Anschlag in der Türkei: vermutlich mehr als 30 Tote
Anschlag in der Türkei: vermutlich mehr als 30 Tote
Trauer nach dem Anschlag in der Türkei
Trauer nach dem Anschlag in der Türkei
Angelus mit Papst Franziskus
Angelus mit Papst Franziskus
Bei einem Bombenattentat in der Türkei sind mindestens 50 Menschen getötet worden
Bei einem Bombenattentat in der Türkei sind mindestens 50 Menschen getötet worden

21.08.2016

Papst betet für dutzende Tote und Verletzte in Türkei Bombenanschlag auf Hochzeit

Einmal mehr wird das türkische Grenzgebiet zu Syrien von einem schweren Anschlag erschüttert. Ziel diesmal: ein Straßenfest in der Großstadt Gaziantep. Der Papst bat um Gebete für die Toten und Verletzten.

Papst Franziskus hat nach dem Attentat auf eine Hochzeitsfeier im Südosten der Türkei erneut zum Frieden aufgerufen. "Ich habe die traurige Nachricht des blutigen Attentats erhalten, das gestern die geliebte Türkei getroffen hat", leitete Franziskus seine spontanen Worte nach dem Angelus-Gebet am Sonntag auf dem Petersplatz ein. Der Papst bat um Gebete für die Toten und Verletzten und sagte: "Bitten wir um das Geschenk des Friedens für alle."

Ein Bombenanschlag mit Dutzenden Opfern hat aus einer fröhlichen Hochzeitsfeier in der Türkei ein Blutbad gemacht. Bei der mutmaßlich von einem Selbstmordattentäter herbeigeführten Explosion in der südöstlichen Millionenstadt Gaziantep wurden nach Behördenangaben mindestens 30 Menschen getötet und fast 100 verletzt. Präsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte den "Terroranschlag" vom Samstagabend. Auch am Morgen danach war weiter unklar, wer ihn verübt hat.

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu explodierte der Sprengsatz inmitten einer Hochzeitsgesellschaft, die auf offener Straße im Beybahce-Viertel von Gaziantep feierte. Nach Angaben der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP handelte es sich um eine kurdische Hochzeit, unter den Todesopfern seien mehrere Kinder. In dem Stadtviertel leben dem Vernehmen nach vor allem Kurden.

Mit Handylicht nach Verletzten gesucht

Anadolu berichtete unter Berufung auf den Gouverneur von Gaziantep, es habe insgesamt 30 Tote und 94 Verletzte gegeben. Zahlreiche Krankenwagen rasten zum Anschlagsort. In sozialen Medien kursierten Videos, die chaotische Szenen zeigten. Menschen schalteten die Taschenlampenfunktion ihres Smartphones ein und irrten auf der Suche nach verletzten Freunden und Angehörigen umher. Am Boden lagen viele blutende Menschen.

Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Mehmet Simsek sprach von einem mutmaßlichen Selbstmordattentat. Auch der Sender NTV berichtete, die Attacke gehe wohl auf das Konto eines Selbstmordattentäters.

Ein Abgeordneter der Regierungspartei AKP, Samil Tayyar, äußerte laut der Nachrichtenagentur Dogan die Vermutung, dass hinter dem Anschlag in Gaziantep am ehesten die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) stecken dürfte, die jenseits der nahen Grenze in Syrien weite Gebiete beherrscht. Der IS hat sich bislang noch zu keinem der ihm zugeschriebenen Anschläge in der Türkei bekannt.

Nachrichtenverbot nach Anschlag

Kurz nach dem Anschlag verhängte die Rundfunkbehörde ein teilweises Nachrichtenverbot, wie dies bei anderen Attentaten in der Vergangenheit auch schon der Fall gewesen war. Anadolu verbreitete indes eine Stellungnahme Erdogans, wonach die Täter das türkische Volk zu "provozieren versuchen", indem sie "ethnische und religiöse Empfindlichkeiten" für ihre Zwecke nutzten. Er mache dabei keinen Unterschied zwischen der kurdischen Untergrundorganisation PKK, der Bewegung des Islam-Predigers Fetullah Gülen und dem IS.

Auch die pro-kurdische HDP, die drittgrößte Partei im türkischen Parlament, reagierte entsetzt. "Wir verurteilen und verdammen diejenigen, die diese Attacke verübt haben, und die Kräfte und Ideologien hinter ihrem Handeln", hieß es in einer Stellungnahme.

Zusammenhang zu Syrien unklar

Die rund 1,5 Millionen Einwohner zählende Stadt Gaziantep liegt unweit der Grenze zum Bürgerkriegsland Syrien. Neben der PKK operiert im Südosten der Türkei auch die IS-Miliz, die dort schon mehrfach Anschläge verübt hat.

Unklar ist, ob zwischen dem Anschlag in Gaziantep und dem Bürgerkrieg in Syrien ein direkter Zusammenhang besteht. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) sind in Syrien der wichtigste Partner des Westens im Kampf gegen den IS und beherrschen Teile der Grenze zur Türkei.

(dpa, KNA)

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