Proteste gegen Pegida
Proteste gegen Pegida

03.01.2015

Katholisches Stadtdekanat beteiligt sich an Aufruf gegen Pegida "Wir haben ein gutes Miteinander"

Vertreter der großen Religionsgemeinschaften in Köln haben in einer gemeinsamen Erklärung die islamfeindliche Bewegung Pegida verurteilt. Im domradio.de-Interview warnt Stadtdechant Robert Kleine vor einer Instrumentalisierung.  

domradio.de: Zu was haben Sie konkret aufgerufen?

Monsignore Robert Kleine: Wir haben zu einem Dialog aufgerufen. Ein Dialog der Religionen, der Weltanschauungen. Dann haben wir aufgerufen, einmal wahrzunehmen, wie das Miteinander der Religionen, der Menschen unterschiedlicher Auffassungen in unserer Stadt Köln gelingt. Außerdem haben wir dazu aufgerufen, nicht zu dieser Pegida- Demonstration zu gehen, sondern das zu sehen, was gelingt, das auch wertzuschätzen und sich nicht aufstacheln und instrumentalisieren zu lassen.

domradio.de: Gruppen wie Pegida gewinnen in ganz Deutschland und auch hier in Köln immer mehr an Zulauf. Wie erklären Sie sich das?

Kleine: Ich glaube, es ist eine diffuse Gemengelage. Eine Unzufriedenheit, auch mit - wie es immer gesagt wird - den Parteien, wobei bei jeder Bundestagswahl ja über 40 Parteien antreten, da müsste ja für jeden etwas dabei sein. Es ist irgendwie ein Unwohlsein, das sich aber nicht genau definieren lässt. Ich habe auch mitbekommen, dass die Teilnehmer dieser Demonstrationen oft gar nicht sagen, wofür oder wogegen sie demonstrieren. Es heißt „Islamisierung des Abendlandes“,  wobei das Abendland eine reiche Geschichte hat, auch wenn wir uns die Geschichte Europas anschauen, ist das ein Miteinander von Judentum, Christentum und auch dem Islam.

Wir haben hier in Köln, das ja auch mitten im Abendland liegt, den Rat der Religionen. Wir haben ein gutes Miteinander auf den verschiedenen Ebenen und deshalb wollten die Synagogengemeinde und die christlichen Kirchen, sozusagen die beiden anderen monotheistischen Religionen, auch noch einmal eine Solidaritätsadresse abgeben an den Islam oder an die Muslime. In allen Religionen geht es immer um die Menschen guten Willens. Es gibt immer Menschen, die Religion missbrauchen, aber hier geht es um das gute Miteinander und ich glaube, da war dieses Zeichen jetzt notwendig.

domradio.de: Entwicklungsminister Müller forderte eine sachliche Auseinandersetzung mit der Protestbewegung Pegida, die Politik müsse sich angesichts der Flüchtlingswelle mit den Sorgen vieler Menschen auseinander setzen. Was sagen Sie denn dazu?

Kleine: Das ist richtig. Man muss auf beiden Seiten für Argumente zugänglich sein. Es wird auch oft vermischt, was Flüchtlinge sind. Unser Erzbischof hat ja die Aktion "Neue Nachbarn " ins Leben gerufen. Also ein Flüchtling ist ja jemand, der seine Heimat verlässt und ich glaube jeder von uns tut das nicht freiwillig. Wir reden im Augenblick vor allem über die Flüchtlinge, die aus dem Irak, aus Syrien kommen, die dort von der Terrormiliz IS mit dem Tode bedroht sind. Sie fliehen und sie brauchen Aufnahme und nicht nur in den Nachbarländern, sondern sie müssen verteilt werden, damit sie aus diesen großen Flüchtlingslagern heraus kommen.

Jetzt bekommen wir in einer Millionenstadt wie Köln einige tausend dieser Flüchtlinge und ich denke, es ist das Gebot der christlichen Nächstenliebe, dass wir uns kümmern. "Ich war obdachlos, ihr habt mir ein Obdach gegeben", sagt Jesus in den Seligpreisungen. Sie überschwemmen uns ja nicht, das ist ja ein Bild, das da gemalt wird. Dann gibt es sicherlich immer den Vorwurf der Wirtschaftsflüchtlinge aus anderen Ländern, aber auch hier muss man mal genau hinschauen. Ich finde es nur fatal. Heute war in den Nachrichten ein steuerloser Frachter, wo Menschen viel Geld dafür bezahlen, um ihre Heimat zu verlassen, dass wir ihnen dann sozusagen die ausgestreckte Hand entgegen halten und sagen: Stop jetzt!

Das finde ich Menschen nicht würdig, diesen Flüchtlingen, die da kommen, die nur das am Körper tragen und sonst keinen Besitz mehr haben. Ich glaube, man muss ihnen helfen und darüber hinaus gilt es, in den Ländern, aus denen sie kommen, Voraussetzungen schaffen, dass es zum ersten keine Wirtschaftsflüchtlinge mehr gibt, und zum zweiten, dass es überall Mittel gibt, den Hunger zu beseitigen und wirtschaftlich gute Verhältnisse zu schaffen. Man sollte sich mal vorstellen, dass man selber von der Terrormiliz IS vom Tode bedroht wäre, da würde man auch gucken, dass man schnellstens das Land verlässt.

domradio.de: Was glauben Sie, wie wird das mit Pegida in Köln weitergehen, werden solche Gegenbewegungen gegen fruchten?

Kleine: Ich hoffe sehr, dass wir wieder in einen Dialog treten. Es gibt die Parteien, mit denen man sich auch inhaltlich auseinandersetzen kann, es gibt gesellschaftspolitische Diskurse, aber es nützt ja nichts, dass ich gegen irgendetwas auf die Straße gehe, was auch überhaupt nicht ansteht. Auch eine Islamisierung steht ja bei uns nicht an. Unser Alterzbischof Kardinal Meisner hat ja schon einmal gesagt, die Bedrohung ist ja nicht, dass zu viele Muslime in Deutschland sind, sondern die Bedrohung besteht eigentlich darin , dass wir als Christen etwas zu lax sind und dass wir das Christentum nicht offen - sagen wir einmal - verkünden in unserem Leben. Dadurch nimmt das Christentum, nehmen die Katholiken und auch die evangelischen Christen ab, auch in unserer Stadt.

Nicht, weil wir zu viele Muslime haben, wenn man sich das anschaut. Wenn dann in Dresden gegen die Islamisierung demonstriert wird, da gibt es ja kaum Moslems in den neuen Bundesländern. Das ist dann eine Verkehrung, dann wird ein Feindbild aufgebaut, gegen das wir uns wehren, so dass wir in unserem Aufruf sagen: Wir verurteilen die Versuche von Pegida, die Gesellschaft zu spalten, eine ganze Religion zu verunglimpfen und auszugrenzen. Wir müssen uns auch mit dem Islam und einigen Erscheinungsformen kritisch auseinander setzen, aber ich kann nicht diese Pauschalurteile in die Welt setzen, die dann auch an die Vergangenheit erinnern.

domradio.de: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Aurelia Rütters. Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Weder domradio.de noch das Erzbistum Köln machen sich Äußerungen der Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen zu eigen.

(dr)

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