Der ehemalige südafrikanische Präsident und Nobelpreisträger Nelson Mandela.
Der ehemalige südafrikanische Präsident und Nobelpreisträger Nelson Mandela.
Eine undatierte Aufnahme zeigt die Vorderseite der Medaille des Friedensnobelpreises. Entworfen 1902 vom norwegischen Künstler Gustav Vigeland.
Eine undatierte Aufnahme zeigt die Vorderseite der Medaille des Friedensnobelpreises. Entworfen 1902 vom norwegischen Künstler Gustav Vigeland.

25.01.2017

Autor Cruywagen über die religiöse Seite des Nobelpreisträgers Nelson Mandela "Ich hätte wissen müssen, er war ein Christ!"

Mit Südafrikas erstem demokratisch gewählten Präsidenten Nelson Mandela verband ihn eine enge Freundschaft. Im Interview spricht Dennis Cruywagen über die religiöse Seite des Friedensnobelpreisträgers.

KNA: Wie hat Mandelas Glaube sein Leben beeinflusst?

Dennis Cruywagen (früherer Sprecher der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress  (ANC)): Auf ungemeine Weise. Die Methodisten begannen ihre Missionarsarbeit bei der Volksgruppe der Xhosa, die bald zu ihrer größten Gemeinde heranwuchs. Der Besuch einer Methodistenschule veränderte Mandelas Leben grundlegend - und darüber hinaus ganz Südafrika. Denn davor dachte Mandela, aus ihm würde ein großartiger Fechter werden. Genau das wäre sein Schicksal gewesen, wäre er kein Methodist geworden: ein Stockkämpfer, der Ziegen und Schafe hütet.

KNA: Weshalb erwähnte er dann während seiner Präsidentschaft mit keinem Wort seine Religionszugehörigkeit?

Cruywagen: Er handelte in dem Bewusstsein, dass das Apartheid-Regime vorgab, als Christen zu handeln – ihre Politik jedoch alles andere als christlich war. Mandela bevorzugte indes, an seinen Taten und seinem Führungsstil gemessen zu werden. Zudem wollte er die Südafrikaner einen – ganz gleich, ob sie Atheisten, Muslime oder Juden waren. Mandela wollte der Präsident aller sein.

KNA: Ein rein weltlicher Politiker also?

Cruywagen: Nicht ganz. Während seiner politischen Gefangenschaft auf Robben Island war Mandela von Hindus, Muslimen, Christen und Agnostikern umgeben. Er spornte seine Mitgefangenen an, die Gottesdienste der anderen Religionen zu besuchen, sodass sie über andere Religionen lernen konnten. Das war jene Zeit, in der er erkannte, dass Religion ein sehr persönliches Thema ist und oft zwischen den Menschen steht. Er wollte über diesem potenziellen Konflikt stehen und empfand es als wichtiger, Einigkeit zu verbreiten.

KNA: Die niederländisch-reformierte Kirche hatte das weiße Minderheitsregime und die Rassentrennung unterstützt. Hegte Mandela Groll gegen die Kirche?

Cruywagen: Nein, Mandela ging auf alle Leute zu. Nach seiner Befreiung scheute er keine Mühen, auch die Nähe der niederländisch-reformierten Kirche zu suchen. Als sie anlässlich der Eröffnung des ersten demokratischen Parlaments einen Gottesdienst feierte, nahm Mandela die Einladung an und besuchte ihn. Zudem begrüßte er, dass auch die niederländisch-reformierte Kirche ihre Priester nach Robben Island zu den Gefangenen schickte.

KNA: Die aktuelle Regierung nutzt religiöse Themen, um Wähler zu gewinnen. Präsident Jacob Zuma sagte, der ANC werde regieren, bis Jesus zurück auf die Erde kommt. Was halten Sie davon?

Cruywagen: Wähler sollten sich für die Partei entscheiden, die ihnen am meisten bietet - ohne dabei von religiöser Rhetorik abgelenkt zu werden. Politiker, die mit religiösen Werten argumentieren, sollten auch danach leben. Ich persönlich ziehe das Mandela-Modell vor, bei dem die Leute am Ende sagen: Ich hätte wissen müssen, er war ein Christ!

KNA: Präsident Zuma forderte kürzlich, Kirchen sollten sich nicht in die Politik einmischen. Richtig so?

Cruywagen: Kirchen sollten sich nicht aus der Politik raushalten. Unter anderem dafür gibt es sie ja. Christen und Vertreter anderer Religionen müssen ihre Stimmen erheben und für die Leidenden und Armen einstehen. Sie sollten betonen, dass Gott nicht will, dass Menschen in Hunger und Armut leben. Und sie sollten die Regierung zur Verantwortung ziehen. Wer, wenn nicht die Glaubensvertreter, sollte für die Armen sprechen?

Markus Schönherr
(KNA)

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