Ostfeldzug der Wehrmacht
Ostfeldzug der Wehrmacht

22.06.2016

Gedenken und Warnungen vor Rückfall "Alte Feindbilder nicht neu beleben"

Bundespräsident Gauck hat an die sowjetischen Soldaten erinnert, die beim Überfall der Sowjetunion vor 75 Jahren ums Leben kamen. Die Kirchen warnen zum Jahrestag des Angriffs auf die Sowjetunion davor, in alte Denkmuster zu verfallen.

Das grauenhafte Schicksal der Kriegsgefangenen liege "in unserem Land bis heute noch weitgehend in einem Erinnerungsschatten", sagte Gauck, der sich derzeit auf einer Reise nach Rumänien, Bulgarien und Slowenien befindet. Zugleich betonte er am Mittwoch, dass die Völker der Sowjetunion einen "großen, unersetzlichen und unvergesslichen Anteil am Sieg über den Nationalsozialismus" gehabt hätten.

Der Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion mahne uns. Der Blick zurück solle auch daran erinnern, «wie kostbar die Antwort ist, die Europa auf Krieg und Vernichtung entwickelte». Die europäische Völkergemeinschaft beruhe auf der Zusammenarbeit von Gleichberechtigten.

Vor genau 75 Jahren, am 22. Juni 1941, hatte der Vernichtungsfeldzug durch die deutsche Wehrmacht gegen die Sowjetunion begonnen. Bis 1945 starben in deutschem Gewahrsam von etwa fünf Millionen sowjetischen Soldaten etwa 60 Prozent - fast drei Millionen Menschen. Schätzungen zufolge leben nur noch einige Hundert damalige Gefangene. Am heutigen Mittwoch debattiert der Bundestag über den Umgang mit den Opfern des Nationalsozialismus.

Steinmeier: Friede in Europa keine Selbstverständlichkeit

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) betonte in einem Beitrag für die russische Tageszeitung "Kommersant", dass der Friede in Europa keine Selbstverständlichkeit sei. "Wir stehen zusammen vor den großen Herausforderungen unserer Zeit, und wir werden nur zusammen stehen", so Steinmeier. Dazu gehöre der Umgang mit der riesigen Zahl von Flüchtlingen. Die Welt sei aus den Fugen geraten.

Es gebe Terrorismus, der "unsere Freiheit und unsere Art zu leben bedroht". Mitten in Europa, im Osten der Ukraine seien tagtäglich Tote und Verwundete zu beklagen. Die Folgen des Angriffskrieg auf die Sowjetunion seien "fürchterlich gewesen" und habe mehr als 25 Millionen Menschen ihr Leben gekostet.

Forderung nach "klaren, unmissverständlichen Worten"

Unterdessen forderten die Grünen die offizielle Anerkennung sowjetischer Kriegsgefangener als Opfer des NS-Regimes durch den Bundestag. In einem Brief an Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch) vorliegt, schreiben die Grünen-Abgeordneten Marieluise Beck und Volker Beck: "Die Zeit läuft ab, und es wäre beschämend und traurig, würde sich der Deutsche Bundestag weiter verweigern, das schwere Unrecht" anzuerkennen. "Dies wäre auch ein starkes Signal von deutscher Seite in dieser angespannten Zeit mit Putins Russland."

Im Nationalsozialismus hätten diese Gefangenen genauso wie die zivilen sowjetischen Zwangsarbeiter als "Untermenschen" gegolten. Im vergangenen Jahr wurde den noch lebenden Opfern der deutschen Gefangenschaft eine Hilfe von 2.500 Euro durch den Bundestag zugesagt. "Aber Geld ist das eine, klare unmissverständliche Worte sind das andere", so die Politiker.

Pax Christi: "Europa braucht Russland als Partner"

Die katholische Friedensbewegung Pax Christi warnte mit Blick auf den 75. Jahrestag des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion davor, "alte Feindbilder neu zu beleben und in Denkmuster von Stellvertreterkriegen des alten Ost-West-Konfliktes zurückzufallen". Pax Christi rief die EU zu einer Beendigung der Sanktionen gegen Russland auf. Europa, das "selbst auch in einer Krise steckt", brauche Russland als Partner, nicht als Gegner.

"So sehr die Besorgnisse Polens und der baltischen Republiken ernst zu nehmen und die Erfahrungen der sowjetischen Okkupationszeit 1939-1941 dort nicht vergessen sind, darf es nicht zu missverständlichen Entwicklungen kommen, die die Beziehungen zu Russland verschlechtern", erklärte Pax Christi bereits am Dienstag in Berlin. 

Feindbilder abbauen

Das europäische Bild Russlands sei beeinflusst von den aktuellen Konflikten in der Ukraine und dem völkerrechtswidrigen Anschluss der Krim an das russische Staatsgebiet. Die Initiative rief dazu auf, im Sinne einer neuen Entspannungspolitik wechselseitig die "jeweiligen Interessen und Perspektiven zu verstehen". Dieses Verstehen sei jedoch nicht gleichbedeutend mit Verständnis und Rechtfertigung.

Auch der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms, verwies auf Deutschlands historische Verantwortung. "Die Bundesregierung sollte das Gespräch mit Russland suchen und helfen, dass Feinbilder wieder abgebaut werden", erklärte Brahms. Der rheinische Oberkirchenrat Klaus Eberl sprach sich angesichts der politischen Spannungen zwischen Russland und dem Westen für eine Stärkung des zivilgesellschaftlichen Engagements aus.

(KNA, epd)

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