Tanzverbot an Karfreitag bleibt bestehen
Diskussion um Tanzverbot an Karfreitag

14.04.2017

Tanzverbot am Karfreitag sorgt alljährlich für Debatten Der stillste Tag

Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet das Tanzverbot am Karfreitag laut einer aktuellen Umfrage. Die Regelung bleibt jedoch umstritten. Die Länder reagieren bisweilen unterschiedlich.

Der Karfreitag ist fast durchgehend rot markiert. In der Übersichtstabelle einer Online-Enzyklopädie zu den sogenannten stillen Feiertagen steht Rot für ein ganztägiges Tanzverbot. Es gilt am Karfreitag in den meisten Bundesländern; in den übrigen zumindest zu bestimmten Zeiten. Kein anderer Tag ist so still. Ruhe kehrt in die Debatten bislang jedoch nicht ein.

"Alter Zopf", "überkommene Rücksichtnahme", "Ausbremsen von Nachtschwärmern" - solche Worte von Kritikern sind noch verhältnismäßig sachlich. Die Kirchen pochen dagegen auf die Bedeutung des Karfreitag. So erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, einmal, er habe kein Verständnis für die Debatte. An das Leiden zu erinnern, sei "ein wichtiges Kulturgut" - auch jenseits von Religion.

Am Karfreitag gedenken Christen der Kreuzigung Jesu. In der evangelischen Kirche gilt er als einer der höchsten Feiertage. Für Katholiken ist er ein Fast- und Abstinenztag. Unterdessen gab es immer wieder Tanzverbote zu bestimmten Tagen oder Zeitabschnitten.

Allgemeine derartige Regelungen herrschten in Deutschland zeitweise auch aus politischen Gründen, etwa während der beiden Weltkriege.

Regelungen sind Ländersache

Die heutigen Regelungen sind Ländersache. Mehrere Bundesländer lockerten ihre Gesetze in den vergangenen Jahren. Schleswig-Holstein verkürzte das Tanzverbot: Zwei Stunden fallen künftig weg. Das Verbot gilt nicht mehr rund um die Uhr, sondern von 2.00 Uhr morgens am Karfreitag bis 2.00 Uhr morgens am Karsamstag. Baden-Württemberg lockerte das Feiertagsgesetz ebenfalls, allerdings bezüglich der bis dato geschützten Sonntage. Die stillen Feiertage bleiben weiterhin geschützt.

Bayern, das 2013 ebenfalls das Feiertagsgesetz gelockert hatte, entschied 2014, dass an den stillen Tagen keine Zirkusvorstellungen erlaubt sind, im konkreten Fall an Allerheiligen. Das Tanzverbot betrifft in aller Regel auch etwa Sportveranstaltungen.

Im vergangenen November erklärte dann das Bundesverfassungsgericht den strengen bayerischen Schutz des Karfreitag für verfassungswidrig. Geklagt hatte der "Bund für Geistesfreiheit" (BfG), dem die Stadt seit 2007 das Feiern von "Heidenspaß"-Partys am Karfreitag untersagt hatte. Ein generelles Verbot sei unverhältnismäßig, so das Urteil, es müsse auch Möglichkeiten für Ausnahmen von der Pflicht zur Stille geben. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bedauerte den Beschluss. Die Party des BfG soll am diesjährigen Karfreitag im Münchner Oberangertheater stattfinden.

Hessen ist das Land mit den meisten stillen Feiertagen. An 15 Tagen, darunter auch Neujahr, herrscht dort zeitweiliges Tanzverbot. Die wenigsten stillen Tage begehen Berlin, Bremen und Schleswig-Holstein. Dort sind Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag geschützt - noch.

Lockerung in Bremen

Am stärksten wurde die Regelung 2013 in Bremen gelockert. Nach einer Petition entschied der Landtag, das Tanzverbot am Karfreitag auf die Zeit zwischen 6.00 bis 21.00 Uhr zu begrenzen, am Volkstrauertag und Totensonntag auf 6.00 bis 17.00 Uhr und es an allen weiteren Tagen aufzuheben. 2018 soll das Tanzverbot endgültig abgeschafft werden.

Neben dem Karfreitag gibt es bundesweite Einschränkungen nur am Volkstrauertag - einem staatlichen Gedenktag - und am Totensonntag.

Für alle anderen stillen Tage gilt längst, was für den Karfreitag immer wieder gefordert wird: Regionale Besonderheiten werden berücksichtigt. So ist Allerheiligen nur in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ein stiller Tag. In Niedersachsen herrscht zu Allerseelen ein Tanzverbot in Gemeinden mit über 40 Prozent katholischer Bevölkerung.

Die Diskussion ist nicht nur in Deutschland aufgeheizt. In Irland wehren sich Pub-Betreiber gegen das Ausschankverbot am Karfreitag, in der Schweiz hoben mehrere Kantone die Tanzverbote in den vergangenen Jahren auf.

Viele Bischöfe und Priester erinnern gerade am Karfreitag an Terror und Kriege, Katastrophen und Hungersnot. Das Leid der Welt steht an diesem Tag im Zentrum. Die Zumutung, 24 Stunden lang aufs Tanzen zu verzichten, ist dagegen doch vergleichsweise klein.

Paula Konersmann
(KNA)

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Aktuell: Statement zur Missbrauchs-Studie.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

DOMRADIO in Berlin und Brandenburg

Ab sofort auf DAB+ auch in Berlin und Brandenburg: Das Kölner DOMRADIO!

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 21.09.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen