Zentralrat der Muslime lobt Kölner Polizei

"Großartige Arbeit"

Polizei und Rettungskräfte hätten in der Silvesternacht "großartige Arbeit" geleistet, Empörungsdebatten seien nicht angemessen, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek.

Aiman Mazyek bei einer Veranstaltung in Berlin / © Alexander Heinl (dpa)
Aiman Mazyek bei einer Veranstaltung in Berlin / © Alexander Heinl ( dpa )

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hat den Vorwurf des "Racial Profiling" in Bezug auf das Vorgehen der Kölner Polizei in der Silvesternacht zurückgewiesen. "Die Polizei hat selbst existenzielles Interesse daran, diskriminierungsfreie Arbeit zu leisten. Die Tatsache, dass wir in Köln eine Vorgeschichte hatten, rechtfertigt das Aufgebot und die massiven Kontrollen", sagte Mazyek der "Welt" (Mittwoch). Der Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit greife deshalb nicht. Polizei und Rettungskräfte hätten in der Silvesternacht "großartige Arbeit" geleistet. Schrille Empörungsdebatten seien jetzt nicht angemessen.

Deutliche Kritik äußerte Mazyek hingegen an dem von der Polizei verwendeten Begriff "Nafri". "Der Begriff verbindet Nordafrikaner und Kriminalität. Dieser direkte Kontext erfüllt den Tatbestand des Rassismus. Es ist wichtig, dass die Kölner Polizei sich davon distanziert hat", sagte Mazyek. In jeder Behörde und jeder Institution gebe es einen bestimmten Prozentsatz von Menschen, der einen Hang zu Vorurteilen und auch Rassismus habe, so Mazyek weiter. "Aber deshalb von institutionellem Rassismus zu sprechen, wäre falsch."

Feindseligkeit nimmt zu

Zugleich beklagte Mazyek eine "zunehmende Feindseligkeit" gegenüber Muslimen. "Frauen mit Kopftuch werden bespuckt, beleidigt, drangsaliert", sagte er der "Welt" (Mittwoch). Dies sei schon nach den Terroranschlägen von Paris und Nizza zu spüren gewesen und nehme nun noch weiter zu. Der Diskurs habe sich immer weiter verschärft.

Viele Trittbrettfahrer, Rechtsextremisten und Populisten versuchten jetzt, auf Kosten des Zusammenhaltes der Gesellschaft "ihren Schnitt zu machen", so Mazyek weiter. Es gebe aber keine Alternative dazu, gerade in dieser Situation zusammenzustehen und sich nicht auseinanderdividieren zu lassen. "Wir sollten nicht das Geschäft der Terroristen betreiben, die genau das erreichen wollen. Wir sind deutsche Muslime, wir sind stolz auf unser Land, wir haben Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Die gilt es zu verteidigen."

Herausforderungen für Moscheegemeinden

Gleichzeitig müssten im Bereich Repression und Prävention knallharte Fragen gestellt werden - auch auf muslimischer Seite. "Wir haben als Zentralrat mit professioneller Präventionsarbeit in den Moscheegemeinden spät angefangen. Nicht aus mangelnder Einsicht, sondern weil uns schlicht die Mittel dazu fehlten", sagte Mazyek. Hier müsse sich noch etwas ändern.

Der starke Zuzug von Flüchtlingen sei auch für die Moscheegemeinden eine Herausforderung, räumte Mazyek ein. "Wir werden viele Debatten führen müssen, die wir längst überwunden glaubten, zu Integration, Verständnis und Aufklärung, Freiheit." Der Großteil der neuen Gemeindemitglieder komme aus Syrien und dem Irak, meist mit religiös gemäßigtem Hintergrund. "Aber die Menschen sind nicht in einem demokratischen Rechtsstaat, sondern in Diktaturen sozialisiert worden. Das kriegt man nicht so schnell aus dem Kopf."


Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime / © Alexander Heinl (dpa)
Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime / © Alexander Heinl ( dpa )
Quelle:
KNA