Montag starten die US-Vorwahlen in Iowa
Montag starten die US-Vorwahlen in Iowa

29.01.2016

Religion ist wichtiger Bestandteil im US-Wahlkampf Ein Wahlkampf mit Gott

​In der nächsten Woche starten die USA in die Vorwahlen für die Präsidentschaftskandidaten. In Iowa sind für republikanische Wähler traditionell religiöse Bekenntnisse wichtig. 

Endspurt in den USA, nach all den Umfragen die ersten Vorwahlen: Am Montag stimmt der Bundesstaat Iowa ab, wer Präsidentschaftskandidat werden soll bei den Republikanern und bei den Demokraten. Republikaner reden im Wahlkampf viel von Glauben und Gott, und in Iowa bezeichnen sich rund 60 Prozent der republikanischen Vorwähler als evangelikale Christen. Doch Showman Donald Trump mischt auch die religiösen Karten neu.

Senator Ted Cruz aus Texas hat seine Fans aufgefordert, für die USA zu beten, um die Nation vor dem Niedergang zu retten. Und sein Rivale Marco Rubio, Senator in Florida, sagt, man müsse jemanden wählen, "der niederkniet und Gott um Führung bittet". Zweck des Lebens sei doch, "mit Gottes Plan zu kooperieren".

Hoch gehandelt: Ted Cruz

Religiöses hat große Bedeutung bei republikanischen Vorwahlen, besonders in Iowa, einem ländlichen Bundesstaat im Mittleren Westen. 2012 stellten dort evangelikale Christen rund 60 Prozent der 120.000 republikanischen Vorwähler. Für 64 Prozent der Republikaner sei es wichtig, dass ein Präsident ihren Glauben teilt, berichtete das Institut "Pew Research Center" in dieser Woche.

Mehrere republikanische Anwärter haben einen guten Ruf in konservativen christlichen Kreisen. Besonders hoch gehandelt wird der 45-jährige Ted Cruz aus Texas. Er steht der konservativen "Tea Party" nahe und ist Mitglied einer Baptistengemeinde in Houston. Einer seiner auffälligsten Iowa-Wahlhelfer ist sein Vater Rafael Cruz, Einwanderer aus Kuba und evangelikaler Prediger. Der 44-jährige Senator Marco Rubio aus Florida, ebenfalls mit kubanischen Wurzeln, ist Katholik und Abtreibungsgegner.

Kein Vertrauen in Trump

Donald Trump hingegen, der laut neuen Umfragen auch bei weißen Evangelikalen Zuspruch findet, hat Probleme mit dem Religiösen: dreimal verheiratet, Spielkasinogründer, weder demütig noch bibelfest. Noch im Jahr 2000 hatte sich der 69-Jähriger für das Recht auf Abtreibung ausgesprochen. Inzwischen sei er "Pro-Life", sagt er mit Blick auf die Bewegung der Abtreibungsgegner.

Führende Vertreterinnen von Lebensschutzverbänden hingegen publizierten in dieser Woche einen "Offenen Brief an Iowa": Sie trauen Trump nicht, man solle nicht für ihn stimmen. Auch der Ethiker des Südlichen Baptistenverbandes, Russell Moore, sagt, Trump besitze keinen moralischen Kompass.

Trump in Umfragen gut

Doch der Milliardär ist offenbar ein Magnet. Laut Pew-Umfrage meinen 52 Prozent der weißen Evangelikalen, Trump wäre ein guter oder großer Präsident. Die frühere Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin hat sich für Trump ausgesprochen, und auch Jerry Falwell Jr., Präsident der größten christlichen Universität und Sohn des 2007 verstorbenen Fernsehpredigers Jerry Falwell. Trump sei ein "erfolgreicher Geschäftsmann, wunderbarer Vater, und ein Mann, der meines Erachtens unser Land wieder groß machen kann", sagte er in der "Washington Post".

Sein Vater, Gründer der "Moralischen Mehrheit", habe 1980 Ronald Reagan unterstützt, der als geschiedener Mann aus Hollywood anfangs nicht sehr angesehen war bei Evangelikalen, sagte Jerry Falwell. Er habe "keinen Sonntagsschullehrer gewählt und keinen Pastoren", sondern einen Präsidenten mit "Fähigkeiten eine Nation zu führen". Reagans Gegenkandidat war der Sonntagsschullehrer Jimmy Carter.

"Glaubensbekenntnisse" von Sanders und Clinton

Die Demokraten Bernie Sanders, ein Jude, und Hillary Clinton, eine Methodistin, haben keine Chancen in der evangelikalen Welt, allein wegen ihrer Zustimmung zur gleichgeschlechtlichen Ehe. In Iowa hat Clinton diese Woche laut "New York Times" dennoch ein ungewohnt detailliertes Glaubensbekenntnis abgelegt. Jesu Bergpredigt ergreife Partei "für die Armen und die Barmherzigen und die, die nach weltlicher Rechnung nicht viel haben". Es mache sie traurig, wenn das Christentum benutzt werde, um "rasch zu verurteilen und hart zu richten".

Sanders sagte der "Washington Post", er glaube an Gott, doch nicht auf traditionelle Art. Für ihn bedeute Glaube, "dass wir alle miteinander verbunden sind, dass alles Leben zusammenhängt", sagte er. Er sei nicht involviert in "organisierte Religion".

Der "Vorwahlzirkus" wird die USA noch Monate beschäftigen. Die letzten der 50 Bundesstaaten wählen erst im Juni. Die nächste Station am 9. Februar, New Hampshire im Nordosten, ist ganz anders gestrickt als Iowa: Viel weniger Evangelikale, mehr Menschen ohne religiöse Bindung. Dort soll laut Umfragen Trump deutlich vorne liegen.

Konrad Ege
(epd)

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