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Joachim Frank
Joachim Frank

13.12.2016

GKP-Vorsitzender Frank ruft Kirchen zu medienethischer Erziehung auf Sensibilisieren gegen Fake-News

So genannte Fake-News bringen falsche Zitate in Umlauf und sollen dem vermeintlichen Zitatgeber schaden. Joachim Frank, Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands, ruft dazu auf, genauer hinzuschauen.

domradio.de: Anlass für die Debatte war ein Zitat von der Grünen-Politikerin Renate Künast, das in Umlauf gekommen ist. Wie schädlich ist so eine Nachricht?

Joachim Frank (Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands): Die kann natürlich total schädlich sein. Im Fall von Frau Künast, würde ich sagen, ist das Perfide daran, dass es gar nicht so unplausibel war. Sie hätte gesagt haben können, wir müssten uns weiter um Flüchtlinge bzw. um diesen einen Flüchtling kümmern. Natürlich muss man sich im deutschen Rechtssystem auch um den Täter kümmern. Von daher hätte sie das durchaus sagen können. In dem Kontext, in dem es stand, war es dann aber Wasser auf die Mühlen derer, die sagen: "Da sind diese besinnungslosen Gutmenschen!"

domradio.de: Hier war es jetzt ein Zitat, das hätte so lauten können. Jetzt gibt es schon Meldungen, dass sogar die Bundestagswahl durch diese Fakenews beeinflusst werden könnte. Wie schätzen Sie das ein?

Frank: Das halte ich für sehr plausibel. Wir haben in Amerika gesehen, was passiert ist: Wenn der künftige Präsident seinen eigenen Geheimdienst in den Senkel stellt und ihn für lächerlich erklärt, zeigt das im Umkehrschluss, dass eine gewisse Nervosität da ist. Sonst würde man als gewählter US-Präsident nicht so mit einem seiner wichtigsten Instrumente, der CIA, umgehen. Dass da eine Einflussnahme stattgefunden hat, ist, glaube ich, unbestritten. Wo es dann herkommt, darüber kann man jetzt lange spekulieren.

Es gab ja schon vor ein, zwei Jahren diese Nachrichten und Überlegungen, dass ganz gezielt von Russland aus zum Beispiel Foren geschwemmt werden. Als es in der Ukraine-Krise darum ging, die Deutungshoheit zu bekommen, darüber haben wir lang und breit berichtet und darüber nachgedacht, ob vielleicht von Moskau aus bestimmte Leserbrief-Schreiber animiert und sogar bezahlt werden. Dafür gab es in Moskau sogar ein Büro, das sich deutsche Journalisten angesehen haben. Dort haben sie nichts anderes getan, als Leserbriefe zu schreiben und damit Meinungen zu beeinflussen.

domradio.de: Wie können wir das denn händeln? Gerade in den sozialen Netzwerken wird ein Satz geschrieben und viele Menschen hinterfragen ihn gar nicht mehr oder lesen nicht den zugehörigen Artikel. Bei dem Zitat von Frau Künast wurde die Süddeutsche Zeitung als Quelle angegeben. Aber ich glaube, angeklickt oder die Quelle überprüft, hat niemand. Wie können wir Menschen dafür sensibilisieren?

Frank: Sensibilisieren ist das richtige Stichwort. Man kann nur sensibilisieren. Die Methode besteht darin, einen Kontext, einen Rahmen zu nehmen, in dem etwas als wahrscheinlich erscheint und einem nicht seltsam vorkommt. Es ist keine Verschwörungstheorie, es ist nicht völlig abgedreht. Es steht in einem Kontext, der durch eine seriöse Quelle – wie jetzt die Süddeutsche – abgesichert ist, aber dann verfälscht wurde. Das jeweils herauszufinden ist natürlich total kompliziert. Es hilft zunächst nur Quellenprüfung, Quellenprüfung, Quellenprüfung – an sich das klassische journalistische Handwerk. Nur wissen wir alle, dass wir im Online-Zeitalter sind. Alles muss schnell gehen, die Ressourcen sind begrenzt. Es findet eine doppelte Verschlechterung statt, weil die Möglichkeiten online so viel einfacher und die Prüfungsmöglichkeiten so viel schwieriger geworden sind.

domradio.de: "Prüfen, Prüfen, Prüfen" ist theoretisch das Handwerk von Journalisten. Aber es gibt ja auch "Kürzen, Kürzen, Kürzen". Immer mehr Journalisten werden schnell ausgebildet und in den Markt geworfen und beherrschen das Handwerk nicht mehr.

Frank: Ja, das ist ein Problem. Ein zweites Problem ist, dass es früher, in der klassischen Zeit des Journalismus, auch Leute gab, die für bestimmte Themen und Fächer kompetent waren. Man kann als jemand, der sich in einem Fach auskennt, unter Umständen schon erkennen, ob etwas Sinn ergibt oder ob einem da irgendetwas komisch vorkommt. Das kann man sehr viel leichter sehen, wenn man sich irgendwo auskennt. Als Generalist wird man täglich mit 20, 30 Themen konfrontiert. Da erscheint es einem nicht als besonders unplausibel oder nicht möglich. An der Stelle ist es schwierig. Ich glaube, dass wir tatsächlich sensibilisieren müssen und auch als Journalisten selber unser Publikum sensibilisieren müssen. Eine Euphorie, die eine Zeit lang da war, muss gedämpft werden und man muss genau hinschauen. Bei den ganzen Leaks-Geschichten ist das der Fall. Wie begeistert waren wir alle über die Leaks von "Wikileaks", von Assange und Snowden. Jetzt sehen wir, dass genau diese Plattformen auch dafür geeignet sind, irgendeinen Mist darauf zu fluten. Als Journalisten hatten wir früher die sogenannte "Gatekeeper"-Funktion. Wir saßen als Schleusenwärter an der Stelle, die entschieden hat, was durch diese Nachrichten-Schleuse ans Publikum kommt oder nicht. Dann hat man gesagt: "Gut, dass die Journalisten diese Funktion nicht mehr haben. Jetzt ist alles frei!" Wir merken plötzlich, dass dieser Schleusenwärter eine ganz wichtige Funktion hat. Wenn man die Schleuse nämlich aufmacht, kommt es zur massenhaften Überflutung. Dann wird man zugeschwemmt und ertrinkt womöglich in dieser Situation oder muss zumindest schwer nach Luft schnappen.

domradio.de: … und man kann schlecht den Dreck herausfiltern. Sie sind Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands. Auch viele Bistümer und Pfarreien sind bei Facebook und anderen sozialen Medien unterwegs. Gibt es etwas, das die Kirche tun kann, um dem Phänomen "Fakenews" entgegen zu wirken?

Frank: Ich glaube, Medienerziehung, also medienethische Erziehung, ist ganz wichtig. Man muss noch einmal deutlich machen, was die Kirche an ethischen Standards verkündet oder dass uns als Katholiken und Christen ethische Standards wichtig sind. Man darf das nicht zu einer Geschichte erklären, die nur für Gutmenschen ist oder nur für Leute, die sonst nichts Besseres zu tun haben.

Das ist ganz existenziell und ganz entscheidend für das Überleben des Qualitätsjournalismus und damit auch für unsere demokratische Gesellschaft. Wie sollen wir uns vernünftig und seriös miteinander unterhalten, wenn keiner mehr weiß, was noch stimmt oder was man noch für bare Münze nehmen kann?

Das Interview führte Silvia Ochlast.
(dr)

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