Hans Koschnick
Hans Koschnick

21.04.2016

Kirchen in Bremen würdigen Koschnicks Lebensleistung Überzeugter Christ und Brückenbauer

Die beiden großen Kirchen in Bremen haben mit Trauer auf den Tod des früheren Bremer Bürgermeisters Hans Koschnick reagiert. Koschnick war am Donnerstagmorgen im Alter von 87 Jahren gestorben.

Als "überzeugten Christen und Brückenbauer zwischen den Konfessionen" würdigte der Katholische Gemeindeverband den Verstorbenen. Koschnick habe sich stets für das friedliche Miteinander und für Versöhnung eingesetzt. Sprecherin Martina Höhns erinnerte an die Treffen in den 1960er und 1970er Jahren mit dem damaligen katholischen Propst August Sandtel. Diese hätten viel dazu beigetragen, dass sich die Katholiken in Bremen "aus ihrer Isolation herausbewegt" hätten. "Das Wirken von Hans Koschnick hat Spuren hinterlassen, die über seinen Tod hinaus sichtbar bleiben."

"Wir haben einen großen Bremer und einen überzeugten Christen verloren", sagte der Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche, Renke Brahms, am Donnerstag. Viele Jahre habe Koschnick eindrucksvoll die Stadt geprägt und sich auf nationaler und internationaler Ebene für den Frieden eingesetzt. "Wir verneigen uns vor seiner Lebensleistung."

Engagement für eine Aussöhnung zwischen Deutschen, Polen und Israel

Brahms erinnerte zudem an die "gelebte Ökumene" des Ehepaares Koschnick. Während Hans Koschnick sonntags die evangelische Stadtgemeinde "Unser Lieben Frauen" besucht habe, sei seine Frau Christine in die katholische Propsteikirche Sankt Johann gegangen. Am Mittagstisch habe sich das Ehepaar dann darüber ausgetauscht. "Verständigung und Brückenbau waren in allen Lebensbereichen sein Thema", so Brahms.

Als jüngster Regierungschef eines Bundeslandes hatte Koschnick 1967 mit 38 Jahren das Amt des Senatspräsidenten übernommen und war anschließend 18 Jahre lang Regierungschef in Bremen. Nach einer Zeit als Bundestagsabgeordneter war Koschnick von 1994 bis 1996 EU-Administrator für den Wiederaufbau der zerstörten und geteilten herzegowinischen Stadt Mostar und Bosnienbeauftragter der Bundesregierung.

Die Friedenssehnsucht Koschnicks habe ihre Wurzeln im eigenen Erlebten, sagte Brahms. Der Schrecken des Zweiten Weltkriegs habe den Sohn eines vor den Nazis geflüchteten Gewerkschaftlers unmittelbar geprägt. Sein Weg zur Bewältigung sei sein Engagement für eine Aussöhnung zwischen Deutschen, Polen und Israel gewesen, so Brahms.

(KNA, epd)

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