Kölner Dom
Fernsehsender Arti TV startet in Köln

18.03.2017

Erdogan-Gegner eröffnen Sender in Köln Paroli bieten

In Köln hat der oppositionelle türkische Fernsehsender Arti TV den Betrieb aufgenommen. Der Sender wolle unabhängig und objektiv über die Entwicklungen in der Türkei berichten.

Es ist ein deutliches Zeichen: Der Fernsehsender Arti TV will der Unterdrückung der Pressefreiheit unter Präsident Recep Tayyip Erdogan Paroli bieten, sagte Chefredakteur Celal Baslangic bei der Eröffnungsfeier am Freitag. Künftig wird Arti TV, türkisch für "Plus TV", mehrere Stunden am Tag mit Beiträgen, Interviews und Diskussionsrunden über das politische und gesellschaftliche Leben in der Türkei informieren.

Zum Autorenteam des Senders gehören mehrere Dutzend regierungskritische Journalisten. Sie sind zum Teil im Zuge der Repressionsmaßnahmen der Erdogan-Regierung nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli aus der Türkei emigriert, teils leben sie bereits seit langem in Europa.

Erdogan-Sieg verhindern

Wichtigstes Ziel sei zunächst, durch politische Aufklärung einen Sieg des Erdogan-Lagers beim Referendum am 16. April zu verhindern, hieß es aus den Reihen der Medienschaffenden. Erdogan strebt bei dem Plebiszit die Zustimmung zu einem autoritären Präsidialsystem an, das ihm und seiner Partei AKP noch mehr Macht zusichert.

In der Türkei sei freie Pressearbeit nicht mehr möglich, betonten Journalisten von Arti TV. Weit über 100 kritische Journalisten säßen inzwischen im Gefängnis. Rund 150 Medien seien nach dem Putschversuch von der Regierung geschlossen worden.

Köln ist guter Standort

Im Kölner Stadtteil Dellbrück hat der Sender Räume vom alevitischen Sender TV 10 gemietet, der inzwischen in der Türkei verboten ist. Die Rheinmetropole sei überdies als Zentrum des türkischen Lebens in Deutschland und Europa ein guter Standort für die Arbeit des Senders, hieß es bei der Eröffnung am Freitag.

Finanziert wird Arti TV derzeit von der in den Niederlanden ansässigen Stiftung Arti Media. Das Jahresbudget beläuft sich den Angaben zufolge auf 70.000 bis 100.000 Euro. Mittelfristig hoffen die Verantwortlichen des Senders auch auf Unterstützung durch die Öffentliche Hand in Deutschland.

(KNA)

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