15.04.2017

Skaten, Rücken, Fluchen - Im Alltag gibt es viele Kreuzsymbole Zocken mit dem Kreuz

Kreuzbein, Kreuzfahrt und ein Straßenschild: Während die Kreuze in den Kirchen vor dem Osterfest verhangen werden, begegnet es uns beinahe täglich als Symbol. Nicht immer hat es allerdings mit Jesus zu tun.

Auch wenn vor der Osternacht die Kreuze in den Kirchen verhüllt werden: Im Alltag ist es stets präsent. Wobei es nicht immer etwas mit dem Glauben zu tun hat. Das Kreuz zählt schließlich zu den ältesten Symbolen der Menschen. Es steht für die vier Himmelsrichtungen, aber auch für die Horizontale und Vertikale - also für alles, was Himmel und Erde verbindet. Es ist auch das Zeichen des Getrennten, also der Scheideweg oder Kreuzpunkt: Hier muss man sich neu entscheiden.

Am Skattisch weist das Kreuz ebenfalls oft die Richtung - der Kreuz-Bube sticht sie alle. Unverhohlen wird mit dem Kreuz gezockt.

Dabei ähnelt die Farbe der klassischen französischen Spielkarten eher einem Kleeblatt und heißt auch eigentlich so: "trefle" (deutsch: Klee). Beim Kreuzworträtsel ist die Begriffsherkunft wiederum eindeutig - es werden Wörter gesucht, die in waagerecht und senkrecht sich kreuzende Reihen von Kästchen passen.

Christliche Bedeutung beim Andreaskreuz

Eine christliche Bedeutung liegt dem Andreaskreuz zugrunde: Während seiner weitläufigen Missionsreisen erlitt Namensgeber Andreas, ein Apostel Jesu, der Überlieferung zufolge im griechischen Patras an einem X-förmigen Kreuz das Martyrium. Heute warnt das rot-weiße Andreaskreuz vor Bahnübergängen. Der heilige Andreas fungiert unter anderem als Schutzheiliger der Fischer und Wasserträger sowie als Patron von Schottland - kein Wunder, dass dessen Fahne ein Andreaskreuz trägt.

Nicht immer ist die Wortgeschichte so eindeutig. Beim "Kreuzfahrtschiff" kursieren mehrere Herleitungen. Einmal wird der Kriegsschifftyp "Kreuzer" als Ursprung, genannt. Die "Kruiser" kamen im 17. Jahrhundert in den Niederlanden auf. Andere erkennen darin Anklänge an den "Kreuzzug" im Sinn einer Pilgerreise. Naheliegend scheint auch der Verweis auf das "Kreuzen", das Navigieren gegen den Wind auf hoher See.

Rein anatomisch stecken übrigens in jedem Menschen fünf Kreuze: Vier Kreuzbänder - zwei pro Knie - und das Kreuzbein, auf Lateinisch "Os sacrum" ("Heiliges Bein") geheißen, ist das keilförmige Ende der Wirbelsäule. In der römischen Antike wurde das Kreuzbein von Tieren auch als Opfergabe verwendet. Es galt als Sitz der Seele, weil in der Nähe die Fortpflanzungsorgane lagen. In unseren Tagen wuchs sich das Kreuzbein zum kompletten Rücken aus: "Ich habe es im Kreuz", fluchte der Zeitgenosse, bevor Horst Schlämmer alias Pilgerautor Hape Kerkeling den Ausruf "Isch hab' Rücken" kultivierte.

Auch in der Musik spielt das Kreuz eine Rolle. Die Raute in Form eines schrägen Doppelkreuzes (#), die Twitter-Nutzer an einen Hashtag erinnern dürfte, firmiert bei Kennern klassischer Kompositionen als Kreuz. Vor eine Note gesetzt, bezeichnet es die Erhöhung eines Stammtons um einen Halbton.

Kreuz-Reliquien

Zurück zum Kreuz Jesu. Eine Verehrung des Holzes, an dem der Messias starb, war in den ersten Jahrhunderten wegen der allgemein verbreiteten Verachtung des Kreuzestodes unüblich. Nur in Syrien wurden früh Räume mit Holzkreuzen geschmückt. Vermutlich von dort verbreitete sich seit dem fünften Jahrhundert der Brauch der Kreuzesdarstellungen und der Altarkreuze. Aus der Volksfrömmigkeit entstanden in der Folgezeit Haus-, Grab-, Wege- oder Schmuckkreuze.

Das echte Kreuz Jesu soll der Überlieferung zufolge im Jahre 325 von der heiligen Helena aufgefunden und später durch Kreuzfahrer in viele Teile zerlegt worden sein. Immer wieder tauchten in der Folge Splitter auf, die als Reliquien noch heute verehrt werden. Gerüchten zufolge sollen alle Stücke zusammengenommen mehrere Kreuze ergeben.

Doch der französische Architekt Charles Rohault de Fleury ging der Sache im 19. Jahrhundert auf den Grund. Er rechnete das Volumen aller Kreuz-Reliquien zusammen. Und kam dabei auf ein Volumen, das kleiner als das eines realen Kreuzes war.

Wie dem auch sei: Hier und da wurde wohl schon jemand mit einer vermeintlichen Reliquie "aufs Kreuz gelegt" (Redewendung aus der Ringersprache) und hat Worte geflucht wie "Kruzifix nochmal" oder "Kreizsacklzement" - bayrisch für "Kreuzsakrament", das aus einem scherzhaften Fluch von Kirchenbauern entstanden sein soll.

Rainer Nolte
(KNA)

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