Am 24. April 1915 nahm der Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich seinen Anfang
Am 24. April 1915 nahm der Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich seinen Anfang

02.06.2016

Zentralrat der Armenier zur Bundestagsresolution "Viel mehr Verhärtung geht doch gar nicht"

Die verabschiedete Bundestagsresolution zum Völkermord an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten im Osmanischen Reich ist eine große Hilfe. Das sagt Jaklin Chatschadorian, Vorsitzende des Zentralrats der Armenier, im Interview.

Katholische Nachrichten-Agenur (KNA): Frau Chatschadorian, was nützt den in Deutschland lebenden Armeniern und den anderen Nachfahren der Opfer des Genozids der Bundestagsbeschluss?

Jaklin Chatschadorian (Vorsitzende des Zentralrats Armenier in Deutschland): Er nützt uns sehr, denn er schafft für uns einen geschützten Raum der Erinnerung, die wir mit uns tragen. Wir können endlich raus aus der Position der Rechtfertigung und können darauf verweisen, dass der Völkermord eine von Deutschland und vielen anderen Ländern anerkannte Tatsache ist. Uns ist die schwierige politische Lage wohl bewusst, in die der Entschluss fällt, gerade mit Blick auf die Türkei. Umso mehr begrüßen wir, dass der Bundestag den Mut hat, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen.

KNA: Aber verhärtet sich das Verhältnis zwischen Türken und Armeniern durch die ganze Debatte nicht noch mehr?

Chatschadorian: Viel mehr Verhärtung geht doch gar nicht. Schon das Wort Armenier ist in der Türkei eine Beleidigung; das Reden über den "Armenozid" kann sehr schnell zu einem Straftatbestand werden. Die Debatte schafft uns vielmehr größeren Schutz.

KNA: Bekommen Sie diese verhärtete Haltung auch in Deutschland zu spüren?

Chatschadorian: Nicht nur die türkische Regierung und ihre diplomatischen Vertreter sind dabei, Druck auf die Bundestagsabgeordneten auszuüben. Auch die unterschiedlichsten türkischen Organisationen und Vereine in Deutschland versuchen, die offizielle, nationalistische Leugnungspolitik in der türkischen Gemeinschaft in der Bundesrepublik durchzusetzen. Allerdings war die Beteiligung an der Demonstration gegen die Resolution am 28. Mai, zu der zahlreiche türkische Organisationen deutschlandweit aufgerufen hatten, ziemlich gering. Die Spitzenfunktionäre der Verbände repräsentieren also nur bedingt das Meinungsbild der türkischstämmigen Gemeinschaft.

KNA: Wie würden Sie denn das Verhältnis zwischen Armeniern und Türken in Deutschland beschreiben. Ist die Erinnerung an 1915 ein großes Problem?

Chatschadorian: Das ist ein riesiges Problem. Viele Armenier sind durch die Anwerbung von Gastarbeitern aus der Türkei seit den 60er Jahren nach Deutschland gekommen. Sie haben die Erfahrung aus der Türkei mitgebracht: Sei möglichst unsichtbar, klammere die Geschichte aus, denn sobald der Völkermord zum Thema wird, sind die Fronten verhärtet. Was nicht heißt, dass es keine Freundschaften und Gemeinsamkeiten gibt, gerade durch die Erfahrung, gemeinsam in einem fremden Land zu leben. Aber wir Armenier müssen einen Teil unserer Erinnerung ausklammern, der wesentlicher Teil unserer Identität und Familiengeschichte ist.

KNA: Inwieweit?

Chatschadorian: In jeder armenischen Gemeinde weltweit wird der 24. April, an dem 1915 der Völkermord an unseren Vorfahren begann, als Gedenktag begangen. Es gibt Gottesdienste und andere Veranstaltungen. Auch in unseren Familien spielt die Erinnerung an den Völkermord eine große Rolle.

KNA: Was erwartet Sie von Deutschland, zumal ja der Bundestag in seiner Resolution eine Mitschuld des Deutschen Reiches einräumt?

Chatschadorian: Wir hoffen insbesondere, dass der Völkermord an den Armeniern Teil des Schulunterrichts und der politischen Bildung wird. Das wäre ein wichtiger Schritt gegen den türkischen Rassismus. Dann würden auch türkischstämmige Schüler mit den Ereignissen konfrontiert und es könnte zu einem neuen Verhältnis zwischen Türken und Armeniern in der Bundesrepublik kommen. Wir erhoffen uns vom deutschen Staat auch eine besondere Fürsorge für die armenische, aramäische und pontos-griechische Gemeinschaft in Deutschland, die als Nachkommen der Überlebenden in ihrer Gemeinschaftsidentität gefährdet sind.

Christoph Arens

(KNA)

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