Hoffnungslose Lage in Syrien?
Hoffnungslose Lage in Syrien?

07.04.2017

Pax Christi zu Trumps Vergeltungsschlag in Syrien "Verhärtete Fronten"

Ist Gewalt auf den mutmaßlichen Giftgasanschlag in Syrien die richtige Antwort? Odilo Metzler von der katholischen Friedensorganisation Pax Christi sieht darin einen Rückschritt. Im domradio.de-Interview sieht er die UN in der Pflicht.

domradio.de: Sinnvolle Prävention oder nur eine weitere Eskalation im Syrien-Krieg? US-Präsident Donald Trump hat als Vergeltung für einen mutmaßlichen Giftgasangriff einen Luftwaffenstützpunkt in Syrien attackieren lassen. Politiker wie Angela Merkel oder auch andere Staats- und Regierungschefs loben die Luftschläge. Kritik kommt von Russland. Merkel und der französische Präsident Hollande verteidigen die US-Luftschläge und sagen, der syrische Machthaber Assad trage die alleinige Verantwortung – wie stehen Sie zu der militärischen Aktion der USA?

Odilo Metzler (Friedensorganisation Pax Christi): Es ist klar, dass dieser Chemiewaffeneinsatz ein ganz schlimmer Vorfall war – möglicherweise auch ein Kriegsverbrechen, was von der UN untersucht werden muss. Aber es ist überhaupt nicht geklärt, von wem das ausging. Ob das Assad-Regime dahinter steckt oder ob es Chemiewaffen der Rebellen waren, die durch Luftschläge dann freigesetzt wurden. Deswegen ist im Moment völkerrechtlich nicht die Zeit, um mit Militärschlägen zu antworten – unabhängig davon, dass die auch nicht helfen.

domradio.de: Man kann auch durch Nichtstun schuldig werden. Der Militärschlag jetzt galt der militärischen Infrastruktur von Assad. Ist es nicht sinnvoll, seine Möglichkeiten für Giftgasattacken zu verringern oder gar auszuschließen?

Metzler: Es gibt bereits Beispiele, in denen die USA militärisch eingeschritten ist, zum Beispiel im Irak und in Libyen. Das hat die Situation nicht verbessert, sondern verschlechtert. Ich sehe überhaupt nicht, dass durch solche Luftschläge Syrien einem Frieden näher käme – sondern ganz im Gegenteil: die Fronten verhärten sich. Die Reaktion von Russland deutet darauf hin, dass es schwieriger wird, durch diplomatische Aktivitäten und Verhandlungen einem Frieden näher zu kommen.

domradio.de: Präsident Obama ist bislang in Syrien eher zurückhaltend aufgetreten, Trump ändert offenkundig gerade diese Linie. Halten Sie ein verstärktes militärisches Engagement der USA für einen Weg, den brutalen Syrienkrieg endlich zu stoppen?

Metzler: Nein, halte ich nicht. Ich sehe eher die Gefahr, dass selbst wenn mit den massivsten Militäranschlägen das Assad-Regime besiegt würde, aus meiner Sicht nichts gewonnen wäre, weil wir dann wieder eine Situation wie im Irak und Libyen hätten – wo wieder neue Gruppen wie der IS aus dem Chaos entstehen. Von daher muss es gelingen, eine Friedensordnung zu schaffen. Es gibt in Syrien verschiedene regionale Waffenstillstände, die durch örtliche Gruppen vereinbart worden sind. Für die allgemeine Lösung braucht es die UN und braucht es die Großmächte. Das ist die einzige Möglichkeit, wie man weiterkommt.

domradio.de: Syrer, die hier in Deutschland leben und Verwandtschaft in Syrien haben, sagen, da muss was passieren. Wir können nicht mehr tatenlos zusehen. Können Sie das nachvollziehen?

Metzler: Das kann ich natürlich nachvollziehen. Ich verstehe auch, wenn das für syrische Oppositionsgruppen furchtbar ist, dass der Krieg weitergeht, auch wie das Assad-Regime militärisch vorgeht. Aber es gibt auch Gruppen, die befürchten, dass diese weitere Entwicklung ins Chaos führt und da sind gerade auch die christlichen Kirchen in Syrien dabei.

domradio.de: Wenn man auf Waffengewalt nicht setzen will - welche Möglichkeiten für Frieden in Syrien sehen Sie?

Metzler: Wir müssen die UN stärken, wir müssen die Großmächte zusammenbringen. Da sind auch Chancen verspielt worden.

domradio.de: Aber da kommen ja immer Russland und Iran und sagen – nicht mit uns. Und dann ist es schon wieder vorbei.

Metzler: Ja, aber es gab in der Anfangszeit auch von Russland selbst den Anstoß, eine Übergangsphase für das Assad-Regime zu schaffen. Und dann kam die Situation, wo Russland aus Prestige-Gründen eingegriffen hat und ich befürchte, dass es bei den USA ähnlich ist.

domradio.de: Was können denn wir Katholiken tun, um das Leid der Menschen in Syrien zu verringern?

Metzler: Unsere Regierung hat sich engagiert im Konflikt, aber das ist der einzige Weg. Und ich denke, wir müssen auch aufpassen, dass wir nicht Kriegspartei werden. Dann können wir auch keinen progressiven Beitrag leisten.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

(DR)

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