Kreuz im Regen
Kein "Schönwetter" zwischen Kirche und AfD

26.05.2016

Die Kirchen und das Kreuz mit der AfD Trübe Aussichten

Passen Gott und die AfD zusammen? Die Kirchen tun sich mit den Rechtspopulisten schwer, und das gilt auch umgekehrt. Der Dialog findet über die Medien statt, nun wird der Konflikt schärfer und der Ton zunehmend rauher.

Die AfD ist beim Katholikentag nicht vertreten - dennoch ist sie beim Christentreffen in Leipzig in aller Munde. Zunächst sorgte für Unruhe, dass die Veranstalter die Rechtspopulisten nicht wie andere Parteien zu den Diskussionsforen eingeladen hatten. Menschenverachtende Positionen hätten auf dem Katholikentag keinen Platz, hieß es zur Begründung. Am Donnerstag platzte nun eine neue AfD-Attacke aus dem fernen München herein: Ihr bayerischer Landesvorsitzender Petr Bystron hielt beiden Kirchen und deren Wohlfahrtsverbänden vor, mit der Flüchtlingshilfe Milliardengeschäfte zu machen und für den Aufbau und Betrieb von Flüchtlingsunterkünften "saftige Rechnungen" an den Staat zu schreiben.

DBK-Sprecher weist AfD-Kritik scharf zurück

Den Bischöfen platzte daraufhin der Kragen. Ihr Sprecher Matthias Kopp wies Bystrons Äußerungen ungewohnt undiplomatisch als durch nichts belegtes "Gequatsche" und "unreflektiertes Gerede" zurück, Berlins Erzbischof Heiner Koch sprach von einer Unverschämtheit. AfD-Vize Albrecht Glaser schloss sich den Worten seines Parteifreundes zwar nicht an und sagte: "Das würde ich so nicht formulieren." Dennoch stichelte er gegen die Kirchen: Diese seien beim Thema Flüchtlinge von einem "naiven Humanitarismus beseelt".

Der neue Clinch ist der vorläufige Höhepunkt eines Konflikts, der schon lange anhält. AfD-Politiker bis hin zur Vorsitzenden Frauke Petry machen seit Monaten Front gegen evangelische und katholische Kirche. Diese setzen sich für Religionsfreiheit und Flüchtlinge ein und stellen - angetrieben vom christlichen Gebot der Nächstenliebe - Hilfe für Menschen in Not, darunter viele Muslime, nicht in Frage.

Flüchtlingshilfe Gebot der Nächstenliebe

"Nicht die Würde der Deutschen ist unantastbar, sondern die Würde eines jeden Menschen", formulierte der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, gerade erst in Leipzig. "Das ist für Christen nicht verhandelbar." Kölns Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki mahnte beim Fronleichnams-Gottesdienst in der Domstadt weitere Hilfe für Flüchtlinge an: "Wer Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt, lässt Gott ertrinken."

AfD-Politiker begegnen dieser Haltung und Protestaktionen von Bischöfen, die etwa in Erfurt oder Köln bei AfD-Kundgebungen die Kirchenbeleuchtung ausschalten, mit harscher Kritik, Schmähungen, teils Beleidigungen. Petry nannte die Position der Kirchen in der Flüchtlingspolitik "verlogen": Sie kümmerten sich eher um Muslime als um ihre unterdrückten Glaubensbrüder. AfD-Vize Alexander Gauland warf den Kirchen in Sachen Flüchtlingspolitik den Versuch vor, "den Staat zu manipulieren". Und AfD-Rechtsaußen Björn Höcke wird in Medien mit den Worten zitiert, Funktionsträger in der Kirche seien "verrottet".

Die Gräben zwischen der AfD und den Kirchen scheinen immer tiefer zu werden, zumal Bischöfe auch klare Kante gegen Rechtspopulismus zeigen. Christen dürften Hetze und Rechtsextremismus nicht dulden, betonte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strom, jüngst mit Blick auf AfD- und Pegida-Demos. Wer dort mitlaufe, legitimiere Hetzparolen.

Kirchenvertreter wollen Gespräch suchen

Doch hier liegt auch das Problem. Denn die AfD, der vor allem im Osten viele Konfessionslose, aber durchaus auch Protestanten und Katholiken angehören, ist inzwischen durch den Wähler legitimiert. Sie sitzt in acht Landtagen und strebt im kommenden Jahr auch in den Bundestag. Mit einer Linie wie beim Katholikentag, nicht mit ihren Vertretern zu sprechen, bietet die Kirche da auch Angriffsfläche, die die AfD ausnutzt. "Ausgrenzung hat uns immer nur stärker gemacht", sagte AfD-Vize Gauland der neuen "Zeit"-Beilage "Christ und Welt".

"Wir müssen auf jeden Fall (...) das Gespräch suchen", meinte vor diesem Hintergrund denn auch Berlins Erzbischof Koch, der bis zum Vorjahr das Bistum Dresden-Meißen leitete. Indes: "Ich habe es schon in Dresden versucht, und das war nicht immer sehr erfolgreich."

Stefan Kruse
(dpa)

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