MOAS-Mitarbeiter werfen von einem Beiboot aus Flüchtlingen Wasserflaschen zu
MOAS-Mitarbeiter werfen von einem Beiboot aus Flüchtlingen Wasserflaschen zu
Migrant Offshore Aid Station
Migrant Offshore Aid Station
Familie Catrambone
Familie Catrambone

04.05.2015

Unternehmerpaar gründet private Rettungsmission Motivator Franziskus

Es waren die Worte des Papstes, die den Anstoß zu einer kleinen privaten Flüchtlingshilfe im Mittelmeer gegeben haben. Nun sticht das maltesische Schiff erneut in See. Hilfe tut not, erst am Wochenende wurden 5.800 Flüchtlinge gerettet.

Die italienische Küstenwache hat am Wochenende im südlichen Mittelmeer insgesamt 5.800 Bootsflüchtlinge gerettet. Allein am Sonntag waren italienische Einsatzkräfte 2.100 Menschen zu Hilfe geeilt, wie die Küstenwache am Montag mitteilte.

Mindestens zehn Menschen starben demnach bei dem Versuch, Italien auf dem Seeweg zu erreichen. Acht Leichen wurden bei Rettungsaktionen auf zwei Flüchtlingskuttern entdeckt. Zwei weitere Menschen ertranken den Angaben zufolge bei dem Versuch, von ihrem in Seenot geratenen Schlauchboot aus zu einem Schlepper zu schwimmen.

Unternehmerpaar gründet private Rettungsmission

Etwa 3.000 Flüchtlinge haben Regina Catrambone und ihr Ehemann Christopher im vergangenen Jahr vor dem Ertrinken im Mittelmeer gerettet. 60 Tage lang dauerte der Einsatz der von ihnen ins Leben gerufenen Rettungsmission. Das italienisch-amerikanische Unternehmerpaar, das seit mehreren Jahren auf Malta lebt, gründete nach eigenen Angaben Europas erste privat finanzierte Flüchtlingshilfe zur See. Am Samstag brach ihr Schiff "Phoenix" zur zweiten Mission auf.

"Tatsache ist, dass wir nur ein Schiff haben", sagt Regina Catrambone. "Es ist voller Liebe, Energie und Menschen, die an dieses Projekt glauben", fügt die Italienerin hinzu. Inspiriert von einer Rede von Papst Franziskus, gründete das Paar mit eigenen Mitteln die Migrant Offshore Aid Station (MOAS). Doch ihre Flüchtlingshilfe brauche Nachahmer und Unterstützer. "Wir können das nicht alleine bewerkstelligen", sagt Catrambone. Sie ruft Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGO) auf, dem Beispiel der MOAS zu folgen.

Mission soll zunächst bis Oktober dauern

Auch in diesem Jahr will die Flüchtlingshilfe, zu der auch erfahrene Seeleute und medizinisches Personal gehören, Hunderte Menschen vor dem Ertrinken retten. Die Mission soll bis Oktober dauern, doch dieses Mal sind die Umstände dramatischer.

Italien hat die Flüchtlingshilfe "Mare Nostrum" eingestellt, allein in diesem Jahr sollen mindestens 1.780 Flüchtlinge bei der Überquerung des Mittelmeers nach Europa ihr Leben verloren haben. 2014 starben nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) insgesamt etwa 3.279 Menschen. Dieses Jahr könne es viel mehr Tote geben, warnt die Organisation. Demnach stieg die Opferzahl allein im April um das 20-fache im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres.

Gerade in den Sommermonaten, wenn die See weniger rau ist, wagen immer mehr Flüchtlinge die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer nach Europa. Allein am Wochenende brachten Marine- und Küstenwachschiffe aus Italien, Frankreich und Griechenland innerhalb von wenigen Stunden mehr als 5.800 Bootsflüchtlinge in Sicherheit.

Das Rettungsteam der MOAS wird mit Kameradrohnen auf hoher See nach Flüchtlingsbooten suchen. "Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit", warnt Catrambone und verweist auf die Kriege und Unruhen in Ländern wie Syrien und Libyen. Tausende Menschen sind dort auf der Flucht. "Es passiert jetzt und wir müssen jetzt reagieren", betont sie und fordert NGOs und Geschäftsleute zum gemeinsamen Handeln auf.

Erst am 19. April waren bei einem Schiffbruch vor der Küste Libyens rund 800 Migranten umgekommen, nur 24 Leichen wurden geborgen und auf Malta begraben. Lediglich 28 Menschen überlebten die Katastrophe.

Das sich abspielende Drama im Mittelmeer hat auch die europäischen Regierungschefs aufgerüttelt. Bei einem EU-Sondergipfel wurden jüngst in Brüssel die Mittel für die Grenzschutzmission "Triton" um das Dreifache aufgestockt. Doch Catrambone sieht die Maßnahmen kritisch. Statt Grenzkontrollen zu stärken, sollten ihrer Ansicht nach mehr Gelder für Such- und Rettungseinsätze vor der Küste Libyens bereitgestellt werden. Dort komme es zu den meisten Flüchtlingstragödien. "Man kann eine Million Schiffe haben, doch es ist sinnlos, wenn die Unglücke woanders passieren", sagt Catrambone.

Mit Unterstützung aus Deutschland

Die MOAS wird von Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen und Privatleuten unterstützt - auch aus Deutschland. Jürgen Wagentrotz, Vorstandsvorsitzender der Oil & Gas Invest AG in Frankfurt am Main, hat nach eigenen Angaben 180.000 Euro privat gespendet. "Wir dürfen einfach nicht tatenlos zusehen, wie Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben hilflos ertrinken", begründet er sein Engagement. Das Unternehmen stellt zudem monatlich 30.000 Euro für die Arbeit der privaten Rettungsinitiative zur Verfügung - unter anderem für Sprit.

Spenden haben die zweite Mission der Flüchtlingshilfe bis Oktober möglich gemacht, mehr als 100.000 Euro nahm die Organisation bei einer Crowdfunding-Aktion ein. Die Hälfte dieses Betrags spendeten Deutsche. Doch nach Angaben der Catrambones werden noch viele weitere Spenden gebraucht, damit die MOAS auch nach Oktober weiter Menschenleben retten kann.

Herman Grech
(dpa)

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