Angela Merkel
Angela Merkel
Emmanuel Macron
Emmanuel Macron

15.05.2017

Merkel und Macron - das neue Traumpaar Europas? Ghostbuster der Geschichte

Heute besucht Frankreichs frisch vereidigter Präsident Macron Kanzlerin Merkel in Berlin. Es hätte auch Marine Le Pen sein können. Erleichterung bedeutet jedoch noch nicht Unbeschwertheit.

Die gute Nachricht: Die deutsch-französische Achse in Europa bleibt intakt. Um das zu betonen, macht Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron am Montag traditionell seinen ersten Auslandsbesuch bei der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Berlin. Es hätte schließlich auch Marine Le Pen sein können. Die hatte im Wahlkampf gehöhnt, Frankreich werde am Ende "so oder so von einer Frau regiert - entweder von mir oder von Frau Merkel".

Keine Unbeschwertheit

Die Erleichterung über ihre Niederlage bedeutet jedoch noch nicht Unbeschwertheit. Zu groß sind derzeit die Probleme in der EU; und zu unbekannt ist noch Macron, der 39-jährige Banker und Eliteschüler. Politisch eine Katze im Sack; eine europafreundliche immerhin.

Die Kanzlerin wird froh sein, nun einem anderen Präsidenten Frankreichs die Hand reichen zu können als dem Sozialisten Francois Hollande; jenem glücklosen Mann von La Mancha, bei dem es schon zu regnen schien, sobald er überhaupt seinen Fuß vor die Tür setzte. Hollande ist es zu keiner Zeit gelungen, die Lokomotive Frankreich wieder flott zu machen - auch weil sich seine Landsleute bei jedem ernsthaften Reformversuch die Jakobinermütze aufsetzten und Autobahnen und Straßen verbarrikadierten.

Am Scheideweg der europäischen Einigung

Macron und Merkel: Dort stehen sie - sie können nicht anders. Am Scheideweg der europäischen Einigung muss historische Symbolik einmal mehr jene Einigkeit beschwören, die in sechs Jahrzehnten zwischen den beiden früheren Erbfeinden entstanden ist.

Wie damals nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier Charles de Gaulle (1890-1970), Kopf der "Resistance" und Exil-Führer des "Freien Frankreich". Er gab der 1940 überrannten Nation das lebenswichtige Gefühl, alle Franzosen seien Widerständler gewesen: Kollaborateure und Antisemiten ebenso wie jene, die tatsächlich im besetzten und im unbesetzten Frankreich gegen Nazi-Deutschland arbeiteten.

Dunkle Vergangenheit

Auf der anderen Seite Konrad Adenauer (1876-1967), NS-verfolgter Ex-Bürgermeister von Köln und erster Bundeskanzler. Er versuchte, dem "Tätervolk" ein Gefühl kollektiven Fehlgeleitetseins zu vermitteln, um so einen Neuanfang in einem neuen politischen Geist zu ermöglichen - eine "Stunde Null".

Beide Alphatiere sprangen über die dunklen Schatten der Vergangenheit, indem sie gegen die über Generationen vermittelte "Erbfeindschaft" anredeten. Die Montan-Union von 1951, die Römischen Verträge von 1957 und die Elysee-Verträge von 1963 eröffneten eine historische Chance zur Versöhnung.

Eine neue Generation am Ruder

Und die Sache lief gut: Deutsche nannten ihre Töchter plötzlich "Natalie", Franzosen nannten die Deutschen seltener "boches" (Schweine) als früher. Romy Schneider und Alain Delon, Gauloises, Daniel Cohn-Bendit und die Studentenrevolten hüben wie drüben: Eine neue Generation übernahm das Ruder.

Die Handreichung zwischen den Staatschefs beider Länder ist seitdem fast schon ein Topos geworden. De Gaulle und Adenauer, die 1962 in Frankreichs Krönungskathedrale in Reims gemeinsam eine Messe besuchten. Helmut Kohl und Francois Mitterrand 1984 auf den einstigen Schlachtfeldern von Verdun. 2012 - zum 50. Jahrestag der Geste von 1962, wieder in Reims - Hollande und Merkel. Schon damals war das mehr als bloße Geschichtspflege: Es gab Feuer unterm Dach der EU-Finanz- und Währungsunion. Und, 2016, wieder in Verdun, wieder Merkel und Hollande.

Europäische Überzeugungskraft gefordert

Angesichts der andauernden Flüchtlingskrise, eines drohenden schmutzigen Brexits, angesichts von Populismus und Nationalismus, der Egotrips von Polen und Ungarn, angesichts der aktuellen Regierungskrisen in Österreich und Tschechien und diverser weiterer Mitgliedstaaten mit massiven Finanz- oder Disziplinproblemen, müssen Macron und Merkel die EU-Europäer neu überzeugen, warum ihr gemeinsames Projekt nicht scheitern darf.

Dabei dürften sie selbst keineswegs immer einig sein in der Bewertung, welcher Weg aus der Krise führen kann - siehe europäischer Finanzminister. Die beiden "Big M's" stehen unter buchstäblichem Zugzwang für Europa. Wird ihr Treffen an diesem Montag seine symbolische Wirkung entfalten - oder verpufft es? All das scheint schon so oft dagewesen.

Alexander Brüggemann
(KNA)

Sonderseite zur DBK-Vollversammlung

Die deutschen Bischöfen treffen sich ab Montag in Fulda: Themen sind u.a. die neue Missbrauchsstudie und der Weltjugendtag in Panama.

Live: Vollversammlung der Bischofskonferenz

Gottesdienste und Pressekonferenzen im Live-Stream!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Aktuell: Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

DOMRADIO in Berlin und Brandenburg

Ab sofort auf DAB+ auch in Berlin und Brandenburg: Das Kölner DOMRADIO!

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 25.09.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Studie zu Missbrauch in der katholischen Kirche wird vorgestellt
  • Eröffnung der Al Nour Moschee in Hamburg steht bevor
  • Reaktionen der Gemeinden auf den Missbrauchsskandal
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Missbrauchs-Skandal: Das sagt die Netz-Gemeinde
  • Apfelernte mit Kindern
  • Tag der Zahngesundheit
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Missbrauchs-Skandal: Das sagt die Netz-Gemeinde
  • Apfelernte mit Kindern
  • Tag der Zahngesundheit
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Missbrauchsstudie der Bischöfe - Zahlen, Fakten, Konsequenzen
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Missbrauchsstudie der Bischöfe - Zahlen, Fakten, Konsequenzen
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Dom zu Fulda: Hier finden die Gottesdienste der Vollversammlung statt
    26.09.2018 07:30
    Gottesdienst

    Herbst-Vollversammlung der Deu...

  • Lukasevangelium
    26.09.2018 07:50
    Evangelium

    Lk 9,1–6

  • Papst Paul VI. und Patriarchen Athenagoras I. hoben Exommunikationen auf
    26.09.2018 09:10
    Anno Domini

    Papst Paul VI.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen