Kerzen für die Opfer von Paris
Weltweit trauern Menschen um die Opfer der Pariser Anschläge
Stefan Lunte
Stefan Lunte
Polizisten vor der Kathedrale Notre Dame
Polizisten vor der Kathedrale Notre Dame

14.11.2015

Stefan Lunte von der Europäischen Bischofskonferenz "Gefahr der Generalverurteilung"

Die Anschläge in Frankreich könnten dazu führen, dass die Muslime im Land generell verdächtigt und verurteilt werden. Das sagte Stefan Lunte von der Europäischen Bischofskonferenz im domradio.de-Interview.

domradio.de: Wie fühlen Sie sich nach dieser Nacht der Anschläge in Paris?

Stefan Lunte (Berater im Generalsekretariat der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft): Wir sind natürlich alle noch sehr geschockt. Gestern Abend war die Familie, wie das so ist an einem Freitagabend, verstreut an vielen verschiedenen Orten. Ich selbst war auf einer Wahlkampfveranstaltung, hier ist momentan Regionalwahlkampf. Ich wollte mich beim Hinausgehen erst einmal erkundigen, wie das Länderspiel gelaufen ist und dann brachen die Nachrichten herein. Man spricht dann mit allen Menschen darüber, was passiert ist, versucht, das einzuordnen, zu verstehen und irgendwie in Worte zu fassen, was da passiert ist. Gleichzeitig versucht man, mit den anderen Familienmitgliedern in Kontakt zu kommen, meine Tochter studiert in Paris. Da musste ich wissen, ob es ihr gut geht. Und dann war es ein gebanntes Schauen auf den Bildschirm, ein Hören auf die Nachrichten, welche Entwicklungen es gibt. Es ist wirklich eine schwierige, schlimme Situation auch für dieses Land. Es geht auch weit darüber hinaus. Es ist Krieg in westliche Hauptstädte getragen worden und zwar in einer neuen Qualität, in einer koordinierten Qualität, die alle erschrocken hat.

domradio.de.  Sie sind stellvertretender Bürgermeister von Moulin, sind 300 Kilometer entfernt von Paris. Wie reagiert denn solche eine Stadt mit 18.000 Einwohnern auf diese Anschläge?

Lunte: Zunächst stellt sich ganz schnell das Bewusstsein ein, dass nicht gemacht werden kann, was eigentlich für diesen Tag geplant war. Wir wollten heute einen schönen Platz in der Stadt einweihen, mit einem großen Fest und vielen bunten Einlagen, Spielen und Musik. Gestern Abend haben wir besprochen, dass das so nicht stattfinden kann. Ein Fest steht natürlich nicht auf der Tagesordnung, sondern wir werden uns am Mittag auf diesem Platz versammeln, der Bürgermeister wird eine Rede halten und versuchen, den Menschen, die alle unter Schock stehen, irgendeinen Halt zu bieten. Man versammelt sich, man ist zusammen. Ich glaube nicht, dass in unserer Stadt die Angst, selbst Opfer eines Anschlags zu werden, dominiert, aber der Schock ist enorm, weil alle Menschen irgendwelche Kontakte und Beziehungen nach Paris haben.

domradio.de: Frankreich hat sich ja gerade von dem Terror gegen "Charlie Hebdo" erholt. Und es wird bestimmt eine Rolle spielen in den Konsequenzen der aktuellen Anschläge, ob die Attentäter aus den Vororten von Paris stammen, wie das bei "Charlie Hebdo" schon der Fall war, also ob sie hier aufgewachsen sind und französische Staatsbürger sind oder ob sie aus dem Ausland kommen. Was wird das für die Flüchtlingspolitik für eine Rolle spielen?

Lunte: Die Vermutung liegt zunächst einmal nahe, dass es sich um Terroristen handelt, die irgendwie mit dem "Islamischen Staat" in Verbindung stehen. Nun gibt es eben viele, die aus Pariser Vororten sich haben radikalisieren lassen, man spricht von mehreren Tausenden, die nach Syrien gereist sind, wieder zurückgekehrt sind, hier auf ein Signal gewartet haben. Das alles wird die Situation anfachen. Es wird in beide Richtungen gehen und es wird auch die Gefahr bestehen, dass man erneut zu heftigen und unscharfen Schematisierungen kommt. Die Generalverurteilung der Muslime, das ist in der französischen Diskussion immer wieder unterschwellig zu hören. Und da muss man als politisch Verantwortlicher sehr Acht geben, dass diese Generalverurteilungen nicht stattfinden. Die Diskussion in Frankreich über das, was in den Vororten geschieht und über die Entwicklung in diesen Vororten wird sicher ganz stark angefacht werden. Aber es ist auch klar, dass das, was gestern Abend in Paris geschehen ist, für viele Franzosen natürlich damit zu tun hat, dass Frankreich sich doch sehr stark im Kampf gegen ISIS auch militärisch engagiert hat und militärisch präsent ist, anders als andere europäische Staaten. Das spielt auch eine Rolle.

Das Interview führte Christian Schlegel.

(DR)

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