Sozialbischof Franz-Josef Overbeck
Sozialbischof Franz-Josef Overbeck

07.03.2017

Bischof Overbeck wirbt für Austausch auch mit der AfD "Diskurs durchaus strittigster Art"

Der katholische Sozialbischof Franz-Josef Overbeck kritisiert ein schwindendes Vertrauen in die freien Medien. In Sachen AfD fordert er eine sachliche Auseinandersetzung mit der Partei - auch von kirchlicher Seite.

Die Medien bildeten sie eine Voraussetzung für die Demokratie, sagte Sozialbischof Overbeck am Dienstag bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe in Bergisch Gladbach. Zugleich äußerte er sein Unverständnis darüber, dass viele Menschen "lieber ausländischer Propaganda und gefälschten und erfundenen Meldungen im Internet Glauben schenken".

Auch das Vertrauen in die demokratisch gewählten Institutionen nehme ab, beklagte der Vorsitzende der Sozialkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Grund sei, dass die Verfahren in der repräsentativen Demokratie immer komplexer würden. "Es bleibt also nichts anderes übrig, als immer wieder zu erklären, zu erläutern und zu werben", sagte Overbeck bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe.

Kaum noch Austausch untereinander

Der Mainzer Sozialethiker Gerhard Kruip sieht eine problematische Entwicklung des Mediensystems. Wegen neuer Technologien splitterten sich die Kommunikationsräume auf, zwischen denen kaum noch ein Austausch stattfinde. Dadurch zögen sich immer mehr Menschen "in den Echoraum vielfältiger Selbstbestätigungen" zurück. "Fake News", also gefälschte Nachrichten, hätten da leichtes Spiel, für wahr gehalten zu werden. Zugleich wischten viele Menschen tatsächliche Fakten, die ihre eigene Meinung infrage stellen, überschnell als vermeintliche «Fake News» vom Tisch und diffamierten die Medien pauschal als "Lügenpresse".

Auch Parteien und Verbände griffen immer stärker zu problematischen Kommunikationsstrategien, so Kruip. Dadurch komme ein verhängnisvoller Teufelskreis in Gang. Viele seien sich über diese Mechanismen des Mediensystems nicht genügend im Klaren "und nehmen die damit einhergehende Verzerrung der Wirklichkeit kaum wahr".

Auch der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, äußerte sich mit großer Sorge über eine von ihm beobachtete Verrohung der Sprache. Sie gehe mit einem Anstieg der Gewaltbereitschaft einher. Inzwischen gebe es eine Schärfe in der gesellschaftlichen Debatte und eine Polarisierung, "wie wir sie schon lange nicht mehr gekannt haben". Diffamierungen, Abwertungen und das Ignorieren von Fakten würden zunehmend gesellschaftsfähig, kritisierte der Caritas-Präsident.

Overbeck: Kirchliche Soziallehre wichtig für Wahlentscheidung

Bischof Overbeck befürwortet eine sachliche und kritische Auseinandersetzung mit der AfD. Die Kirche rede ja auch mit anderen Parteien, sagte er in Bergisch Gladbach. Bei der Afd könne es allerdings ein "Diskurs durchaus strittigster Art" werden. Die Kirche müsse dabei mit Vernunftargumenten ins Gespräch gehen und auf der Anerkennung der Menschenwürde und anderer Werte bestehen. Wer etwa anderen Menschen die Würde nicht zugestehe, überschreite eine Linie, die die Kirche nicht akzeptieren dürfe.

Auf die Frage, wie er das Parteiprogramm der AfD aus christlicher Sicht beurteile, sagte Overbeck, jeder Christ müsse selbst klare Kriterien bei seiner Wahlentscheidung anwenden. Dazu gehöre neben den christlichen Werten auch die kirchliche Soziallehre. Bischöfe könnten und sollten hier aber keine Vorschriften machen. Im politischen Raum könne die Kirche nicht mit Glaubensargumenten kommen, sondern müsse jene Vernunftargumente ins Feld führen, die allen zugänglich seien.

Neher: Gegen das 'Gift der einfachen Lösung'

Angesichts von Globalisierung und Digitalisierung gebe es "eine neue Sehnsucht nach einer abgeschlossenen Heimat", sagte Overbeck. Als weltweit aufgestellte Organisation bestehe die Kirche aber auf einem "Heimatbegriff, der sich der Perspektive auf die Welt nicht verschließt".

Der Präsident des Deutschen Caritasverbands, Peter Neher, warnte davor, potenzielle Wähler der AfD pauschal "mit dem Stigma des Nicht-Christlichen zu versehen". Zugleich müssten Kirche und Caritas immer an der Seite der Schwachen stehen und sich dem "Gift der einfachen Lösung" der Populisten widersetzen.

(KNA)

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