Österliches Durcheinander in der Grabeskirche
Österliches Durcheinander in der Grabeskirche
Karfreitag in der Via Dolorosa, Jerusalem
Karfreitag in der Via Dolorosa, Jerusalem

14.04.2014

In der Heiligen Woche herrscht in Jerusalem Ausnahmezustand "Das ganze Land steht Kopf"

Dieses Jahr fällt der Ostertermin der Christen von Ost- und Westkirche zusammen, gleichzeitig feiern die Juden Pessach. Der Journalist Ulrich Sahm ist in Jerusalem und berichtet im domradio.de-Interview vom Ausnahmezustand.

domradio.de: In diesem Jahr fallen westlicher und orthodoxer Ostertermin zusammen. Wird es deshalb noch voller in Jerusalem als eh schon?

Sahm: Es ist noch viel, viel, viel schlimmer als Sie sagen, denn nicht nur die Christen feiern Ostern, Ost und West, sondern auch die Juden feiern ihr Pessach-Fest. Da steht natürlich das ganze Land Kopf. In diesen Tagen werden in einem Land von einer Bevölkerung von nur acht Millionen Menschen eine Million Menschen allein den Flughafen passieren. Pilger, die kommen und Israelis, die in den Pessach-Urlaub irgendwohin fliegen, in die Türkei oder anderswohin. Die Polizei steht Kopf, weil fürchterliche Staus heute erwartet werden. Insofern ist es furchtbar.

domradio.de: Es ist furchtbar, sagen Sie. Am Wochenende hat es auf dem Tempelberg wieder Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischer Polizei gegeben. Wie groß ist denn die Angst vor Anschlägen in dieser Woche?

Sahm: Anschläge, würde ich sagen, kann man fast ausschließen. Es gibt Spannungen auf dem Tempelberg und heute zum Beispiel haben dann die Israelis beschlossen, dass keine Touristen und keine Juden auf den Tempelberg steigen dürfen und dass nur Frauen und Männer über 50 mit israelischem Ausweis dort beten gehen dürfen. Also, es wird versucht, da auch diese Spannungen ein wenig zu mindern, zu lindern. Anschläge werden eigentlich nicht erwartet. Es hat ja schon einige Jahre lang keine richtigen großen Anschläge, Selbstmordattentate oder so etwas, mehr gegeben. Insofern ist Jerusalem eigentlich ein sehr ruhiger Fleck geworden, auch wenn es fürchterlich voll ist.

domradio.de: Aber wie reagieren denn die unzähligen Menschen, die gekommen sind zu den Osterfeierlichkeiten, dass sie nicht beten dürfen am Tempelberg?

Sahm: Das sind ja nun wiederum die Moslems. Es gibt ein anderes Problem, dass die Polizei, weil es nur einen einzigen Ein- und Ausgang bei der Grabeskirche gibt, dass die israelische Polizei dort Absperrungen machen will und nur wenigen Pilgern den Zugang zur Kirche erlauben will. Und das stört natürlich viele, viele tausende Christen, die am liebsten, vor allem bei der Osterfeuer-Zeremonie am kommenden Samstag mit dabei sein wollen und die angereist kommen aus Äthiopien und aus fernen Ländern und dann eben vor einer polizeilichen Absperrung stehen und nicht durchgelassen werden.

domradio.de: Jetzt ist das Pessach-Fest der Juden, wie Sie uns sagen. Es ist der orthodoxe und der westliche Ostertermin. Haben Sie Sorge oder besteht Angst in Israel vor Auseinandersetzungen auch zwischen Christen unterschiedlicher Konfessionen, weil sie eben alle zur Grabeskirche und den heiligen Stätten wollen?

Sahm: Nein, da gibt es nun einen so genannten Status quo, das heißt Regeln, die sind über 300 Jahre alt, die aufgestellt worden sind und die dafür sorgen, dass jede religiöse Gemeinschaft, Kirche, Konfession, dass jeder an seinen Altären genau zu festgelegten Zeiten betet oder Gottesdienste feiert, dass die Prozessionen eine nach der anderen abgehalten werden, damit es da nicht zu Zusammenstößen kommt. Es gibt manchmal Prügeleien, weil bei manchen die Uhren nicht so ganz richtig gehen. Aber dafür ist ja Polizei präsent und die sorgt dann dafür, die Streithähne auseinanderzutreiben.

Das Gespräch führte Matthias Friebe.

(DR)

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