Hillary Clinton spricht in einer Kirche
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Wahlkampf einmal anders
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02.03.2016

US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und die Religion "Eine Quelle der Unterstützung"

Hillary Clinton und Donald Trump: Sie machen wohl das Rennen um die Nachfolge von US-Präsident Barack Obama. Während Trump zuletzt mit Papstkritik aufhorchen ließ, gibt sich Clinton in Sachen Religion zurückhaltender.

Zum 200. Jahrestag der Gründung der "Foundry United Methodist Church" vergangenen September in Washington saß Hillary Clinton wieder in der ersten Reihe. Wie so oft während der Jahre als sie mit Ehemann Bill im Weißen Haus wohnte und einer der beiden sonntags zum Gottesdienst kam. Die frühere First Lady sprach bei der Feierstunde über ihr Zugehörigkeitsgefühl zur methodistischen Bewegung und wie sie seit frühester Kindheit den Vorsatz von deren Gründerfigur John Wesley (1703-1791) verinnerlicht habe, Glauben in Taten umzusetzen. Die Kirche sei ihr überall im Leben "eine Quelle der Unterstützung, ehrlichen Reflexion und offenen Kritik" gewesen.

Clinton spricht nicht viel über Ihre Religion

Solche Momente sind rar im Leben der Spitzenreiterin im Feld der demokratischen Präsidentschaftsbewerber, die nach diesem "Super Tuesday", dem Superwahltag in den USA, ihren Vorsprung ausbaute.

Hillary Clinton spricht nicht oft über ihre Religion. Was erklären mag, warum in einer unlängst veröffentlichten Umfrage nur 43 Prozent der Amerikaner der Meinung sind, ihr Glaube sei der Politikerin besonders wichtig. Nur Donald Trump wird im Bewerberfeld für weniger religiös gehalten. Der Kandidat der Republikaner sorgte zuletzt mit Kritik an Papst Franziskus und dessen Mexikoreise für Schlagzeilen - und bleibt der wichtigste Herausforderer für die Demokratin auf ihrem Weg ins Weiße Haus.

Glaube etwas Persönliches

"Mein Glaube ist in erster Linie etwas Persönliches", vertraute Clinton einem Reporter der "New York Times" an. Ihre religiöse Grundhaltung präge ihr Leben und sei ihre Richtschnur für das eigene Handeln, fügte sie hinzu. Biblisch gesprochen scheint sie es jedoch mit dem Evangelisten Matthäus zu halten: "Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten."

In ihrer Familie wird mit einem gewissen Stolz darauf verwiesen, dass John Wesley, der die von der anglikanischen Kirche abgespaltene methodistischen Reformbewegung mit begründete, ihre Vorfahren in der Kohlestadt Newcastle im Nordosten Englands getauft hatte. Die Methodisten sind heute die zweitgrößte protestantische Kirche in den USA.

First United Methodist Church

Hillary selber wuchs in einem Elternhaus auf, in dem ihr Vater die Idee der Selbstverantwortung betonte, während ihre Mutter stärker auf die Anteilnahme am Leben anderer Wert legte. Die Familie gehörte der First United Methodist Church in Park Ridge nahe Chicago an, in der Hillary sich aktiv in der Jugendgruppe, dem Bibelkreis und bei den Messdienern engagierte.

In dieser Zeit lernte sie den Jugendpfarrer Donald Jones kennen, der sie mit den Ideen des lutherischen Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) und des US-amerikanischen Philosophen Reinhold Niebuhr (1892-1971) vertraut machte. Jones vermittelte ihr die Idee, dass Glaube im Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte gelebt werden muss. Der Pfarrer war es auch, der Hillary 1962 mit dem Menschenrechtler Martin Luther King (1929-1968) bekannt machte.

Kritikpunkte konservativer Katholiken

Diese Erfahrungen sollten nicht ohne Konsequenzen bleiben. Sie gab ihre Mitgliedschaft bei den jungen Republikanern auf und engagierte sich an der Yale Law School für den "Children Defense Fund" der Sozialaktivistin Marian Edelman. Als Christin sehe sie ihre Aufgabe darin, das Leiden anderer zu überwinden helfen, vertraute Clinton Journalisten nach ihrem Einzug als First Lady in das Weiße Haus an.

Konservative Katholiken halten ihr unterdessen vor, die Ansichten der Abtreibungsbefürworter der "Pro-Choice"-Lobby zu teilen. Dass sie sich für die Beibehaltung der Todesstrafe aussprach, ist ein anderer Punkt, der ebenfalls auf Kritik stößt. Doch immer wieder erwies sich die Demokratin in der Vergangenheit als flexibel. So nahm sie 1994 eine Anregung von Mutter Teresa (1910-1997) auf und half, ein Kinderheim in den USA aufzubauen, das Adoption als Alternative zur Abtreibung förderte. Diese Art von Pragmatismus dürfte die Methodistin weiter pflegen. Gerade jetzt, wo der Zweikampf um die Nachfolge von US-Präsident Barack Obama eröffnet ist.

Thomas Spang
(KNA)

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