"Mein Kampf" wurde neu kommentiert
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Josef Schuster (Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland)
Josef Schuster (Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland)

08.01.2016

"Mein Kampf" erscheint mit Kommentaren Zentralrat der Juden begrüßt Ausgabe

Hitlers Propagandaschrift "Mein Kampf" erscheint an diesem Freitag erstmals in kommentierter Ausgabe: Der Zentralrat der Juden hält den Umgang mit der Schrift für sehr sinnvoll - gerade vor dem Hintergrund des wachsenden Rechtspopulismus. 

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hält die Veröffentlichung der kritisch kommentierten Gesamtausgabe von Hitlers "Mein Kampf" durch das Institut für Zeitgeschichte für sinnvoll. Auf NDR Info sagte er am Freitag: "Ich kann mir gut vorstellen, dass diese kritisch kommentierte Auflage einer Aufklärung dient, und dass sie einen gewissen Mythos, der um dieses Buch herrscht, aufzuklären vermag." 

Schuster sagte, die kommentierte Ausgabe könne deutlich machen, um was für ein Machwerk es sich handele. Sie könne zudem zeigen, mit welchen völlig skurrilen Theorien und Thesen Hitler gearbeitet habe. Schuster räumte ein, er habe die Sorge, dass das Buch geeignet sein könnte, in rechtsextremistischen Kreisen solche Thesen zu verbreiten. Der Germanist Jeremy Adler findet es dagegen skandalös, dass man sich "Mein Kampf" künftig als "Klassiker" offen in die Bücherregale stellen könne. Er befürchte, dass das Buch demnächst zum Bestseller werde.

Auseinandersetzung mit Propaganda

Es sei wichtig, sich mit Hitlers Propaganda auseinanderzusetzen, gerade vor dem Hintergrund von Rechtspopulismus und Erscheinungen wie "Pegida", so der Zentralratspräsident. "Denn einige Dinge, die wir auch heute wieder hören, finden wir auch in diesem Buch", so Schuster.

Auch dass sich Schüler mit Auszügen der kommentierten Ausgabe befassen, so wie von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) angeregt, sei eine gute Idee, so Schuster weiter. Seiner Ansicht nach sind "Judentum" und "jüdisches Leben in Deutschland" Themen, die im Unterricht und auch generell auf die Zeit von 1933 bis 1945 reduziert werden. "Jüdisches Leben gab es in Deutschland viele Jahrhunderte davor und Gott sei Dank auch wieder danach."

Kritik von Germanist 

Der Germanist Jeremy Adler vom Londoner Kings College kritisierte die neue Ausgabe dagegen. Er sagte im Deutschlandfunk, eine gewissenhafte Institution dürfe keine Hetzschriften verbreiten. Niemand könne kontrollieren, wie der rassistische Text aufgenommen werde. "Die Virulenz, die einmal in dem Buch steckte, steckt noch immer in dem Text." Adler schlug als Alternative vor, Videos und Broschüren mit kleinen Auszügen zu veröffentlichen - oder ein Lexikon für Wissenschaftler.

 Die Neuauflage umfasst zwei Bände, in denen mehr als 3.500 Anmerkungen enthalten sind. Das Institut für Zeitgeschichte will nach eigenen Angaben Hitlers Propaganda entlarven und der nach wie vor wirksamen Symbolkraft des Buches den Boden entziehen. Die Urheberrechte für das Buch "Mein Kampf" waren Ende 2015 erloschen. Sie lagen beim Freistaat Bayern, der eine Publizierung bislang verboten hatte.

(KNA, epd)

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