Klaus Prömpers, langjähriger ZDF-Journalist und ehemaliges ZdK-Mitglied
Klaus Prömpers, langjähriger ZDF-Journalist und ehemaliges ZdK-Mitglied

07.06.2017

Ehemaliges ZdK-Mitglied Prömpers über den Einfluss von Religionen auf die Sicherheit "Weltweite Desorientierung"

Eine OSZE-Konferenz beschäftigt sich derzeit mit Religion und Sicherheit. Die alten Regeln funktionieren nicht mehr, warnt Klaus Prömpers, ehemaliges ZdK-Mitglied, bei domradio.de.

domradio.de: Die Tagung "Religionen, Werte und Spiritualität. Der Einfluss der Religionen auf die Sicherheit" findet am Rande einer OSZE-Konferenz in Wien statt. Sie haben selbst auch daran teilgenommen. Wie ist Ihre Einschätzung: Können und dürfen sich Religionen in politische und sicherheitspolitische Fragen einmischen? 

Klaus Prömpers (ehem. ZDF-Journalist, Buchautor und ehem. Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken): Sie tun es faktisch auf jeden Fall. Das war die übereinstimmende Meinung aller 60 Teilnehmer der Tagung. Die spannende Frage ist: Wie tun sie das?  Diese Frage wurde auch von österreichischen Diplomaten, die im Moment den Vorsitz in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) haben, an die Religionsvertreter gestellt.

Wie viel Werte gemeinsamer Art brauchen wir? Brauchen wir neue Regeln, die wir etablieren müssen, nachdem wir 70 Jahre bestimmten Regeln gefolgt haben? Aber wir merken jetzt auf einmal, dass diese Regeln nicht mehr funktionieren. Sie funktionieren nicht gegenüber Russland, sie funktionieren nicht mehr richtig gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika und auch innerhalb der Europäischen Union, beispielsweise gegenüber Polen oder Ungarn.

domradio.de: Was wären dann neue Regeln?

Prömpers: Da gibt es bei weitem noch keine Antwort. Mitursache dafür dürfte sein, dass natürlich die Ausgangslagen der verschiedenen Religionen, die hier vertreten waren, sehr weit auseinander lagen. Von Buddhisten über Hinduisten bis zu katholischer Kirche, konservativ, progressiv, evangelischer, protestantischer, baptistischer, methodistischer, jüdischer Glaubensrichtung, waren fast alle Religionen hier vertreten.

Alle haben natürlich ein sehr unterschiedliches Ansehen. Der Hinduist klagte zum Beispiel darüber, dass Hinduismus in Belgien, in der europäischen Union im Jahre 2017 immer noch nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt ist. Eine Religionsgemeinschaft, die in Indien die beherrschende Religionsgemeinschaft ist, ist in einem Land der Europäischen Union dagegen nicht anerkannt. Das sind natürlich große Unterschiede der Behandlung und gegenseitigen Wertschätzung oder Missachtung, die hier immer wieder fühlbar wurden.

domradio.de: Es ist auch ein unfassbar weites Feld - alleine die Vielfalt der Religionen. Steht bei dieser Tagung auch das Thema Sicherheit im Vordergrund?

Prömpers: Indirekt. Natürlich wurde es, bedingt durch die Ereignisse von Manchester und London, immer wieder zwischenzeitlich Thema. Aber die wesentliche Frage, die sich alle Religionen und auch die Diplomaten an die Religionsgemeinschaften stellen, thematisiert die zunehmende Instrumentalisierung von Religion innerhalb der Politik, die zunehmende Nähe von Religion zur nationalistischen Auswüchsen, sei es in Russland mit der orthodoxen Kirche oder sei es an manchen Stellen der Welt mit dem Islam. Wenn Religion zum Machterhalt instrumentalisiert wird, dann entsteht ein zusätzliches Problem der gegenseitigen Missachtung und des Nichtverstehens.

domradio.de: Nationalisten oder auch der selbsternannte "Islamische Staat" argumentieren auch immer mit Religion. Im Nahen Osten ist Religion zudem immer wieder ein Auslöser für Gewalt. Wird darüber gesprochen? Sehen Sie da eine weltweit anwachsende Radikalisierung in verschiedenen Religionen?

Prömpers: Die weltweite Desorientierung, mitherbeigeführt durch Internet und moderne Medien, durch Twitter, Instagram und Co., führt dann im Missverständnis der Kerninhalte von jeweiligen Religionen sehr leicht dazu, dass beispielsweise Nationalismus überbetont wird oder bestimmte Phrasen des Korans falsch betont werden. Das gäbe es in allen Regionen, so die versammelten Vertreter. Doch man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Daher muss man mit modernen Medien umgehen lernen und gleichzeitig Regeln einführen, wie man diese nutzen sollte. 

Das Gespräch führte Silvia Ochlast.

(DR)

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