Die Taube - Symbol des Friedens
Die Taube - Symbol des Friedens

28.01.2017

Experten diskutieren über den Umgang mit Terrorgruppen Pazifismus als kleineres Übel?

Viele Menschen fragen sich derzeit, was sich gegen Konflikte, Bürgerkriege und Terror tun lässt. Auch unter Fachleuten gibt es keine leichten Antworten.

Willy Brandt, Mahatma Gandhi, Nelson Mandela - es sind große Namen, die Thomas Carl Schwoerer als Vorbilder nennt. "An solchen Politikern fehlt es heute", kritisiert der Buchautor. Die Genannten vereine, dass sie aktive Friedenspolitik gestaltet hätten - und das erfolgreich. Bei den heutigen Herausforderungen durch den internationalen Terrorismus fehlten vergleichbare Bemühungen bislang, sagte Schwoerer am Freitagabend in Bonn.

Die Zeitschrift "Wissenschaft und Frieden" und das Internationale Konversionszentrum Bonn (BICC) hatten zur Diskussion geladen über "Friedensverhandlungen - auch mit dem sogenannten IS und anderen Dschihadisten?" Neben Schwoerer auf dem Podium saß Friedensforscher Jochen Hippler, durch den Abend führte Entwicklungsforscherin Katja Mielke vom BICC. Ob es möglich sei, Frieden zu schaffen, ohne mit allen Akteuren zu verhandeln - so formulierte sie die zentrale Frage.

Reden über den Frieden

Schwoerers Antwort ist ein klares Nein. Sein Pazifismus sei keine Politik des Zuschauens, betonte er. Und ebenso wenig sei Friedenspolitik frei von moralischen Dilemmata. Sie sei aber das geringere Übel als das Inkaufnehmen von unzähligen Toten. "Es müssen nicht 50 Jahre mit Hunderttausenden Toten vergehen wie in Kolumbien, bevor man Verhandlungen aufnimmt", so der Verleger. In dem südamerikanischen Land hatten sich die Regierung und die linksgerichtete Guerilla-Organisation FARC im vergangenen Herbst nach mehrjährigen Verhandlungen auf ein Friedensabkommen geeinigt.

Bislang erscheine es angesichts der Gräueltaten der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kaum vorstellbar, mit deren Vertretern an einem Tisch zu sitzen, hatte Mielke eingangs zu bedenken gegeben.

Diplomatie als Schlüssel?

Dies sei lange auch für die FARC, die Taliban oder die IRA zutreffend gewesen, argumentiert Schwoerer - doch letztlich hätten Gespräche eben doch geholfen. In seinem Buch "Mit dem IS verhandeln?" pocht der Experte zudem auf einen Stopp von Rüstungsexporten und einen Stabilisierungspakt für den Nahen Osten.

Ähnliche Forderungen stellen kirchennahe Hilfswerke; Papst Franziskus hat sich bereits in mehreren Konflikten in Lateinamerika diplomatisch eingeschaltet. Die evangelische Theologin Margot Käßmann bescheinigte Schwoerer unlängst, er zeige, "dass Friedenspolitik und politischer Pazifismus weitaus realistischer sind als 'Realpolitik'."

Friedensforscher zwiefelt an den üblichen Methoden

Friedensforscher Hippler von der Universität Duisburg-Essen wies indes darauf hin, dass Gespräche - ähnlich wie Militäreinsätze - kein Allheilmittel sein könnten. Es brauche eine konkrete Analyse und eine klare Zielsetzung, damit Verhandlungen erfolgreich sein könnten. Dass Begriffe wie "Dschihadisten" und "Terroristen" oftmals synonym benutzt würden, zeige bereits die Unschärfe des Problems, so der Wissenschaftler. Auch die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis des IS sei zentral: "Er ist nicht so stark, weil die Leute so fromm wären", meint Hippler. Vielmehr hätten die Terroristen das politische Vakuum im Irak für sich genutzt.

Dieses Vakuum würde gestärkt, wenn der IS wie ein demokratischer Staat als Verhandlungspartner aufgewertet würde, warnte Hippler. Solche Verhandlungen würden zudem an der irakischen Bevölkerung vorbeigehen, in der die Miliz rapide an Unterstützung verliere. Auch könnte ein "innerdschihadistischer Bürgerkrieg" drohen, wenn andere islamistische Gruppierungen wie Al Nusra sich gegenüber dem IS zurückgesetzt fühlten.

Paula Konersmann
(KNA)

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