Lange Schlangen vor den Wahllokalen in Ecuador
Lange Schlangen vor den Wahllokalen in Ecuador

02.04.2017

Vor der Präsidenten-Stichwahl ist Ecuadors Volk tief gespalten Bischöfe sorgen sich um Frieden

Die Stichwahlen am Sonntag in Ecuador werden mit Spannung erwartet. Vorher liefern sich beide Lager einen Schlagabtausch. Die Kirche fordert die Lager zu Mäßigung auf.

Die Wut der Regierungsanhänger bekam Präsidentschaftskandidat Guillermo Lasso sogar im Fußball-Stadion zu spüren. Am Rande des WM-Qualifikationsspiels zwischen Ecuador und Kolumbien in Quito, das die Gäste zu allem Überfluss auch noch mit 2:0 gewannen, sollen Sympathisanten des Regierungslagers nach lokalen Medienberichten Steine und Stangen in Richtung Lassos geworfen haben. Wenig später distanzierte sich die Linksregierung in Quito von den Vorfällen und stellte klar, dass sei nicht Stil und Art des Umgangs miteinander.

Offenbar doch, denn beider Lager griffen kurz vor der Stichwahl am Sonntag tief in die Kiste von Einschüchterungsversuchen und Angstszenarien. Sollte der Kandidat des bürgerlich-konservativen Lagers gewinnen, drohe dem Land ein Rückfall in neoliberale Ausbeutung. Lasso habe als Banker Millionen verschoben und Steuern geprellt. Das ist das eine Extrem. Gewinnt Lenin Moreno werde sich Ecuador in eine Diktatur nach venezolanischem Muster verwandeln, kontern die Herausforderer. Obendrein müsse Wahlbetrug vorliegen, falls die Opposition nicht gewinne, hieß es aus dem Lasso-Lager.

Wie stark ist der Einfluss Venezuelas? 

Viel weiter können beide Seiten nicht auseinanderliegen. Auch die Umfragen vermitteln unterschiedliche Vorhersagen, je nach Nähe zu einem der beiden Kandidaten wird entweder ein Sieg Morenos oder Lassos prognostiziert. Angesichts der aufgeheizten Atmosphäre droht am Sonntag eine spannungsgeladene Wahlnacht. 

Wie sehr die jüngsten Ereignisse in Venezuela die Wahl beeinflussen, bleibt abzuwarten. Die Entmachtung des Parlaments in Caracas durch eine offenbar gelenkte Justiz spielt der Opposition in Quito ebenso in die Hände wie jüngst ein Einreiseverbot für Lilian Tintori. Die Ehefrau des inhaftierten venezolanischen Oppositionsführers Leopoldo Lopez wollte in Quito an einer Wahlkampfveranstaltung teilnehmen, wurde aber umgehend wieder abgeschoben, weil sie nur ein Touristenvisum vorweisen konnte. Das reiche für politische Aktivisten im Land nicht aus, stellte Ecuadors amtierender Präsident Rafael Correa öffentlich fest. "Diktatorische Züge!" konterte die Opposition.

Spannung nach dem ersten Urnengang 

Für Spannungen sorgte bereits die schleppende Stimmenauszählung nach dem ersten Urnengang am 19. Februar, um festzustellen, ob eine Stichwahl zwischen dem linksgerichteten Regierungskandidaten und bisherigen Vizepräsidenten, Lenin Moreno Garces (64), und dem bürgerlich-konservativen Herausforderer, dem Banker Guillermo Lasso Garces (61), erforderlich ist. Lasso, der im ersten Wahlgang mit 29 Prozent der Stimmen hinter Moreno mit 39 Prozent lag, zweifelte das von der Wahlkommission veröffentlichte Ergebnis an und erhob Manipulationsvorwürfe, die sich allerdings nicht bestätigen sollten. Zum Misstrauen trugen seither aber auch die regierungsnahen staatlichen Medien bei, die im Februar einen recht klaren Sieg Morenos im ersten Durchgang vermeldet hatten. Auch dies sollte sich nicht bestätigen. Tagelang belagerten Lasso-Anhänger die Wahlbehörde. Ein Szenario, das sich nach der Stichwahl nicht wiederholen soll.

Der Wahlakt, zu dem die 12,8 Millionen Stimmberechtigten am 2. April erneut an die Urnen gerufen sind, solle ein ziviler, pazifistischer und respektvoller Urnengang sein, heißt es in einer Stellungnahme der Ecuadorianischen Bischofskonferenz (CEE). !Wir rufen dazu auf, die Werte des Friedens, des Dialogs und des Respekts zu achten", schrieben die Bischöfe des südamerikanischen Landes. Ob das wirkt, ist eine andere Frage.

Wie ernst die Kirche die Lage sieht, ließ sich auch daran ablesen, dass der Episkopats-Vorsitzende, Erzbischof Fausto Travez Travez (Quito), eigens zu einem Informationsaustausch mit dem Leiter der Wahlaufsicht, Juan Pablo Pozo, zusammentraf. Travez begrüßte die Initiative der Wahlbehörde, mit allen Gruppen der Gesellschaft in den Dialog zu treten, um mögliche Unklarheiten bei der Stichwahl zu klären. Die Kirche will weiter alles versuchen, um mäßigend auf die beiden politischen Lager einzuwirken.

Tobias Käufer
(KNA)

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