Angriff auf deutsches Konsulat in Afghanistan
Angriff auf deutsches Konsulat in Afghanistan
Günter Burkhardt, Geschäftsführer Pro Asyl
Günter Burkhardt, Geschäftsführer Pro Asyl

11.11.2016

Nach Anschlag auf deutsches Konsulat in Afghanistan Pro Asyl fordert Abschiebestopp

Nach dem Anschlag auf das deutsche Konsulat in Masar-i-Sharif fordert Pro Asyl von der Bundesregierung, die Pläne zur Abschiebung von Afghanen zu stoppen. "Afghanistan ist nicht sicher. Wer abschiebt gefährdet Menschenleben."

Das sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt. Überall könnten die Taliban zuschlagen. Mehr als 3.500 verletzte und 1.600 tote Zivilisten im ersten Halbjahr 2016 sprächen eine deutliche Sprache. In 31 von 34 Provinzen finden laut Burkhart Kampfhandlungen statt. "Der gestrige Anschlag muss die Öffentlichkeit in Deutschland wachrüttelt.

Todesopfer und viele Verletzte

Nach der Explosion der vor dem Konsulat gegen 23.00 Uhr gezündeten Lastwagenbombe ist die Zahl der Toten bis Freitagmorgen auf mindestens sechs angestiegen. Der Chef des Zivilkrankenhauses der Stadt, Nur Mohammed Fais, sagte, bisher seien fünf Leichen in das Krankenhaus eingeliefert worden. Nach Polizeiangaben war auch ein Attentäter ums Leben gekommen, als er vor dem Konsulat die Bombe zündete. Mehr als 120 Menschen sind nach Klinikangaben bei der massiven Explosion verletzt worden.

Alle deutschen Mitarbeiter des Konsulats sind laut einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes "sicher und unverletzt". Der renommierte afghanische Journalist Bilal Sarwary berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, sie seien in das von der Bundeswehr geführte, etwa zehn Kilometer entfernte Militärlager Camp Marmal gebracht worden. Im Generalkonsulat arbeiten etwa zwei Dutzend deutsche Mitarbeiter.

Anfang Oktober hatten die EU und Afghanistan ein Rücknahmeabkommen vereinbart, das die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber vereinfachen soll. In den vergangenen Jahren hatte es einen faktischen Abschiebestopp für Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland gegeben.

Keine sicheren Gebiete

Es gebe in dem Land keine Gebiete, die auf Dauer sicher seien, betonte Burkhardt. Trotz verschärfter Lage am Hindukusch sei jedoch die Anerkennungsquote für afghanische Asylbewerber in Deutschland von etwa 80 Prozent im Jahr 2015 auf nunmehr unter 50 Prozent gesunken. Asylanträge von mehr als 10.000 Afghanen seien in diesem Jahr bereits abgelehnt worden - "und auf Ablehnungen sollen Abschiebungen folgen".

"Es ist unverantwortlich zu denken, man könne Abgeschobene auf dem Flughafen Kabul absetzen und dann von jeder Verantwortung, was mit ihnen geschieht, frei sein", sagte der Pro-Asyl-Geschäftsführer. Das Land zerfalle, die Zahl der Binnenvertriebenen habe im April bei 1,2 Millionen gelegen und werde nach UN-Angaben auf 1,6 Millionen steigen.

Taliban sehen deutsche Mitverantwortung an einem US-Luftangriff

Die Taliban begründen ihren tödlichen Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat im nordafghanischen Masar-i-Scharif mit einer deutschen Mitverantwortung an einem US-Luftangriff mit vielen Opfern. Das sagte der Deutschen Presse-Agentur am Freitagmorgen der Sprecher der Taliban, Sabiullah Mudschahid. Deutschland sei an einem Luftangriff in der nordafghanischen Provinz Kundus beteiligt gewesen, bei dem in der Nacht des 3. Novembers mehr als 30 Zivilisten ums Leben gekommen waren. Die Deutschen hätten den US-Streitkräften die notwendigen nachrichtendienstlichen Informationen zukommen lassen. Deshalb sei in der Nacht das Generalkonsulat angegriffen worden.

Unklar ist noch, wieviele Talibankämpfer an dem Angriff beteiligt waren. Der Polizeichef der Stadt, Saied Sadat, sagte, am Morgen sei gegen 6.00 Uhr ein zweiter Attentäter entdeckt und festgenommen worden. Er sei unter Schutt begraben gewesen oder habe sich dort versteckt. In der Nacht hatte er von einem Angreifer gesprochen. In der Mitteilung des Auswärtigen Antes war die Rede von mehreren "schwer bewaffneten Angreifern", die "vom Sicherheitspersonal des ‎Generalkonsulats, von afghanischen Sicherheitskräften und Sondereinsatzkräften von ‎‎"Resolute Support" zurückgeschlagen worden" seien.

"Rache" für Luftangriff in Kundus

In der Nacht hatten die Taliban eine Stellungnahme veröffentlicht, wonach der Angriff auf das Konsulat "Rache" für den Luftangriff in Kundus war. Deutschland wurde als "Invasorenland" bezeichnet. Nach Auskunft der Bundesregierung war die Bundeswehr am fraglichen Luftangriff aber nicht beteiligt. Der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, General Charles Cleveland, hatte der dpa nach dem Angriff per E-Mail bestätigt, dass die USA einen Luftangriff zum Schutz einer unter Beschuss geratenenen afghanisch-amerikanischen Bodenoffensive ausgeführt hatten.

Der Talibansprecher sagte am Morgen: "Wieso sollten wir die Deutschen nicht angreifen? Deutschland war direkt beteiligt an dem Luftschlag, der Zivilisten das Leben gekostet hat. Dieser Luftangriff basierte auf nachrichtendienstlichen Informationen, die deutsche Soldaten den US-Truppen gegeben haben. Jeder weiß, dass sie noch ein Lager in Nordafghanistan haben. Deutsche Soldaten sind noch immer dort."

(epd, dpa, DR)

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