Zekeriya Altuğ
Zekeriya Altuğ

03.08.2016

Islam-Verband Ditib wehrt sich gegen Kritik "Bashing von Muslimen" schadet Integration

Der Islam-Verband Ditib wehrt sich gegen Kritik, er sei zu stark von der türkischen Regierung beeinflusst. Diese Vorwürfe seien ein "Bashing von Muslimen" und schadeten deren Integration, so der Ditib-Sprecher Zekeriya Altug.

Diese Kritik bringe auch die Institutionalisierung des Islams in Deutschland in Gefahr. Durch das Verhalten mancher Politiker würden die Muslime genau dazu gedrängt, was man ihnen momentan unterstelle, "dass sie sich von Deutschland weiter entfremden," betonte der Ditib-Sprecher Altug gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Der Grünen-Politiker Volker Beck hatte am Dienstag kritisiert: "Wer mit Ditib kooperiert, kooperiert mit Ankara und nicht mit einer Religionsgemeinschaft in Deutschland". Altug wies dies als "absurde Unterstellung ohne Grundlage" zurück. Im Gegenteil: Die "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion" (Ditib) sei in verschiedenen Bundesländern über zehn Mal von unabhängigen Wissenschaftlern begutachtet worden. Diese Gutachten seien bis auf zwei auch im Namen von Landesregierungen erstellt worden.

Nötige Unabhängigkeit gewährleistet

Diese Untersuchungen bescheinigen der Ditib laut Altug alle den Status einer Religionsgemeinschaft und eine für den Religionsunterricht nötige Unabhängigkeit. "Auf Grund dieser Gutachten haben wir in den Bundesländern Hamburg und Bremen Staatsverträge abgeschlossen", fügte der promovierte Physiker Altug hinzu. In Hessen sei Ditib als Religionsgemeinschaft am Religionsunterricht beteiligt und in drei weiteren Bundesländern stünden Verhandlungen kurz vor dem Abschluss, "die auch auf Grund dieser Begutachtungen soweit gekommen sind".

"Es ist für uns nicht nachzuvollziehen, was sich am Verhalten der Ditib jetzt geändert haben soll", sagte Altug mit Blick auf den gescheiterten Putschversuch in der Türkei. Natürlich gebe es in den Ditib-Gemeinden Menschen, größtenteils türkischstämmige, die emotional eine Bindung zur Türkei haben und sich für türkische Themen interessierten. Es sei aber geradezu paradox, dass genau diese Menschen für ihr Einstehen für Demokratie bestraft werden sollen.

Keine Diskriminierungen

"Es geht hier weder um Parteipolitik, noch um Regierungstreue oder Präsidententreue, sondern es geht vor allem darum, dass diese Menschen, die aus ihrer eigenen Geschichte heraus eine sehr schlechte Erfahrung mit Militärputschen haben, sich für demokratische Werte einsetzen", sagte Altug. Die Ditib ihrerseits "hat dabei stets zu Ruhe und Entspannung aufgerufen und sofort erklärt, dass keine Menschen diskriminiert werden dürfen und die Moscheen weiterhin allen Gläubigen offen stehen".

Auch viele Türken, die dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kritisch gegenüberstünden, seien auf die Straße gegangen und hätten sich für Demokratie eingesetzt. Auch in den Ditib-Gemeinden fänden diese eine religiöse Heimat.

Stephan Cezanne

(epd)

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