Rund 100.000 Menschen werden auf dem Kirchentag erwartet
Rund 100.000 Menschen werden auf dem Kirchentag erwartet
Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg
Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg
Katrin Göring-Eckardt
Katrin Göring-Eckardt
Margot Käßmann
Die Theologin Margot Käßmann

25.05.2017

Kirchentag: Bischof Dröge diskutiert mit AfD-Politikerin "Kein christliches Menschenbild"

Bei der umstrittenenen Kirchentags-Veranstaltung "Christen in der Afd?" ist die Diskussion zwischen Bischof Dröge und einer AfD-Politikerin immer wieder mit Zwischenrufen unterbrochen worden.

Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge hat der AfD vorgeworfen, die Würde der Menschen nicht zu achten. "Es steht kein christliches Menschenbild im Parteiprogramm der AfD", sagte Dröge am Donnerstag beim evangelischen Kirchentag in Berlin. Gerade Christen müssten "sehr empfindsam sein, wenn die Würde von Menschen nicht geachtet wird". In der Bibel gebe es eine lange Tradition, die Rechte von Fremden zu respektieren.

Anette Schultner, Sprecherin der "Christen in der AfD", entgegnete, jeder Mensch habe nach dem christlichen Menschenbild zwar die gleiche Würde. Das bedeute aber nicht, dass jeder Mensch dieselben Rechte habe, sagte Schultner, die von einer "völlig unkontrollierten Massenzuwanderung" sprach. Die AfD-Politikerin warf den deutschen Kirchen vor, sich zu sehr um die Probleme von Flüchtlingen zu kümmern. Die Erwartung, dass Christen das Elend der Welt überwinden sollten, sei eine originär deutsche Auffassung, sagte sie in der Diskussion über "Christen in der AfD?" auf dem 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag, der bis Sonntag in Berlin und Wittenberg stattfindet. Kirchen in anderen europäischen Ländern sähen das anders.

Zwischenrufe

Der Auftritt der AfD-Politikerin war umstritten, die Diskussion in der vollbesetzten Sophienkirche in Berlin-Mitte wurde immer wieder durch Zwischenrufe unterbrochen. Anders als der Katholikentag im vergangenen Jahr hatte der Kirchentag beschlossen, im Zeichen der Dialogbereitschaft grundsätzlich mit einzelnen Vertretern der AfD zu sprechen, sofern sie sich nicht rassistisch und menschenfeindlich geäußert hatten.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, findet die umstrittene Kirchentagsveranstaltung mit einer AfD-Vertreterin richtig. "Ich bin sehr froh, dass das passiert", sagte Göring-Eckardt bei einem Empfang ihrer Partei nach der Eröffnung des fünftägigen Christentreffens am späten Mittwochabend in Berlin. "Kirchentag ist auch Auseinandersetzung und Konfrontation", erklärte sie. Der Kirchentag zeige damit, dass er in diese Konfrontation gehe. "Wir machen es uns nicht nur schön nach dem Motto 'Friede, Freude, Eierkuchen'", sagte Göring-Eckardt, die Spitzenkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl ist.

Diskussion mit Bischof Dröge

Göring-Eckardt war 2011 Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Dresden und gehört noch heute dem Präsidium der Laienbewegung an. Sie sagte, die Diskussion mit Anette Schultner von der Vereinigung "Christen in der AfD" sei "kein Auftritt von jemandem aus einer Partei, die mit fremdenfeindlichen Parolen unterwegs ist". Mit Schultner wird unter anderen der Berliner Bischof Markus Dröge diskutieren.

Die Veranstaltung war vor allem innerhalb der Kirchentagsbewegung und kirchlichen Kreisen umstritten. Eine Initiative rief zum Boykott der Diskussion auf. Auch in der Bundespolitik stößt die Veranstaltung auf ein geteiltes Echo. Während Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Konfrontation mit der AfD in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) befürwortete, kritisierte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) die Entscheidung des Kirchentags.

"Kleine Arierparagraphen"

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat die familienpolitischen Positionen der AfD scharf kritisiert. Die entsprechenden Passagen im AfD-Grundsatzprogramm erinnerten sie an den "so genannten kleinen Arierparagraphen der Nationalsozialisten: zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern", sagte Käßmann laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript am Donnerstagmorgen in Berlin.

Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bezog sich auf einen Passus in der Langfassung des im vergangenen Jahr verabschiedeten AfD-Programms: "Den demografischen Fehlentwicklungen in Deutschland muss entgegengewirkt werden. Die volkswirtschaftlich nicht tragfähige und konfliktträchtige Masseneinwanderung ist dafür kein geeignetes Mittel. Vielmehr muss mittels einer aktivierenden Familienpolitik eine höhere Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung als mittel- und langfristig einzig tragfähige Lösung erreicht werden."

Enge Welt

Käßmann kommentierte: "Keine Frage mehr, jetzt ist es klar. Frauen sollen Kinder bekommen, wenn sie 'biodeutsch' sind." Die Forderungen der AfD gingen an der Realität vorbei, sagte die Theologin. "So einfach klein und eng können selbst die Neonazis sich die Welt im Jahr 2017 nicht malen." Käßmann äußerte sich beim evangelischen Kirchentag in Berlin. Dort soll ebenfalls am Donnerstag eine Diskussionsveranstaltung zum Thema "Christen in der Afd?" stattfinden. Daran will auch Anette Schultner vom Bundesvorstand der "Christen in der AfD" teilnehmen.

 

 

(epd)

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