Privatschulen müssen keinen Religionsunterricht anbieten
Symbolbild Religionsunterricht

30.05.2017

Alternative zum Fach Religion schon in der Grundschule "Werte und Normen" statt Religionsunterricht

Das Land Niedersachsen startet zum kommenden Schuljahr an zehn Grundschulen einen Versuch zum Fach "Werte und Normen". Die Oberlandeskirchenrätin sieht darin "keine Konkurrenz" für den Religionsunterricht.

"Wir vernehmen vermehrt den Wunsch von Eltern nach einem Alternativfach für Grundschülerinnen und Grundschüler, die nicht an einem bekenntnisorientierten konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen möchten", sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Dienstag in Hannover. Bislang wird "Werte und Normen" als Alternative zum Fach Religion erst ab der fünften Klasse angeboten.

Die evangelischen Kirchen befürworten die Erprobung. "Der offene Dialog über Fragen des Glaubens und Nichtglaubens muss geführt werden", sagte Heiligenstadt. Nach der Erprobung will die Landesregierung entscheiden, ob das Fach flächendeckend an Grundschulen etabliert werden soll. Dazu müsste sie einen neuen Studiengang schaffen, ein Lehrprogramm erstellen und das Schulgesetz ändern. Bislang bieten sechs Bundesländer das Fach "Werte und Normen" für Grundschulen an: Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

"Starke Gruppe" der Konfessionslosen

Nach Angaben der Ministerin gehören derzeit von rund 278.000 Grundschülern in Niedersachsen etwa 72.800 keiner Konfession an. "Das ist eine starke Gruppe", unterstrich Heiligenstadt. Rund 123.500 Kinder sind evangelisch, 46.900 katholisch, 21.000 muslimisch, und 14.000 Mädchen und Jungen gehören einer anderen Religionsgemeinschaft an. Etwa 91 Prozent der Grundschulkinder besuchen den Religionsunterricht.

Die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen äußerte sich zustimmend zu der Erprobung. "Wir bejahen den Schulversuch", sagte die Bildungsexpertin und Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track. Ein Alternativfach zum Religionsunterricht sei für alle Schulformen erforderlich. "Wir sehen darin keine Konkurrenz und freuen uns, dass gut drei Viertel der Schüler am evangelischen oder katholischen Religionsunterricht teilnehmen."

(epd)

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