerschaft wesentlich voran gebracht. Dabei habe er "den Großmut und die segensreiche Bereitschaft zur Versöhnung" gewürdigt, die Frankreich der Bundesrepublik nach Ende des Zweiten Weltkrieges entgegen gebracht habe. Der Bundespräsident lobte den politischen Instinkt Kohls: Er habe eine herausragende Begabung gehabt, Vertrauen bei den Nachbarn und Partnern zu gewinnen. Das habe ihn dazu befähigt, "eine einmalige historische Chance zu erkennen und sie mit Entschlossenheit zu ergreifen: Es ist ihm gelungen, die deutsche Einheit im friedlichen Einvernehmen und in guter Partnerschaft mit unseren europäischen Nachbarn zu erreichen."

UN-Generalsekretär António Guterres reagierte mit großer Trauer auf den Tod Kohls. Der frühere Bundeskanzler habe eine Schlüsselrolle bei der friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands und dem historischen Prozess der europäischen Integration gespielt. Das heutige Europa sei ein Ergebnis der Vision und Hartnäckigkeit Kohls, hob der ehemalige portugiesische Premierminister Guterres hervor.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker reagierte auf Twitter: "Ich bin in großer Trauer über den Tod von Helmut Kohl, meinem engen Freund. Er hat mich auf allen europäischen Wegen geleitet und begleitet." 

Bundestagspräsident Norbert Lammert erklärte: "Helmut Kohl hat entscheidend zu den glücklichsten Zeiten beigetragen, die wir Deutschen je hatten." Die amtierende Bundesratspräsidentin Malu Dreyer (SPD) nannte den Altkanzler eine der "herausragenden politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts". Ähnlich äußerte sich der SPD-Vorsitzende Martin Schulz. Kohl habe "historische Weichen für Deutschland und Europa gestellt und sich Verdienste erworben, die Bestand haben und nicht vergessen werden". Auch Cem Özdemir würdigte zum Auftakt des Grünen-Parteitags die Verdienste Kohls. "Ein großer Europäer ist von uns gegangen", so der Grünen-Parteichef.

Linken-Politiker Gregor Gysi sagte über Kohls Engagement für die Einheit Europas: "Er wollte ein europäisches Deutschland, kein deutsches Europa." FDP-Chef Christian Lindner twitterte, Kohl habe eine ganze Generation politisch geprägt. Die FDP war in den 16 Jahren der Kanzlerschaft Kohls Koalitionspartner der Union.

Der frühere CDU-Parteivorsitzende Kohl war am Morgen im Alter 87 Jahren gestorben. Knobloch sagte: "Zwei Entwicklungen bleiben für immer mit seiner langen Amtszeit und seinem Namen verbunden: Die Deutsche Einheit und die Voraussetzung dafür, die Vertiefung der europäischen Einigung." Beides wäre aus ihrer Sicht ohne Kohls Fähigkeit, ein gutes persönliches Vertrauensverhältnis zu Menschen wie dem damaligen sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow herzustellen, nicht realisierbar gewesen.

(KNA, epd, DBK, dr, dpa)

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