Bodo Ramelow
Bodo Ramelow

21.10.2014

Erfurter Pfarrer zur Entscheidung der Thüringer SPD "Ein Ministerpräsident Ramelow würde mir nicht gefallen"

Die SPD-Führung in Thüringen hat sich für ein rot-rot-grünes Bündnis unter der Führung von Bodo Ramelow ausgesprochen. Der Erfurter Pfarrer Michael Neudert erklärt im domradio.de-Interview, warum ihn das erschreckt.

domradio.de: Sie haben sich in der Wende-Zeit vor 25 Jahren engagiert. Sie haben zum Beispiel beim Bürgerkomitee zur Auflösung der Staatssicherheit mitgearbeitet. Nun wird der Spitzenkandidat der Nachfolgepartei der SED eventuell Ministerpräsident. Wie gehen Sie damit um?

Neudert: Das ist, seitdem ich das so in dieser Klarheit vor Augen geführt bekommen habe, für mich doch ein relativ großes Erschrecken. Es ist unerwartet und, ich muss ehrlich zugeben, so richtig gefällt mir das nicht.

domradio.de: Warum nicht?

Neudert: Aus der Wortwahl von Herrn Ramelow habe ich rausgehört, auch bei manchem Gestammel, was die politischen Zusammenhänge mit der ehemaligen DDR betrifft, dass das nicht so ganz klar ist, wie wir uns zur DDR verhalten sollten als Linke oder als PDS oder als ehemalige DDR.

domradio.de: Bodo Ramelow stammt ja nicht aus der DDR. Er hat also mit den SED-Machenschaften gar nichts zu tun. Kann das denn vielleicht helfen, das so ein bisschen zu akzeptieren?

Neudert: Das verwundert mich am meisten, dass jemand, der in einem freiheitlichen demokratischen Land aufgewachsen ist, sich ohne Distanz in diese Welt der Linken hineinbegibt.

domradio.de: Es gab viele Schlagzeilen zu dem Thema seit die SPD-Führung sich gestern für ein solches Bündnis ausgesprochen hat. Gibt es ähnlich intensive Diskussionen unter den Bürgern in Erfurt? Haben Sie da was mitbekommen?

Neudert: Ich glaube, dass es hier keinen einzigen gibt - soweit ich das sehe und soweit ich heute schon Gespräche führen konnte - der das nicht zu einem der ersten Themen gemacht hat. Es ist was, was die Leute bewegt. Wenn ich das richtig verstehe und richtig widergeben kann, ist gerade auch bei christlichen Menschen, die mich hier so umgeben, doch ein bestimmtes Unverständnis, ja auch manchmal Erschrecken und Entsetzen über diese Möglichkeit.

domradio.de: Vor der Entscheidung der SPD für ein solches Bündnis gab es einen heftigen Streit um die Frage, ob die DDR nun ein Unrechtsstaat war oder nicht. Die Linken in Thüringen sehen das mittlerweile so. Warum ist denn dieses Bekenntnis vor allem für ehemalige DDR-Bürgerrechtler so wichtig?

Neudert: Das hängt damit zusammen, dass wir die DDR nicht nur mit historischen Augen sehen, sondern wir müssen sie auch sehen in der Emotionalität menschlicher Lebensentwürfe. Da kann ich dann nicht einfach sagen, dass die DDR ein Rechtsstaat gewesen ist. Das Unrecht, das in der DDR begangen worden ist, ist ein systematisches, staatsgelenktes Unrecht. Von daher ist es vielleicht günstiger zu sagen, es ist eher ein Unrechtsstaat.

domradio.de: Befürchten Sie denn nun, dass ein Ministerpräsident der Linken die Gesellschaft in Thüringen spalten könnte, weil Opfer der DDR-Diktatur ihn nicht akzeptieren können?

Neudert: Das glaube ich nicht. Das hat damit zu tun, dass es eine bestimmte Stärke hier in Ostdeutschland gibt, die die Menschen haben. Sie können sicher auch akzeptieren, wenn Bodo Ramelow Ministerpräsident würde und dieses Amt vielleicht mit einer mehr oder weniger geschickten Hand ausführen kann. Da gibt es genügend Stärke, das zu tolerieren. Möglicherweise wird es aber weiterhin Diskussionen geben und Menschen, die mit dieser Entscheidung nicht zufrieden sind. Vielleicht werden auch Manche diese Entscheidung in Richtung SPD verschieben und sagen, was haben die denn da gemacht.

Das Gespräch führte Veronika Seidel Cardoso.

(DR)

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 20.07.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • 750-jähriges Weihejubiläum des Paderborner Dom
  • „Treffpunkt Autobahnkapelle“ an Raststätte in Nievenheim
  • Landesbischof Bedford-Strohm kritisiert CSU für Flüchtlingspolitik
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Urlaub und Einkehr: Reisebericht vom Jakobsweg
  • Entwicklung in der Kirche: Wie verändern sich die Mitgliederzahlen?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Urlaub und Einkehr: Reisebericht vom Jakobsweg
  • Entwicklung in der Kirche: Wie verändern sich die Mitgliederzahlen?
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Im Fadenkreuz der Gewalt: Adveniat zur Lage der Kirche in Nicaragua
  • Situation von Flüchtlingen auf Lesbos: Ärzte ohne Grenzen übt scharfe Kritik
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Im Fadenkreuz der Gewalt: Adveniat zur Lage der Kirche in Nicaragua
  • Situation von Flüchtlingen auf Lesbos: Ärzte ohne Grenzen übt scharfe Kritik
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Entwicklung in der Kirche: Wie verändern sich die Mitgliederzahlen?
  • Urlaub und Einkehr: Reisebericht vom Jakobsweg
  • 750-jähriges Weihejubiläum des Paderborner Dom
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Matthäusevangelium
    21.07.2018 07:50
    Evangelium

    Mt 12,14–21

  • Papst Clemens XIV.
    21.07.2018 09:20
    Anno Domini

    Aufhebung des Jesuitenordens

  • Walnüsse am Baum
    22.07.2018 00:00
    Alle Wetter!

    4. Juli-Woche: Sankt-Jakobs-We...

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag ab 8 Uhr!

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen