US-Präsident Trump (l) trifft sich mit Israels Premierminister Netanjahu
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Dr. Michael Borchard
Dr. Michael Borchard

22.05.2017

Konrad Adenauer Stiftung zum Trump-Besuch in Israel "Israelis sind stolz und ein bisschen nervös"

Der Besuch von Donald Trump in Israel ist ein politischer Drahtseilakt mit vielen symbolischen Gesten. Im domradio.de-Interview berichtet der Leiter des Auslandsbüros Israel der Konrad Adenauer Stiftung, Dr. Michael Borchard.

domradio.de: In den Reden am Flughafen hat Donald Trump von einem "unzerbrechlichen Bündnis zwischen Israel und den USA" gesprochen. Wie glaubwürdig ist diese Aussage für die Israelis?

Dr. Michael Borchard (Leiter des Auslandsbüros Israel der Konrad Adenauer Stiftung): Für die Israelis war es immer so, wenn Israel und die Palästinensergebiete relativ nah an einem Friedensschluss waren, dann auf Initiative der USA. Wenn es um Sicherheitsgarantien geht, dann sind das in erster Linie die USA. Ich glaube, man kann tatsächlich von einer unzerbrechlichen Freundschaft reden. Die ist allerdings nach der hiesigen Lesart und der hiesigen Betrachtung durch das Atomabkommen mit dem Iran, von Obama auf die Probe gestellt worden. Das erklärt auch so ein bisschen, warum hier der Blick auf Trump deutlich positiver ist.

domradio.de: Noch nie ist ein amerikanischer Präsident direkt von Saudi-Arabien nach Israel geflogen und Netanjahu spricht davon, dass er hofft auch einmal nach Riad zu fliegen. Wie sind diese Worte zu bewerten?

Borchard: Ich glaube, dass sich hinter den Kulissen durch die Polarität mit dem Iran, schon eine Weile so etwas wie ganz zarte Bande entwickeln, weil man gemeinsame Interessen hat. Nichts schweißt so zusammen, wie ein gemeinsamer Feind. Ob das nachhaltig ist und ob das von großer Dauer sein wird, dass ist die ganz andere Frage. Auch bei den Track-Two-Gesprächen spielt sich hinter den Kulissen an der Stelle schon einiges ab.

domradio.de: Im Vorfeld der Reise hat Trump den Israelis in Aussicht gestellt, die amerikanische Botschaft von Tel-Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Jetzt wird dieses Versprechen verschoben. Wie wird das in Israel gesehen?

Borchard: Das ist das große Problem. Die Israelis möchten immer gerne wissen, mit wem sie es eigentlich zu tun haben. Was die Israelis nicht mögen, ist wirklich nicht kalkulieren zu können, wer ihnen da eigentlich gegenüber sitzt. Das kann man vor dem Hintergrund der Sicherheitsbedrohung hier auch gut verstehen. Ich glaube, dass ist auch genau das, was wir beim Thema "Verlegung der Botschaft" erleben.

Am Anfang hat Trump angekündigt: Ja, das überlegen wir. Dann gab es sehr viel zurückhaltendere Töne. Ich rechne persönlich nicht damit, dass während des Besuches die Verlegung der Botschaft bekannt gegeben wird. Ich könnte mir vorstellen, dass es eine Äußerung zur Frage der Hauptstadt Israels geben wird von Donald Trump. Auch das ist natürlich völkerrechtlich hochproblematisch. Ich glaube aber nicht, dass während dieses Besuches eine Entscheidung über die Verlegung der Botschaft fallen wird.

Auch Trump weiß schon, dass das Schwierigkeiten hervorrufen würde, nicht zuletzt für den anderen amerikanischen Partner Jordanien. Hier wird der König immer sehr stark danach beurteilt, was er für Jerusalem tut. Wenn der nicht liefern kann mit einem Großteil palästinensischer Bevölkerung in seinem Land, dann wird das auch in Jordanien durchaus kritisch.

domradio.de: Wie reagiert die israelische Bevölkerung auf den Besuch von Donald Trump?

Borchard: Das ist eine ganz eigentümliche Mischung aus Stolz einerseits und auch ein bisschen Beunruhigung andererseits. Die Ankündigung von Donald Trump: "Ich werde den Frieden bringen. Das ist vielleicht gar nicht so schwierig." Das ist eine wörtliche Äußerung, die es von Trump gab. "Ich wird Ihnen den ultimativen Deal machen". Wieder eine wörtliche Äußerung von Trump. Das sind Sachen, die hier nicht nur Freude hervorrufen, sondern auch einen gewissen Grad der Nervosität.

Die Israelis halten Trump nach wie vor für ein unbeschriebenes Blatt und das ist übrigens ein ganz interessanter Punkt, weil wir die ganze Zeit damit zu tun haben, dass Europa sehr kritisch gesehen wird. Wir haben gerade eine Umfrage gemacht, die noch unveröffentlicht ist, in der wir festgestellt haben, dass nach der Wahl Donald Trumps die EU deutlich positiver beurteilt wird. Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass man zwar nicht zufrieden ist mit dem was die Europäische Union macht, aber sie besser einschätzen kann.

Dieses "wir wissen nicht was Trump uns bringen wird" ist etwas was Israelis immer grundsätzlich durchaus auch nervös macht. Der Stolz erklärt sich dadurch, dass man nach Obama sagt: Es ist besser einen amerikanischen Präsidenten zu haben, der ein positives Verhältnis gegenüber Israels ganz stark vor sich her trägt. Deswegen hat auch dieser symbolische Akt, der Besuch der Klagemauer, solch eine Bedeutung.

Das Interview führte Milena Furman.

(DR)

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