Raul Castro und Papst Franziskus
Raul Castro und Papst Franziskus

11.05.2015

Pater Hagenkord: Franziskus und seine Vorgänger haben sich für Kuba eingesetzt "Sie verstehen sich und kennen ihre Staaten"

Kubas Präsident Castro hat sich für die Vermittlung des Papstes im Konflikt mit den USA bedankt. Fast eine Stunde dauerte Castros Privataudienz bei Franziskus - sicher auch, weil sie dieselbe Sprache sprechen, sagt Pater Hagenkord von Radio Vatikan.

domradio.de: Raul Castro soll gesagt haben: 'Wenn Franziskus so weitermacht, dann kehre ich zur katholischen Kirche zurück.' Er scheint sich also wohl gefühlt zu haben beim Papst, oder?

Pater Bernd Hagenkord (Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan): Das ist offensichtlich. Die Atmosphäre war sehr entspannt. Das war ja kein offizieller Staatsbesuch, sondern eine Privataudienz, und das macht die Sache immer etwas entspannter. Castro hat den Besuch offensichtlich als wichtig empfunden. Er ist ja auch katholisch erzogen worden, deshalb hat sich sicher auch Einiges bei ihm festgesetzt. 

domradio.de: Im Dezember gab es den diplomatischen Durchbruch im bis dahin seit Jahrzehnten angespannten Verhältnis zwischen Kuba und den USA. Der Papst hatte offenbar einen entscheidenden Anteil daran, hat auf beide Staaten eingewirkt. Wollte Castro sich dafür vielleicht auch bedanken?

Hagenkord: Ganz sicher. Offensichtlich hat er das in der Unterredung auch ganz deutlich gesagt. Das hat der Vatikansprecher Federico Lombardi danach jedenfalls betont. Und das war sicher das Wichtigste an dem Besuch. Auch Barack Obama hat das ja öffentlich gesagt: Dank an den Papst und seine Initiative. Diese Initiative war sicher nicht der Grund, aber der Anlass und der Motivator für die Annäherung. Die vergangenen Päpste haben sich dafür ja auch immer wieder eingesetzt, angefangen mit Johannes XXIII. während der Kuba-Krise. Das zahlt sich jetzt hoffentlich zum Wohl des kubanischen Volkes aus. 

domradio.de: Hat Franziskus auf Kuba einen Bonus, weil er aus Lateinamerika kommt?

Hagenkord: Die Länge der Audienz, 55 Minuten, ist auch deshalb interessant, weil ja kein Übersetzer notwendig war. Franziskus hat mit Castro sehr viel länger gesprochen als zum Beispiel mit Obama und Merkel - und auch das waren schon lange Audienzen. Franziskus und Castro verstehen sich und kennen gegenseitig ihre Staaten - wenn auch die Karibik noch ein bisschen anders tickt, als der Süden Lateinamerikas. Auch altersmäßig sind Franziskus und Castro nicht so weit auseinander.

domradio.de: Den Christen auf Kuba geht es noch nicht so, wie man sich das wünschen würde. Hat der Papst das möglicherweise auch angesprochen?

Hagenkord: Dieser Papst wäre nicht dieser Papst, wenn er das nicht täte. Das haben auch die vergangenen Päpste getan. Da gibt es ja auch Einiges zu kritisieren. Die Religionsausübung verbessert sich zwar mittlerweile auf Kuba. Kuba ist ja auch das einzige lateinamerikanische Land, in dem die Katholiken nie in der Mehrheit waren. Es gibt immer noch sehr viele Beschränkungen und Fälle von Korruption, so wie beispielsweise der Aufbau eines Klosters in der Nähe von Havanna verhindert oder in die Länge gezogen wird. Auch der Umgang mit Dissidenten auf Kuba ist ein großes Thema. Bei aller romantischen Vorstellung von Kuba muss man ja immer noch bedenken, dass das eine Diktatur ist. Zum Glück scheint es so zu sein, dass sich das mit Hilfe von Obama und mit Hilfe des Papstes ändern könnte.  

 

Die Fragen stellte Tobias Fricke.

(dr)

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