Blick über Gaza-Stadt (Mitte Oktober 2014)
Blick über Gaza-Stadt (Mitte Oktober 2014)
Kardinal Nichols in Gaza
Kardinal Nichols in Gaza

24.11.2014

Britischer Kardinal zur Lage der Christen in Gaza Christen sind "Keim der Hoffnung"

Der britische Kardinal Nichols zeigt sich schockiert über das Ausmaß der Zerstörung drei Monate nach dem Gaza-Krieg. Er hat am Sonntag Christen vor Ort Mut zugesprochen. Im Interview spricht er über ihre Rolle im Nahost-Konflikt.

KNA: Warum war Ihnen wichtig, den Gazastreifen und die dort lebenden Christen zu besuchen?

Kardinal Vincent Nichols (Vorsitzender der Bischofskonferenz von England und Wales): Wegen des Traumas, das die Menschen in Gaza in den vergangenen Monaten durchgemacht haben. Mit meinem Besuch hier möchte ich einen kleinen Teil dazu leisten, dass die Lage hier nicht vergessen wird. Ich wusste, dass die katholische Gemeinde von Gaza sehr klein ist. Die Präsenz der Christen hier ist dennoch von großer Bedeutung. Während des Krieges haben wir gesehen, dass die christliche Gemeinde Zufluchtsort für viele Menschen war. Damit sind sie ein Keim der Hoffnung, des Mitgefühls und der konkreten Hilfe und des Daseins für den anderen. Für dieses mutige Zeugnis danke ich den Christen in Gaza.

KNA: Decken sich Ihre Erfahrungen hier mit Ihren Erwartungen im Vorfeld?

Nichols: Was ich nicht erwartet habe, sind das Ausmaß der Zerstörung und die Armut, in der die Menschen von Gaza leben. Ich bin schockiert von der Zerstörungskraft dieses Krieges. Ich glaube, jeder Einzelne muss in dieser Situation die Menschlichkeit wiederentdecken jenseits von Politik und dem Eindruck des Krieges. Wir brauchen einen neuen Fokus darauf, dass es hier um Menschen geht. Wir müssen Wege für den Wohlstand finden, denn Armut ist immer eine Quelle für Frustration, Frustration eine Quelle für Spannungen. Wir brauchen hier langfristige Lösungen.

KNA: Mit Blick nicht nur auf Gaza, sondern auch den sich in den vergangenen Wochen verschärfenden Konflikt in Jerusalem: Wie kann diese Lösung Ihrer Meinung nach aussehen?

Nichols: Es muss ein Weg des Dialogs sein. Wir müssen an dem weitestgehend akzeptierten Ansatz festhalten, wonach der Weg in zwei lebensfähigen Staaten liegt, die drei Hauptreligionen umfassen. Daran muss mit allen Anstrengungen gearbeitet werden.

KNA: Was würden Sie den beiden Konfliktparteien mit auf den Weg geben?

Nichols: Auf beiden Seiten ist die Sorge vor einem wachsenden Einfluss von Extremisten groß. Die Regierungen auf beiden Seiten sind also in der Verantwortung, diesen Extremismus einzudämmen und sicherzustellen, dass der Weg, der beschritten wird, nicht von den Handlungen einiger weniger bestimmt wird. Es braucht eine starke Führung hin zum Dialog. Die Verantwortung des Stärkeren - und Israel ist in einer starken Position - ist es, auf den Weg des Friedens zu leiten.

KNA: Welche Botschaft bringen Sie den Christen in Gaza von Papst Franziskus?

Nichols: Es ist mein Privileg, die Botschaft zu wiederholen, die Papst Franziskus unermüdlich gibt, eine Botschaft des Durchhaltens und der Aufruf, jeden Tag kleine Schritte zu machen. Seine Botschaft für die Menschen in Gaza ist insbesondere die der Ermutigung und der Wunsch, dass sie treu im Glauben bleiben.

KNA: Sie haben durch die "Freunde des Heiligen Landes" der Gemeinde ganz konkrete finanzielle Unterstützung mitgebracht.

Nichols: Hilfe ist wichtig. Noch wesentlicher ist aber in meinen Augen die Hoffnung. Ich hoffe, dass unsere Hilfe der Hoffnung helfen wird.

KNA: Was werden Sie nach Ihrer Rückkehr nach England den dortigen Katholiken aus Gaza mitbringen?

Nichols: Ich werde sie bitten, weiter zu beten und die Menschen hier besonders in ihrem Herzen zu behalten.

Das Interview führte Andrea Krogmann.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Weder domradio.de noch das Erzbistum Köln machen sich Äußerungen der Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen zu eigen.

(KNA)

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