Die Linke in Sachsen fordert die Trennung von Staat und Kirche
Die Linke in Sachsen fordert die Trennung von Staat und Kirche
Christoph Pötzsch
Christoph Pötzsch

20.04.2016

Katholisches Büro sieht Forderung nach Trennung von Staat und Kirche gelassen "Erfüllt uns nicht mit Panik"

Die Trennung von Staat und Kirche - diese Forderung möchte die Linke in Sachsen auf dem Bundesparteitag im Mai einbringen. "Dieses Thema erfüllt uns nicht mit Panik", sagt Christoph Pötzsch. Man arbeite gut mit der Partei in Sachsen zusammen.

domradio.de: Als großes Beispielland, wo Staat und Kirche vollkommen voneinander getrennt sind, gilt Frankreich. Würden französische Verhältnisse auch Deutschland gut tun?

Christoph Pötzsch (Ordinariatsrat des Katholischen Büros Sachsen): Ich glaube nicht. Das hat natürlich alles seine Geschichte. Die französische Geschichte ist eine andere als die deutsche. Ich denke, dass das deutsche Staatskirchenrecht, das sich jetzt über die Jahrzehnte hinweg etabliert hat, eine Erfolgsgeschichte ist - nicht nur für Staat und Kirche, sondern auch für die Menschen. Da sollte man die Kirche im Dorf lassen.

domradio.de: Wie wäre es denn, wenn die Kirche vom Staat losgelöst wäre? Kann man sich das vorstellen?

Pötzsch: Die Begriffe sind ohnehin unklar. Losgelöst sind wir ja bereits. Kirche ist auf der Welt, ist aber nicht von dieser Welt. Kirche hat in diesem System immer einen Sonderstatus - und das ist gut. Das Staatskirchenrecht hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten sehr aufmerksam mit der Positionierung der Kirche in diesem System beschäftigt. Die Ergebnisse sind durchaus gut. Dass, was an Wertebildung durch die evangelischen, katholischen und andere Kirchen eingebracht wird, ist für die Gesellschaft wichtig. Jetzt den Ruf nach einer noch stärkeren Trennung zu stellen, ist etwas übereilt - gerade in einer Zeit, in der es auf Wertevermittlung ankommt. Der Staat selbst ist kein Wertgeber. Er ist in gutem Sinne auf die angewiesen, die das für den Staat tun können - und das sind wir.

domradio.de: Nun wächst die Zahl der Menschen in Deutschland, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören. Wäre da nicht auch die Loslösung des Staates von Religion zeitgemäß?

Pötzsch: Das, was jetzt die Linke im Bund und auch in Sachsen vorbringt, ist kein Thema, das uns mit Panik erfüllt. Solche Einschläge haben wir in regelmäßigen Abständen. Das hat auch die FDP geliefert, als sie noch im sächsischen Landtag vertreten war. Ich sage mal ganz frech: Wir haben die DDR überstanden, da werden wir so etwas auch überstehen. Wenn man mit einzelnen Leuten von den Linken redet, stellt man fest, dass das eine heterogene Gesellschaft ist. Man findet bei vielen von ihnen auch eine Grundsympathie für das, was wir für die Gesellschaft tun, was uns ja auch als Kirche und als Gläubige, die Kirchensteuer zahlen, eine Menge Geld kostet. Ich führe dann immer ein Totschlagsargument an: "Dann machen wir es in Zukunft so, dass ihr am 24., 25. und 26. Dezember arbeitet geht, während wir Christen feiern". Das tut dann weh.

domradio.de: Nun ist der Landesverband Sachsen nicht der einflussreichste Landesverband der Linken - Ende Mai will er den Antrag im Bundesparteitag einbringen. Welche Chancen hat der Vorstoß?

Pötzsch: Ich werde an dieser Stelle keine Prognosen abgeben, welche Ergebnisse ein Bundesparteitag der Linken hat. Ich beschäftige mich mit den Linken hier in Sachsen und da muss ich - für manche vielleicht überraschend - sagen, dass die Zusammenarbeit zwischen uns als katholischer Kirche und den Linken durchaus gut ist. Als Bischof Koch, der uns leider Richtung Berlin verlassen, noch bei uns war, da hat er völlig ungezwungen und zur Überraschung der Linken der gesamten Fraktion einen Besuch abgestattet. Wir haben alle Themen ausgebreitet und ein gutes Einvernehmen erzielt. Auch die Tatsache, dass man weiß, was einen verbindet, was einen aber auch trennt, ist eine Basis für gutes Arbeiten. Man sollte Grabenkämpfe der Linken zwischen den einzelnen Flügeln nicht überstrapazieren. Nächste Woche sitzen wir wieder mit dem Landesvorsitzenden und Fraktionschef der Linken zusammen. Das sind durchaus wertebewusste Leute, die natürlich keine kirchliche Sozialisierung haben, aber die das Wirken der Kirche in diesem Land wirklich hoch anerkennen.

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(dr)

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